Kinderkrankenhaus Weißensee wird enteignet

Kinderkrankenhaus Weißensee. Foto: URBAN ARTefakte
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Berlin (aw). Als das ehemalige Kinderkrankenhaus Weißensee 1997 geschlossen wurde, hätte sicherlich niemand daran gedacht, dass aus dem einst so imposanten Areal ein kriegsähnlicher Schauplatz werden würde. Gebäudeteile sind eingestürzt, Scheiben, Türen und Wände eigeschlagen, hunderte Graffitis an den ausgeschlachteten Wänden, Obdachlose, zahlreiche Brandstiftungen – so lautet die Bilanz des denkmalgeschützten Ensembles, das heute eine Ruine ist. 2005 erhielt ein russischer Investor den Zuschlag für das Gelände, wollte gemeinsam mit einem russischen Ärzte-Konsortium ein Zentrum für Krebsforschung entstehen lassen – Eröffnung 2015. Doch nichts geschah, der bauliche Zustand wurde immer schlimmer. Dann sollten Wohnungen enstehen, auch dieser Plan scheiterte.

Der Berliner Senat weist alle Schuld des vernachlässigten Umgangs mit der Denkmalsubstanz von sich, die Verpflichtung zur Einhaltung denkmalschutzrechtlicher Vorschriften sei mit dem Grundstückseigentum auf den damaligen Käufer übergegangen, heißt es. Und dieser habe in den Kaufverträgen eine Investitionsverpflichtung, keine Instandhaltungsverpflichtung. Somit zogen die Jahre ins Land, mehrere mit dem Eigentümer verabredete Termine zur Investition in die Immobilie verstrichen. Letzterer forderte jedes Mal mehr Zeit für seine Planungen. Dann begannen Juristen im Liegenschaftsfonds – auch wegen steigender Kritik aus Politik und Bevölkerung – mit der Prüfung der Rückabwicklung des Kaufvertrages.

Dann konnte das Land Berlin Vertragsverstöße belegen, strebte eine Enteignungsklage an. Jetzt hat das Landgericht entschieden, dass der russische Eigentümer nicht nur enteignet wird und die Immobilie an das Land zurückgeben muss, er soll auch eine Strafe von 125.343 Euro zahlen und die Grundschulden von 5 Millionen Euro weiter abstottern. Dieses Urteil ist ein Paradebeispiel, dass für das einstige Kinderkrankenhaus aber viel zu spät kommt. Was mit dem Gelände nun geschehen soll, ist noch unklar. Die Stadt Berlin könnte sich einen Abbruch und den Neubau von Wohnungen vorstellen.

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