Militärflugplatz Eschborn

Unweit der heutigen Waldparklandschaft Arboretum zwischen den Städten Eschborn und Schwalbach befindet sich der ehemalige Militärflugplatz Frankfurt-Sossenheim (Tarnname „Schafweide“) – heute Militärflugplatz Eschborn genannt. Dieser wurde in den 1930er Jahren im Rahmen der Aufrüstung des Deutschen Reichs im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs errichtet. Zur damaligen Zeit befanden sich auf dem Gelände fünf aus Stein gebaute Hangars, die übrigen Gebäude für Kommandatur und Personal waren einfach Baracken. Anstelle der üblichen, asphaltierten Landebahnen gab es hier nur eine Graspiste, die von Schafen kurz gehalten wurde. Das Flugzeugbenzin lagerte man in einem unterirdischen Tank. Speziell für die Justierung von Bordkanonen befand sich auf dem Platz ein Schießstand.

Genutzt wurde der Flugplatz, bis dieser durch einen Bombenangriff am 15. August 1944 zerstört wurde, für die Schulung von Piloten im Umgang mit Lastenseglern. Diese setzte man zum speziellen Transport von Truppen und Material hinter feindlichen Linien ein. 1941 verlegte man die ersten Segelflugverbände auf den Flugplatz. Ein Ausbau im gleichen Jahr wurde wegen des Ausbaus des Rhein-Main-Flughafens von der Luftwaffe des Deutschen Reichs gestoppt. Hier sah man eine höhere Priorität.

Nach Kriegsende übernahmen die Amerikaner den Flugplatz und nutzten diesen als Ausweichflughafen für den zerstörten Rhein-Main-Flughafen. Tausende deutsche Kriegsgefangene halfen bei der Herrichtung des Flugplatzes und legten eine 1.600 Meter lange Start- und Landebahn an. Parallel zu den amerikansichen Truppen befand sich von 1948 bis 1970 eine Überseefunkstelle der Post auf Teilen des Geländes. Der Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte, General Dwight D. Eisenhower, der in Kronberg residierte, nutzte den Platz zum Starten und Landen. Außerdem wurden von hier ehemalige Nazi-Größen zum Verhör in die CIA-Stützpunkte in Oberursel und Kronberg geflogen.

1991 übergaben die Amerikaner den Flughafen beim Abzug der letzten hier stationierten Einheit an den Bund. Ab diesem Datum stellte man große Bereiche unter Naturschutz und siedelte auf einem Teil Gewerbe an. Der letzte, verbliebene Hangar wurde erhalten – dieser gilt aufgrund seines freitragenden Hallendachs als Denkmal der Industriegeschichte. Die GSG9 wie auch das Technische Hilfwerk (THW) nutzten den Flugplatz als Übungsgelände. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) wollte die Überreste des Flugplatzes 2010 zum Nationalen Kulturdenkmal erheben. Entsprechende Pläne dazu reichte sie ein. Auch Denkmalschützer schalteten sich ein. Der Bund, genauer die Bundesimmobilien-Verwaltung in Frankfurt wollte das Gelände schnellstmöglich veräußern, dieses liegt allerdings bis heute weiter brach und verfällt.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) verwaltet das seit 2010 unter Denkmalschutz stehende Areal des ehemaligen Flugplatzes Eschborn und möchte dieses verkaufen. Nach Angaben des Denkmalamtes ist eine gewerblich-kommerzielle Nutzung durchaus möglich, sofern die Bausubstanz keinen Schaden nimmt.

Quellen: Frankfurter Rundschau, rhein-main-wiki.de, privat

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Dokument erstellt am 08.09.2015
Letzte Änderung am 25.05.2016

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André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.

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