Kampf um den letzten Block in Prora

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Prora (aw). Der Landkreis Vorpommern-Rügen möchte den letzten fünften Block des denkmalgeschützten NS-Komplexes an Investoren verkaufen (wir berichteten). Derzeit stehen zwei interessierte Käufer in den Startlöchern. Gegen diese Verkaufspläne werden die Kritiken immer lauter und auch in einer Online-Petition fordern immer mehr Unterstützer den Stopp des Ausverkaufs der Geschichte. In der Petition werden auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) gezielt aufgefordert, sich für den Erhalt des letzten verbliebenen Gebäuderiegels in öffentlicher Hand einzusetzen und das geplante Bildungszentrum zu unterstützen. Diese Pläne waren vom Kreis aufgrund von nicht stemmbaren Kosten von 5 Millionen Euro verworfen worden.

Noch 2010 hatte sich das Land Mecklenburg-Vorpommern nach jahrelanger Überzeugungsarbeit durch Denk-MAL-Prora (eine Initiative ehemaliger Bausoldaten und Sympathisanten www.denk-mal-prora.de) dazu bekannt, eine Gedenk- und Bildungsstätte zu unterstützen. Die Petition, initiiert von Dr. Stefan Wolter (Historiker), Anett Hannemann (Rüganerin) und Markus Georg Reintgen (Fotokünstler), hatten in vier Wochen bereits 15.000 Unterstützer unterzeichnet. Der Kreisparteitag soll heute nach einer Beschlussvorlage Landrat Ralf Drescher (CDU ermächtigen, Verhandlungen zum Verkauf des letzten Abschnitts zu führen.

Die Initiatoren der Petition und die Unterzeichner fordern mit einem Drei-Punkte-Plan neben dem Stopp der überstürzten Verkaufsverhandlungen und dem Erhalt des 5. Blocks auch die Schaffung der Voraussetzung für eine finanziell selbstragende Kultur- und Kunstmeile, die sich an das Bildungszentrum anschließt und das historisch gewachsene bauliche Antlitz bewahrt, mit buntem Leben füllt und Festivals weiterhin ermöglicht sowie die Gewährung der Partizipation am Gestaltungsprozess für all jene, die sich an dieser Stelle konstruktiv einbringen und engagieren wollen.

Unterdessen gehen die Arbeiten an den restlichen Blöcken in Prora weiter. Hier entstehen etwa 1.000 Ferienwohnungen sowie Hotels. Alle Gebäudeteile waren an private Investoren veräußert worden. Und während die Nachfrage zu Eigentum mit Seeblick in den vergangenen Monaten riesengroß war, bangen das Prora-Zentrum und das Dokumentationszentrum um ihren Verbleib.

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