Kernkraftwerk Brokdorf: Stilllegung und Abbau beantragt

Kernkraftwerk Brokdorf von der Elbe aus gesehen. Foto: Neokortex/CC BY-SA 3.0
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Kiel/Brokdorf (aw). Die Betreibergesellschaft des Kernkraftwerks Brokdorf (KBR), PreussenElektra, hat am 01. Dezember 2017 bei der Reaktorsicherheitsbehörde den Rahmenantrag zur Stilllegung und zum Abbau des Kernkraftwerks eingereicht. „Damit ist jetzt das atomrechtlich erforderliche Verwaltungsverfahren zum Abbau des Kernkraftwerks formal eingeleitet worden“, sagte der Leiter der Atomaufsicht, Dr. Dr. Jan Backmann. Das Kernkraftwerk Brokdorf verliert gemäß Atomgesetz spätestens mit Ablauf des Jahres 2021 die Berechtigung zum Leistungsbetrieb, bzw. wenn die festgelegte Reststrommenge aufgebraucht ist.

Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Robert Habeck hat den Antrag zur Stilllegung und zum Rückbau des Kernkraftwerks Brokdorf begrüßt. „Es ist gut, dass PreussenElektra den Rückbau des Kernkraftwerks Brokdorf bereits jetzt beantragt“, sagte er in Kiel. Nach dem Rückbauverfahren für die Kernkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel könne damit schon das Genehmigungsverfahren für den Abriss des Meilers in Brokdorf beginnen. „Das ist der nächste große Schritt auf dem Weg zum tatsächlichen Ende der Atomenergie in Schleswig-Holstein. Wenn Brokdorf nicht mehr läuft, ist der Norden atomstromfrei“, betonte Habeck.

In einem mehrjährigen Genehmigungsverfahren werden nun das Stilllegungs-, Abbau-, und Entsorgungskonzept sowie der Restbetrieb während der Stilllegung zu regeln sein. Hierfür muss PreussenElektra in den nächsten Monaten noch umfangreiche Dokumente, unter anderem einen Sicherheitsbericht, vorlegen. Das Vorgehen entspricht dem für die Kernkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel.

Wesentlicher Unterschied zu den beantragten Genehmigungsverfahren für den Abbau der Kernkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel ist, dass sich in Brokdorf den Plänen zufolge in der ersten Phase des Abbaus noch Brennelemente im Reaktorgebäude befinden werden, die noch nicht ausreichend abgeklungen sein werden. „Auf die Vereinbarkeit der in dieser Phase geplanten Abbauschritte mit der Lagerung dieser Brennelemente wird die Genehmigungsbehörde besonderes Augenmerk legen“, sagte Backmann.

Mit dem eigentlichen Abbau des Kernkraftwerks Brokdorf kann erst begonnen werden, wenn die Genehmigungsvoraussetzungen vollständig erfüllt sind und die Genehmigung erteilt ist. Die Genehmigungsbehörde und die Betreibergesellschaft gehen davon aus, dass der Abbau etwa 2023 startet.

Der Rückbau wird sich über voraussichtlich etwa 15 Jahre erstrecken. Es müssen alle kontaminierten Komponenten und Gebäudeteile entsorgt werden. Umfangreiche, aufwendige ferngesteuerte Trennverfahren, unter anderem unter Wasser, werden zum Einsatz kommen. Der Einhaltung des Strahlenschutzes wird eine besondere Bedeutung beigemessen. Dem Antrag zufolge sollen die schwach- bis mittelradioaktiven Abfälle hauptsächlich auf dem Gelände des Kernkraftwerks gelagert werden solange das bundesweite Endlager dafür nicht zur Verfügung steht.

Kernkraftwerk Brokdorf

Im Reaktor des Kernkraftwerks befinden sich 193 Brennelemente mit einer Schwermetallmasse von insgesamt 103 Tonnen. Das Kernkraftwerk Brokdorf hat eine thermische Leistung von 3.900 Megawatt und eine elektrische Nettoleistung von 1.410 MW. Es gehört zur 3. Druckwasserreaktor-Generation in Deutschland, den Vor-Konvoi-Anlagen. Das Kernkraftwerk ist mit seiner 1480 MW Bruttoleistung eines der leistungsstärksten Kernkraftwerke in Deutschland. Mit einer Bruttostromerzeugung von knapp unter zwölf Milliarden Kilowattstunden hatte der Reaktor 2005 weltweit die größte Strommenge erzeugt. Im März 2017 wurde bei Revisionsarbeiten eine Oxidationsschicht in unerwarteter Stärke an den Stäben der Brennelemente entdeckt, daher untersagte Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck das Bestücken mit neuen Brennelementen.

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