Klubhaus Buna vor der Zwangsversteigerung

Klubhaus Buna. Foto: A. Winternitz/rottenplaces.de

Schkopau (aw). Das frühere Klubhaus Buna (ehem. Klubhaus der Buna-Werke) in Schkopau im Saalekreis in Sachsen-Anhalt, vielen auch als Diskothek „X50“ bekannt, verfällt seit Jahren vor sich hin. Immer wieder gab es Investoren mit großen Plänen für die Immobilie. Viele davon scheiterten bereits in der Planungsphase. Das Areal gegenüber des Schkopauer Chemieparks hat eine bewegende Geschichte hinter sich. Bis heute wurden die Bürogebäude abgerissen, Gewerbe siedelte sich in Teilbereichen an, doch mehr ist nicht passiert. Die ruinöse Immobilie machte lediglich aufgrund von schwerem Vandalismus und Brandstiftungen auf sich aufmerksam. Jetzt droht eine weitere Zwangsversteigerung.

Wie die „Mitteldeutsche Zeitung“ berichtet, hat der Abwasserzweckverband (AZV) Merseburg bereits im vergangenen Jahr (Drittes Quartal; Anm. d. Red.) eine Zwangsvollstreckung, bzw. Versteigerung beantragt, weil die Forderungen aus Altanschlüssen zu DDR-Zeiten in fünfstelliger Höhe bis heute nicht beglichen wurden. Doch so einfach wird die Sache nicht. Wurde das einstige Klubhaus 2014 noch mit einem Verkehrswert von etwa 30.000 Euro angegeben (wir berichteten mehrfach), beziffert ein neues Gutachten die Immobilie aktuell mit null Euro.

Das Klubhaus (der Buna-Werke) „Freundschaft“ in Schkopau wurde auf Bestreben sowjetischer Offiziere in den Jahren 1952/53 errichtet, war mit modernster Bühnentechnik ausgestattet und bot neben dem Theatersaal mit 748 Plätzen und dem Konzertsaal im Obergeschoss 250 Personen Platz. 1955 bis 1958 baute man das Klubhaus weiter aus und schuf neben einer Gaststätte mit 200 Plätzen auch rund 100 Räume für alle denkbaren Festlichkeiten und Zirkelarbeit. Arbeiter und Besucher sollten den Gefallen an Kunst und Kultur finden und selbst zu Kunst- und Kulturschaffenden werden. Man wollte so Visionen vom neuen Menschen – von „sozialistischen Persönlichkeiten“ sprach man damals – fördern.

Klubhaus Buna Schkopau. Foto: A. Winternitz/rottenplaces.de

Besucher kamen über die Jahre beispielsweise in den Genuss des Moskauer Bolschoi-Theaters, der Komischen Oper unter Walter Felsenstein oder dem Königlich-Schwedischen-Ballett. Die Schauspielerin Helene Weigel und der Schauspieler und Sänger Ernst Busch (bekannt als das Berliner Ensemble) waren regelmäßig zu Gast. Gleichzeitig waren im Klubhaus diverse Arbeitsgemeinschaften beheimatet, wie beispielsweise der Zirkel der schreibenden Arbeiter, Fotozirkel, der Buna-Chor oder der Kindermalzirkel – aus diesem der heute bekannte Maler und Mehrfach-Preisträger Uwe Pfeifer die Leidenschaft für die Kunst entdeckte. Pfeifer erhielt ab 1975 einen Lehrauftrag für Lithografie an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle (Saale) – seiner Geburtsstadt.

Beachtung fand das Klubhaus auch durch die Arbeiterfestspiele, bei denen Arbeiter ihre kulturellen Erzeugnisse präsentierten und die von 1959 bis 1972 jährlich, später von 1974 bis 1988 zweijährig stattfanden. Über lange Zeit stand das Klubhaus Buna für einen höchst lebendigen Kultur-Großbetrieb mit einem vielfältigen und immer reichhaltigerem Angebot. Finanziert und verwaltet wurde das Klubhaus bis zur Wende vom VEB Kombinat Chemische Werke Buna.

Nach der Wende hatte man für das Klubhaus keine Verwendung mehr, 1998 wurde dieses geschlossen. Nach langen Jahren des Leerstands fand sich ein Investor, der in den Jahren 2002 bis 2004 das Gebäude zu einer Großdisko umbauen und mehrere Millionen Euro investieren wollte. Die Hälfte dieser Summe sollte vom Land als Fördermittel bezuschusst werden. Dafür versprach der Investor hochkarätige Konzerte, mehrere Hunderttausend Besucher der Diskothek im Jahr und die Schaffung von rund 50 neuen Arbeitsplätzen. Dafür plante jener mit mehr als 13.000 Quadratmetern Nutzfläche, verteilt auf sieben Eventbereiche. Passiert ist seitdem jedoch nicht viel.

Die politischen Vertreter der Gemeinde Schkopau hätten über die Jahre am liebsten einen Rückbau der Immobilie verantwortet. Der aktuelle Eigentümer war jedoch zumindest seiner Objektsicherungspflicht nachgekommen, sodass die Gemeinde keine Handhabe mehr hatte. Einer möglichen Zwangsversteigerung machte der Denkmalschutz ein Ende. Zumindest gab es in den vergangenen Jahren einen potenziellen Investor, der die Immobilie dem aktuellen Eigentümer abkaufen wollte, doch letzterer stimmte nicht zu. Derzeit schweigt sich dieser zu möglichen Plänen in der Zukunft. Das hinter der Immobilie stehende Unternehmen hatte in der Vergangenheit immer wieder für negative Schlagzeilen gesorgt. Den Geschäftsführer verurteilte das Landgericht Saarbrücken wegen Steuerhinterziehung in einer anderen Sache im letzten Jahr zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Man darf also gespannt sein, welches Kapitel als Nächstes aufgeschlagen wird, welche Sichtweisen Gemeinde, Spekulanten, Medien und mögliche Immobilien-Retter zukünftig vertreten.

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