Löwen-Adler-Kaserne Wustermark

Das Areal der Löwen-Adler-Kaserne liegt gegenüber des Olympischen Dorfes. Der zweiteilige Komplex wurde 1935/36 erbaut, letzte Trakte waren 1939/40 fertiggestellt. Westlich gelegene Teile der Adler-Kaserne standen bereits zum Zeitpunkt der Olympischen Spiele. Beide Kasernen hatten ihren Namen von großen Tier-Skulpturen die am Eingangsbereich standen – der Löwe und der Adler. Während die Löwen-Kaserne ursprünglich dem Infanterie-Lehrregiment diente, waren in der Adler-Kaserne bespannte Einheiten untergebracht.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde am westlichen Lagerrand ein provisorisches Kriegsgefangenenlager eingerichtet, das ab 1915 auf zwei durch Kriegsgefangene neu gebaute Lager bei Rohrbeck und Dyrotz erweitert wurde. Insgesamt waren bis Oktober 1918 dort mehr als 30.000 Gefangene aus sieben Nationen interniert. Nach dem Ersten Weltkrieg nutzte die Reichswehr, Verbände der Schwarzen Reichswehr und nationalistische Sportverbände den Übungsplatz und seine Einrichtungen. Auch während des Zweiten Weltkrieges wurde der Truppenübungsplatz weiter ausgebaut.

Ab 1910 wurde der Flugplatz Döberitz mit Fliegerschule angelegt, der für die erste militärische Flugnutzung in Deutschland bedeutend werden sollte. Vorerst keine eigene Teilstreitkraft, unterstand sie bis 1916 dem Heer. Döberitz ist damit Ursprungsort der deutschen Luftstreitkräfte. Der Fliegerhorst war ein Teil des Truppenübungsplatzes. Nach der Einnahme des Platzes durch Einheiten der Roten Armee wurde der Flugplatz von sowjetischen Militärfliegern bis 1960 genutzt. Wegen technischer Mängel stillgelegt, wurde der Flugbetrieb nach Oranienburg verlegt.

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg wurden auf dem Übungsplatz moderne Kampfeinheiten trainiert und in Verbänden aufgestellt. Vor allem der sandige, trockene Boden der Heidelandschaft machte den Truppenübungsplatz zur Erprobung von Panzerwaffen ideal. So wurde unter anderem das Panzerkorps „Großdeutschland“ aus dem Wachregiment Berlin und Teilen des Infanterie-Lehr-Regimentes hier gebildet. Auch der Flugplatz Döberitz wurde zur Ausbildung von Piloten und Fallschirmjägern genutzt. 1936 wurde das Regiment General Göring hier aufgestellt und ausgebildet. Die letzte von vielen Einheiten war die Infanterie-Division „Potsdam“, die als Teil der 12. Armee unter Walther Wenck am 29. März 1945 hier noch aufgestellt wurde.

Bundesweit in die Schlagzeilen geriet die Kaserne, als im Juli 1944 Einheiten eines dem Deutschen Widerstandes nahestehenden Regiments aus den Kasernen beide Funkhäuser besetzten, den regimetreuen Sendebetrieb allerdings nicht unterbrechen konnten. Somit scheiterte der Widerstand und das Scheitern wurde ungehindert verbreitet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kurzfristig als Flüchtlingslager umgenutzt, übernahm die Rote Armee 1947 das Areal. Bis zu 20.000 Soldaten waren dort untergebracht. 1992 endete die militärische Nutzung des Geländes mit dem Abzug der Truppen. Nach dem Abzug der befanden sich die Gebäude in einem erstaunlich guten Zustand, dass Überlegungen getroffen wurden, den Komplex für die Bundeswehr nutzbar zu machen. Doch aufgrund der enormen Kontaminierung des Geländes und die hohen Kosten der Bodenaufbereitung wurden diese Planungen wieder aufgegeben.

Die Kasernengebäude wurden ab 1994 entkernt und werden seither schrittweise abgerissen. Bei erhaltenswerten Gebäuden wurden 1995 die Dächer gesichert. Alle weiteren Gebäude stehen seitdem leer. Die entstehenden Brachen werden als Neubaugebiete erschlossen, die sich erneut am Grundriss der ehemaligen Lagerstruktur ausrichten. Das eingeebnete Flughafengelände wird seit 2004 von der Heinz-Sielmann-Stiftung als Wildfreigehege bewirtschaftet, der Übungsplatz ist seit 1997 ein von Wanderwegen durchkreuztes Naturschutzgebiet geworden. Im Jahre 2000 wurden im Zuge von Renaturierungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Deklarierung der Döberitzer Heide als Naturschutzgebiet (1997) alle verbliebenen Anlagen des Flugplatzes abgerissen.

Quelle: Martin Conrath, Wikipedia,

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Dokument erstellt am 30.09.2014
Letzte Änderung am 30.09.2014

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André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.

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