Kaserne Vogelsang

Im Norden von Vogelsang entstand nach dem Zweiten Weltkrieg – um 1950 – ein bedeutender Standort der Westgruppe der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD). Die Kaserne Vogelsang – auch „Stadt im Wald“ genannt – war ein Neubaustandort, projektiert, errichtet und komplett von der DDR bezahlt. Informationen nachdem der Standort nach erbeuteten Deutschen Unterlagen errichtet wurde ist nicht belegt und kann als Falschmeldung betrachtet werden. Neben dem Stab der 25. Panzerdivision der 20. Gardearmee waren u. a. das 162. Panzerregiment, das 803. Mot.-Schützenregiment (kam aus Drögen, nach Abzug des Stabes der 25. PD und des Großteils der dazugehörigen TT), das 1702. Fla-Raketenregiment sowie die zum Großverband gehörende taktische Raketenabteilung stationiert. Zusätzlich befand sich auf dem Gelände eine Stütznachrichtenzentrale (STNZ) des Grundnetzes der GSSD. Diese STNZ hatte aber mit den Strukturen des übrigen Objektes nichts zu tun und war nicht in die Abläufe der 25. PD eingebunden.

Zeitweise lebten mehr als 15.000 russische Soldaten und Zivilisten in der „Militärstadt“, die neben Wünsdorf die umfangreichste bebaute russische Liegenschaft war. Zwischen 1959 und 1960 waren dort auch die Nuklearraketen vom Typ R-5 stationiert, die unter anderem auf Frankreich und Großbritannien gezielt waren. Die im April 1959 stationierten Systeme R-5M waren eine Antwort auf die militär-strategische Konzeption der „Massiven Vergeltung“ aus dem Jahre 1957. Die Konzeption hatte zum Wesentlichen Inhalt die Unterstellung US-amerikanischer Raketen mittlerer Reichweite unter den Befehl der NATO Oberbefehlshaber. Es wurden die Systeme Thor und Jupiter in Europa stationiert. Die stationierten Systeme R-5M in Vogelsang waren auf die Thor-Systeme in England gerichtet. Die Systeme in Bulgarien nahmen die Jupiter in der Türkei ins Visier.

Auf dem gesamten Gelände befanden sich hunderte Gebäude, darunter Kino, Klubs, Sporthallen und Sportplätze, Saunen, Schule, Bäckerei, Wäscherei, Magazin, Lehreinrichtungen, Reperatur- und Wartungswerkstätten, Wasser-, Heiz und Klärwerk, Krankenhaus, Unterkünfte für die Stäbe, Regimenter und die der Division. Damit man den enormen Bedarf der Garnison sicherstellen konnte, führte vom Bahnhof Vogelsang ein Anschlussgleis zu einem Lagerzentrum mit Kühlhaus, Lagerhäusern, Kopframpe und Tanklager. Der Bahnhof diente mit seinem Hauptgleis und den sieben Nebengleisen sowohl als Startpunkt für Truppen -und Materialtransporte, als auch als Rangierbahnhof für Versorgungsgüter der umliegenden Standorte. Das Tanklager deckte den Wochenbedarf der Garnison ab. Der Treibstoff kam über die Schiene aus Wismar. Traten Engpässe forderte man Reserven aus Eberswalde oder Groß-Dölln an. Innerhalb der Garnison beförderte man den gelieferten Treibstoff an die Bedarfsplätze per Tanklastzug.

Mit dem Abzug der russischen Truppen 1994 liegt das riesige Gelände brach und wird im Rahmen von Konversionsmaßnahmen nach und nach abgerissen und renaturiert. Aufgrund vieler Munitionsreste im Boden kann das Betreten der abgesperrten Bereiche lebensgefährlich sein.

Quelle: Wikipedia, Heimatgalerie, einestages

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Dokument erstellt am 08.07.2013
Letzte Änderung am 03.07.2014

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André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.