Kirchenruine Wachau

Die seit 1393 in Wachau befindliche Pfarrkirche mit je einer Filialkirche in Probstheida, Holz- und Zuckelhausen wurde im Jahre 1540 selbst Filialkirche von Probstheida. Seit 1580 gehörte die Wachauer Kirche als Filialkirche zu Cröbern. Einhundert Jahre nach ihrer beträchtlichen Erweiterung brannte sie während der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 nieder. Der Bau der neuen Kirche nach den Kriegswirren konnte offensichtlich nicht solide genug augeführt werden, sodass man 1865 schon wieder über einen Neubau beschließen musste.

Der vom Architekten Konstantin Lipsius aus Leipzig vorgelegte und ausgeführte Entwurf zeigte eine Kirche im neugotisch-französischen Baustil. 1867 fand die Weihe des neuen Gotteshauses statt. Durch einen glücklichen Umstand wurde die 1465 gegossene Glocke vor dem Einschmelzen bewahrt und harmonisch in das neue Geläut einbezogen. Diese alte Glocke überstand alle schlimmen Zeiten, befindet sich noch jetzt im Geläut und ist damit die älteste Kirchenglocke Markkleebergs.

Kaum fertiggestellt, wurden die vier Fialen auf dem Turm (gotische Spitztürmchen) 1867 und 1868 durch orkanartike Stürme herabgerissen. Ein nahegelegener Bombeneinschlag in den letzten Kriegswochen des Zweiten Weltkriegs beschädigte die Kirche stark. An eine umfangreiche Restaurierung der Kirche war in der Mangelwirtschaft der DDR nicht zu denken. Als sie 1974 durch einen Blitzschlag eingeäschert wurde, musste im April 1975 das Oberteil des hoch aufragenden Kirchturmes aufgrund der Einsturzgefahr abgerissen werden. Der immer noh imposant wirkende Turmstumpf ist mit einem flachen, pyramidenartigen Notdach und einer Wetterfahne versehen worden. Das Schicksal der Kirche jedoch war besiegelt: Die Trümmer des Turmes landeten ohne Rücksicht auf den erhaltenswerten Figurenschmuck im Krichenschiff, die Kirche wurde vollends zur Ruine. Wie durch ein Wunder blieben Uhrwerk und die Glocke bis heute erhalten.

1994 wurde das Kirchenschiff der 1989 unter Denkmalschutz gestellten Kirchenruine von Schuttmassen befreit und verschiedene Steinmetzarbeiten geborgen. Nach drei Jahren Bauzeit konnte die sanierte Kirchenruine am 11. Mai 1997 mit einem Gottesdienst wieder eingeweiht werden und ist seitdem Sakralraum, kultureller Anziehungspunkt und Galerie der „verlorenen Orte“.

Quelle: Infotext Kirchenruine

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www.kirchenruinewachau.de

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Dokument erstellt am 17.09.2014
Letzte Änderung am 17.09.2014

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André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.

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