Joachim Nierhoff – Sagenhafter Westerwald

Sagenhafter Westerwald - Erschienen beim Sutton Verlag

Die Geschichte des Westerwaldes ist so alt wie seine Mythen und Sagen. Erste Erwähnungen und Funde in dem Mittelgebirge südwestlich des Dreiländerecks von Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zeugen davon, dass schon die Kelten im Westerwald aktiv waren. Noch heute finden sich an vielen Stellen alte Burg-, Kloster- und Kirchenreste, Erdwälle, Höhlen und Naturdenkmäler. An diesen Orten schlummern die verschiedensten Geschichten. Geschichten von Rittern, Zauberern, Feen und Druiden. Joachim Nierhoff ist Erfolgsautor und Sagen-Experte und lädt mit seinem neuen Buch „Sagenhafter Westerwald – Geschichten zwischen Sieg, Lahn, Dill und Rhein“ ein, der Fantasie freien Lauf zu lassen und eine Sagenwelt zu entdecken, die so vielschichtig ist wie die Region und ihre Menschen.

Nierhoff hat sein Buch – erschienen beim Sutton Verlag – nach politischen Kreisen geordnet, die gleichzeitig die Kapitel bilden. Die Sagen und Geschichten hat der Autor, wie in seinem Vorwort beschrieben, im heutigen Sprachgebrauch neu erzählt. Parallel dazu sind bei den Nacherzählungen der Sagen erhellende Informationen mit eingeflochten, um dem Leser historische und geografische Querverbindungen zu ermöglichen. Die Geschichten sind sorgfältig ausgewählt, kurz und knackig erzählt und halten die Spannung konsequent aufrecht.

Der Weg durch den sagenhaften Westerwald beginnt im Siegerland, genauer im Dorf Lippe, wo einst ein Müller lebte, der die Gabe hatte, gestohlenes Diebesgut mit Bannsprüchen zurückzuholen. Im Lahn-Dill-Kreis erfährt der Leser von einem Steiger, der oberhalb des Amdorfer Baches nach dem Verlauf einer Erzader geschürft hatte, dem Stoppelkalb. Dieses unheimliche Wesen führte den Bergmann zu einer prächtigen Erzader, die Selbigem zuerst zu Wohlstand verhalf, dessen Raffgier ihn jedoch später das Leben kostete. Dem Landkreis Limburg-Weilburg zugehörig, erzählt der Autor die Geschichte von der Zerstörung Dornburgs, eine Novelle aus rittertümlicher Habgier, Rache und Verderben.

Im Landkreis Altenkirchen verzweifelt der Hexer aus dem Flammersfelder Land an seinem Sohn, der sich in ein Mädel aus dem Nachbarsdorf verguckt hatte, und wollte seinem Knappen die Liebeleien austreiben. Die Strafe folgte prompt. Ebenfalls in Flammersfeld lebte ein Pfarrer, der einen ungeratenen Sohn hatte. Dieser wuchs zu Zeiten des Koalitionskrieges zu einem Bandenführer heran, der mit seinen Mannen am liebsten Nachschubtransporte überfiel. Ihm gelang immer wieder die Flucht, bis er schlussendlich durch einen Verrat im Schlosshof von Westerburg erschossen worden sein soll.

Im Westerwaldkreis kommen Burgfreunde voll auf ihre Kosten. Rings um die Burg Hartenfels – heute nur noch eine Ruine – haben sich früher verschiedenste Geschehnisse zugetragen, darunter der bilderbuchartig beschriebene, brutale Überfall auf eine Wagenkolonne unterhalb der Burg. Die Sage vom goldenen Spinnrad der Tochter des letzten Reichensteiner Ritters wird im vorletzten Kapitel – dem Landkreis Neuwied – erzählt. Diese musste für das räuberische Leben ihres Vaters mit dem Leben büßen und soll noch heute an nebeligen Tagen im weißen Kleid, mit goldenem Spinnrad unter dem Arm, umherziehen.

Die Reise durch den sagenhaften Westerwald endet im Landkreis Mayen-Koblenz – im Rahmen der Burgruine Sayn. Der Leser taucht unter anderem ein in die frühere Welt der Ritter von Sayn, die zu den mächtigsten Grafengeschlechtern des Rheintals zählten. Im Mittelalter vergnügten sich die Ritter bei Turnieren, um sich in den unterschiedlichsten Wettkämpfen zu messen. Diese Veranstaltungen waren Großereignisse und zogen die verschiedensten Gestalten heran. Die Geschichte vom Ritter Sayn, der um die Hand der Tochter des Ritters von Falkenstein anzuhalten, zu Roß durch das Burgtor in dessen Burg einritt, ähnelt – mit ein wenig Fantasie – den Märchen von Dornröschen und Rumpelstilzchen.

Neben den Geschichten des Autors wird das Buch durch diverse Schwarzweiß-Fotografien und kurze Informationsblöcke zu Persönlichkeiten, Städten und Bauwerken ergänzt. Im Ganzen ist „Sagenhafter Westerwald – Geschichten zwischen Sieg, Lahn, Dill und Rhein“ mehr als nur ein Werk mit fantastischen Geschichten, es ist ein Sammelsurium unterhaltsamer „Geschehnisse“ einer Region, die heute oftmals von Mythen umgeben ist. Dabei ist es egal, ob diese sich nun so zugetragen haben oder nicht.

Abschließend sei noch auf eine persönliche Anmerkung Nierhoffs im Buch hinzuweisen, in der er die Schulen in die Pflicht nimmt. Denn auf den Lehrplänen der Länder nehmen Sagen nur noch wenig Raum ein. Hier wünscht sich der Autor mehr Lesen in Büchern, die Sagen in die moderne Welt zu holen, die Sagenwelt zu „entstauben“ und sie dem heutigen Leser unterhaltsam und verständlich nahezubringen. Sagen sind ein Bestandteil der Heimatkunde und diese dürfen nicht aussterben. Die Sagenwelt gehört zu den ältesten Literaturformen und ist Teil unserer Kultur.

Sagenhafter Westerwald – Geschichten zwischen Sieg, Lahn, Dill und Rhein
Gebundene Ausgabe: 128 Seiten
Verlag: Sutton Verlag GmbH
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3954007363
ISBN-13: 978-3954007363
Preis: 19,99 EUR

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