Kulturpalast: Abriss vom Tisch

Kulturpalast Rabenstein. Foto: rottenplaces Archivfoto

In den jahrelangen Streit um den Kulturpalast Rabenstein und dessen Abriss zwischen Eigentümer Saxonia Logistik und Denkmalschützern der Stadtverwaltung ist nun endlich Ruhe eingekehrt. Wie eine Vertreterin des Eigentümers gegenüber der Freien Presse mitteilte, sei der Abriss vom Tisch, das Gebäude soll erhalten bleiben. Derzeit gäbe es Planungen für eine zukünftige Nutzung des Kopfbaus mit dem Säulenportal, eine Diskothek würde aber grundsätzlich ausgeschlossen. Der Eigentümer möchte allerdings weiterhin die Bauwerke auf dem straßenabgewandten Teil abreissen lassen, dafür liege aber noch keine Genehmigung der Denkmalschutzbehörde vor.

Die Stadtplaner wollen für das Grundstück neue städtebauliche Pläne erstellen lassen, die auch beinhalten, das Bauwerk zu erhalten. Obwohl die „sozialistisch geprägte Staatsarchitektur“ ideologisch umstritten ist, sei der Kulturpalast ein architektonisch bemerkenswertes Denkmal, heißt es aus der Stadtverwaltung. Aus diesem Grund untersagte die Stadt den Abriss des Gebäudes im Jahr 2010, die Landesdirektion bestätigte dieses zwei Jahre später. Saxonia Logistik zog vor das Verwaltungsgericht zur Prüfung der Zulässigkeit des Abrissverbots. Da der Eigentümer nunmehr an der Erhaltung des Kulturpalastes selber interessiert ist und die Wirtschaftlichkeitsprüfung der Sanierung in Auftrag gegeben hat, ruht das Verfahren.

Das 1950 im Auftrag der SAG Wismut als „Kulturpalast der Bergarbeiter“ erbaute Gebäude gilt als der erste nach sowjetischem Vorbild entstandene Kulturpalast in der DDR. 1951 wurde das Gebäude in Anwesenheit des damaligen Ministerpräsidenten Otto Grotewohl feierlich eingeweiht. Der Kulturpalast beherbergte einen Theatersaal mit etwa 900 Plätzen, einen zweiten großen Saal für Tanzveranstaltungen, ein Restaurant und ein Café, eine Bibliothek sowie ein Damen-, Kinder-, Musik- und Billardzimmer. Bereits 1967 wurde der Kulturpalast wieder geschlossen.

Später wurde das Gebäude vom Fernsehen der DDR als Studio Karl-Marx-Stadt und anschließend vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) genutzt. Im Zuge der Fertigstellung des neuen Leipziger Sendezentrums im Jahr 2000 gab der MDR den Kulturpalast als Sendestudio auf. Bereits im Herbst 1999 wurden die Tätigkeiten des MDR im Studio Chemnitz eingestellt und nach Leipzig verlegt. Seitdem ist das Gebäude Vandalismus und Verfall preisgegeben.

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