Künstlerische Entwürfe für Martin-Hoop-Schacht gesucht

Martin-Hoop-Schacht. Foto: rottenplaces Archivfoto.

Zwickau (aw). Im Osten der Stadt erheben sich die Reste des ehemaligen Steinkohlewerkes Martin Hoop. Jahrzehntelang wurde hier Kohle abgebaut, bis 1983 mit dem Schacht IVa der letzte Förderturm stillgelegt wurde. 2017 entstand im Rahmen des EU-Projektes InduCult2.0 die Idee, die Südwest-Fassade des Turms zu gestalten. 2018 wurde der Entwurf des Leipziger Künstlers Christoph Steyer an der Wand umgesetzt. Bestärkt durch die positive Resonanz läuft aktuell die zweite Ausschreibung für die Gestaltung der Nordost-Fassade. Die Bekanntgabe der Gewinner*innen ist für Anfang Juli vorgesehen. Die Gestaltung soll schließlich im September diesen Jahres umgesetzt werden.

Interessierte Künstler*innen sind eingeladen, Entwürfe einzureichen. Die Ausschreibung ist seit dem 17. Mai und noch bis zum 17. Juni 2019 offen. Weitere Informationen und Ausschreibungsunterlagen sind beim Aktionsbetreuer Thomas Dietze unter thomas.dietze@ibug-art.de erhältlich.

InduCult2.0

Im Juni 2016 startete der Landkreis Zwickau das EU-Projekt InduCult2.0 „Lebendige Industriekultur abseits der Metropolen“. Bis Mai 2019 arbeiten dabei zehn mitteleuropäische Partner gemeinsam daran, Industriekultur als regionales Identitätsprofil zu etablieren. Dafür testen sie innovative Ansätze, wie industrielle Vergangenheit (Museen), Gegenwart (Unternehmen) und Zukunft (Schulen) besser miteinander verknüpft werden können. Um die spannenden Ergebnisse des Projektes im deutschen Raum zu ergänzen und zu verbreiten, stellt das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat über das Programm „Transnationale Zusammenarbeit“ dem Landkreis Zwickau Anschluss-Fördermittel bereit. Aus diesen Mitteln kann unter anderem die künstlerische Gestaltung einer Folgefassade des Martin-Hoop-Schachtes finanziert werden.

Die Künstlerauswahl

Unterstützt durch Thomas Dietze, dem Projektmanager der „ibug“, des bekannten Festivals für urbane Kunst und Kultur, sucht derzeit der Landkreis Zwickau zusammen mit der MSB GmbH nach geeigneten Kandidat*innen für die Gestaltung der Nordost-Außenfassade des Turms. Diese werden nach Ausschreibungsschluss Ende Juni einer fachkundigen Jury vorgestellt.

Fortführung 2019

Für die erste Fassade fiel die Wahl auf den Leipziger Künstler Christoph Steyer alias „Flamat“. Sein Gestaltungsvorschlag beschäftigte sich vorrangig mit der Bergbauvergangenheit des Standortes. Ziel der diesjährigen Ausschreibung ist es, vorrangig die industrielle Gegenwart und Zukunft der Region als Teil einer sich stetig entwickelnden Industriekultur aufzugreifen. Dabei stellen Automobilbau, Maschinenbau und Textilverarbeitung die aktuell bedeutendsten Branchen der Region dar und sollen thematisch gern aufgegriffen werden. Gestalterische Bezüge zum schon vorhandenen Kunstwerk auf der Südwest-Fassade sind für den Gesamteindruck gewünscht.

Die zu gestaltende Fläche beträgt insgesamt ca. 624 Quadratmeter, maximal 26 Meter in der Höhe und maximal 24 Meter in der Breite. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Fernwirkung und der Lesbarkeit des Kunstwerkes, da der Turm ein weithin sichtbares Symbol der Region darstellt. Außerdem sollte eine Haltbarkeit von 15 Jahren gewährleistet sein.

Die Fassadengestaltung ist für September 2019 vorgesehen. Die Künstler*innen werden die Arbeit dafür auf einem an der Fassade angebrachten Hängegerüst durchführen. Mehr als 150 Liter Fassadenfarbe und ca. 250 Sprühdosen wurden im letzten Jahr dafür benötigt. Die Kosten für die Gestaltung werden gemeinschaftlich finanziert durch Landkreis Zwickau (Künstler), Kulturraum Zwickau/Vogtland (Gerüst) und MSB Metall- und Stahlsystembau GmbH (Sanierung).

Martin-Hoop-Schacht IVa

Die Geschichte des Turms beginnt 1867 mit der Gründung des Steinkohlenwerks Morgenstern Sarfert & Wiede in Reinsdorf. Über Jahrzehnte des Wachstums und nach zahlreichen Eigentumswechseln entstand daraus ein Unternehmen mit bis zu 5000 Mitarbeitern, das den Zwickauern unter dem Namen Martin Hoop bekannt ist. Als letzte große Baumaßnahme wurde hier zwischen 1959 und 1964 der Schacht IVa, in dem man bis in Tausend Metern Tiefe nach Kohle u.a. für die Wärme- und Energieversorgung der Region grub, abgeteuft. Mit seinen beeindruckenden 60 Metern ist der dazugehörige Förderturm das höchste Industriebauwerk im Raum Zwickau und auch im Umland weithin sichtbar.

1978 endete die Ära der Steinkohle, 1983 hatte auch der Stahlbeton-Koloss ausgedient und wurde stillgelegt. Heute ist das Areal rund um den Turm Industrie- und Gewerbegebiet. Die Firma MSB Metall- und Stahlsystembau GmbH hat auf dem Gelände um den Turm ihren Geschäftssitz und stellt dort unter anderem Balkone und Tore her.

Mehr Informationen unter www.ibug-art.de

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