Manuelle Glasfertigung soll weltweites Kulturerbe werden

Die manuelle Glasfertigung - hier ein Foto aus der Schauproduktion der Glashütte Gernheim - hat Chancen, auch weltweit als immaterielles Kulturerbe anerkannt zu werden. Foto: LWL/Tegeler
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Berlin/Petershagen (lwl/aw). Seit 2015 ist die manuelle Fertigung von mundgeblasenem Hohl- und Flachglas in Deutschland als Immaterielles Kulturerbe anerkannt. Jetzt unternehmen das LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim, die Glashütte Lamberts in Waldsassen (Oberpfalz) sowie das Glasstudio im Museum Baruther Glashütte (Brandenburg), die gemeinsam die Bewerbung betrieben hatten, erneut die Initiative. Das Ziel: Die manuelle Glasfertigung soll auch weltweit als Immaterielles Kulturerbe Anerkennung finden. „Wir streben für 2019 eine Nominierung bei der UNESCO an“, sagte Dr. Katrin Holthaus, Leiterin des vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) getragenen Industriemuseums Glashütte Gernheim in Petershagen.

Christoph Wulf, Vorsitzender des Expertenkomitees Immaterielles Kulturerbe und Vize-Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission, hatte die Vertreter des deutschen Netzwerks bei einem Treffen ermuntert, sich gemeinsam mit Partnern aus dem Ausland als multinationale Kulturform aufzustellen. Die Experten sehen in den bereits vorhandenen internationalen Kontakten der Trägergemeinschaft eine gute Voraussetzung, mundgeblasenes Glas weltweit als erhaltensbedürftig oder auch repräsentativ für das Kulturerbe der Menschheit durch die UNESCO anerkannt zu wissen.

Kaum 1.000 Fachleute können in Deutschland noch manuell Glas blasen. Auch andere Länder erleben einen rapiden Verlust dieser Kulturtechniken. Die drei Initiatoren wollen jetzt Glasmacher aus den Ländern, die für die Praxis des Glasmachens berühmt sind – darunter Finnland, Schweden, Italien oder Tschechien – in Projekten und Workshops eng zusammenzuführen. Die erhaltenswürdigen Fertigungstechniken der Gasherstellung sollen unter dem Motto des Immateriellen Kulturerbes „Wissen. Können. Weitergeben.“ so systematisch tradiert, dokumentiert und bewahrt werden.

Katrin Holthaus (LWL-Industriemuseum), Hans-Reiner Meindl (Glashütte Lamberts) und Georg Goes (Museum und Glasstudio Baruther Glashütte) freuen sich auf die Aufgabe, die Netzwerke im Glasbereich länderübergreifend enger zu knüpfen. Geplant sind Ausstellungen, Workshops und Tagungen. „Wir wollen die manuelle Glasfertigung von mundgeblasenem Hohl- und Flachglas mit ihrer mehrtausendjährigen Tradition durch den Status als Erbe der Menschheit für die Zukunft zu bewahren“, betonen die Akteure, die das Bewerbungsverfahren stellvertretend für alle Glasmacher übernommen haben.

Immaterielles Kulturerbe

Seit 2003 unterstützt die UNESCO den Schutz, die Dokumentation und den Erhalt von Kulturformen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. 430 Bräuche, Darstellungskünste, Handwerkstechniken und Naturwissen aus aller Welt sind derzeit von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe anerkannt, darunter der Tango aus Argentinien und Uruguay, die traditionelle chinesische Medizin und die italienische Geigenbaukunst. Bis heute sind 171 Staaten dem UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes beigetreten. Deutschland ist seit 2013 Vertragsstaat.

Zum Immateriellen Kulturerbe zählen lebendige Traditionen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturwissen und Handwerkstechniken. Formen Immateriellen Kulturerbes sind entscheidend von menschlichem Wissen und Können getragen. Sie drücken Kreativität und Erfindergeist aus, vermitteln Identität und Kontinuität. Sie werden von Generation zu Generation weitergegeben und immer wieder neu gestaltet. Immaterielles Kulturerbe ist oft auch die Grundlage von materiellem Kulturerbe.

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