LWL zeichnet Britensiedlung in Münster aus

Der LWL hat die Britensiedlung in Münster-Gremmendorf, hier der Blick auf den Angelsachsenweg nach Süden, als Denkmal des Monats ausgezeichnet. Foto: LWL/Brockmann-Peschel

Münster (lwl). Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat die Siedlung am Angelsachsenweg in Münster zum Denkmal des Monats November gewählt. Die Siedlung wurde die in der Zeit von 1951 bis 1955 südlich der ehemaligen Luftnachrichtenkaserne in Münster-Gremmendorf für die dort stationierten Offiziere der britischen Rheinarmee errichtet. Ab 1950 entwickelte das Land Nordrhein-Westfalen „Build“ genannte Bauprogramme für Siedlungen der Rheinarmee, deutsche Wohnungsbaugesellschaften setzten sie dann um.

Als Grundlage dienten die Entwürfe hiesiger Architekten, die im Wesentlichen zweigeschossige, unterkellerte, helle Putzbauten mit asymmetrischen, flachen Satteldächern, bündig in der Fläche sitzenden Fenstern und einem umfangreichen Raumprogramm im Inneren auf großzügigen Freiflächen entwickelten. „Diese Merkmale bildeten eine Konstante der frühen „Build“-Programme und wurden zu einem wesentlichen Erkennungsmerkmal britischer Besatzer- bzw. Alliiertensiedlungen der 1950er Jahre“, erklärt LWL-Denkmalpflegerin Marion Niemeyer.

In der ehemaligen Garnisonstadt Münster entstanden ab 1950 ca. 20 unterschiedlich große Siedlungen im näheren Umfeld von vier Militärstandorten. Zu den frühesten gehört die Siedlung am Angelsachsenweg südlich der ehemaligen Luftnachrichtenkaserne in Gremmendorf, die ab 1948/49 von britischen Einheiten übernommen wurde. Unter Beteiligung des Planungsamtes der Stadt Münster entstand hier für die Offiziere dieses Standortes eine große Siedlung, die vorwiegend aus Einfamilienhäusern besteht. „Mit ihrer offenen Bauweise, der versetzten Anordnung der Gebäude, der planvoll angelegten, bewegten Topographie und der geschwungenen Straßenführung folgten die Planer dem Leitbild der modernen, aufgelockerten Stadt“, so Niemeyer.

Weder der Siedlung noch den einzelnen Häusern sieht man an, dass hier vier „Build“-Programme realisiert wurden. „Über einen Zeitraum von vier Jahren haben die Briten hier zwei Haustypen in sechs Varianten abwechslungsreich gebaut. Die schlichten, im Inneren wie im Äußeren der Moderne verpflichteten Bauten gehören zu den frühen Beispielen moderner Wohnhausarchitektur in Westfalen“, sagt Niemeyer. „Sie setzen sich ausdrücklich von den Gestaltungsprinzipien der Heimatschutzarchitektur ab, die einen Großteil des Baugeschehens der 1920er bis 1940er Jahre in der Region bestimmte und den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg wesentlich prägte. Die Siedlung am Angelsachsenweg ist daher nicht nur ein bedeutendes bauhistorisches Zeugnis für die frühe Geschichte der Bundesrepublik, die Wohnhäuser besitzen darüber hinaus auch einen hohen Zeugniswert für die moderne Wohnhausarchitektur nach 1945 in Westfalen.“

Hintergrund

Nach der Kapitulation des nationalsozialistischen Deutschlands erklärten die Besatzungsmächte im Sommer 1945 den Nordwesten Deutschlands zur britischen Besatzungszone, die neben den heutigen Bundesländern Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen auch das Gebiet von Nordrhein-Westfalen umfasste. Während sich die britische Militärregierung und das Hauptquartier der britischen Rheinarmee dezentral in Ostwestfalen befanden, bezogen die Truppen vorzugsweise alte Garnisonstandorte wie Paderborn oder Münster, deren Militäreinrichtungen von den Alliierten während des Krieges verschont worden waren.

Die Briten stationierten zumeist langgediente Soldaten, wodurch der Anteil verheirateter Militärangehöriger hoch war. Das Anrecht auf Familienzusammenführung führte rasch zu einem großen Bedarf an Wohnraum. Der erste, als „Operation Union“ bezeichnete Nachzug der Familien hatte zur Folge, dass Wohnungen und Häuser beschlagnahmt wurden. Dieses Vorgehen wurde jedoch rasch vom Bau neuer Siedlungen abgelöst.

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