Keine Chance: Zekiwa-Industriebrache macht Gewerbefläche Platz

Zeitzer Kinderwagen - Betriebsteil II. Foto: rottenplaces Archivfoto
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Zeitz (aw). Eigentlich wollte die Stadt Zeitz, den ehemaligen Betriebsteil II der Zeitzer Kinderwagenproduktion (besser bekannt als Zekiwa, Anm. d. Red.) in der Schädestraße schon im letzten Jahr abreißen. Bei einer eigens eingeleiteten Zwangsversteigerung erhielt die Stadt damals den Zuschlag bei 7.000 Euro für Grundstück und Immobilie. Gezahlt hatte man jedoch nur 500 Euro für Gerichtskosten und Steuer, denn die Stadt selbst hatte offene Forderungen auf dem Grundstück von rund 38.000 Euro. Komplett lagen darauf Schulden von etwa 200.000 Euro. Geld, dessen Zahlung ungewiss bis gefühlt aussichtslos ist, denn die einstige Immobiliengesellschaft als Eigner ist längst aus dem Register gelöscht.

Während die Stadt eine Zwangsversteigerung in die Wege leitete, bemühte sie sich um Fördermittel für den Abbruch der Industriebrache. Dafür stehen etwa 1,4 Millionen Euro aus Hochwassermitteln zur Verfügung (wir berichteten). Nach Angaben von Oberbürgermeister Christian Thieme (CDU) hätte die Stadt Zeitz die einstige Kinderwagenfabrik nicht retten können, denn dafür fehlen die Mittel. Auch entsprechende Investoren gab es nicht. Zudem waren nach dem Hochwasser 2013 durch einen Gutachter massive Probleme mit der Standsicherheit bescheinigt worden.

1986 wurde der erste Kinderwagen mit Plastewanne in Serie produziert – für seine hervorragende Qualität erhielt dieser auf der Leipziger Messe die Goldmedaille. 1976 ging der erste leichte Buggy in Serie. Zu Zeiten der DDR produzierte die Fabrik für den gesamten RGW-Raum, aber auch für westdeutsche Unternehmen wie Neckermann, und wurde so zur größten Kinderwagenfabrik Europas. In ihrer Hochzeit fertigte sie mit 2.200 Mitarbeitern jährlich 450.000 Kinder- und 160.000 Puppenwagen.

Alle sieben Minuten verließ ein Artikel das Förderband. 1996 wurde die Zekiwa GmbH durch eine Gesamtvollstreckung liquidiert. Die Produktion wurde großteils ins Ausland verlagert, der Firmensitz ins nahe Döschwitz. Hergestellt werden außerdem Reisebetten, Laufgitter, Hochstühle, Lauflernhilfen und Kinderautositze. Vom ehemaligen VEB Zekiwa mitten im Stadtzentrum steht nur noch eine Industrieruine aus Gründerzeittagen. Jetzt werden die Abbruchbagger anrollen und die Geschichte unwiederbringlich beenden.

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