Investoren für den Flughafen Tempelhof gesucht

Die Tempelhof Projekt GmbH startet ein europaweites Investorenauswahlverfahren für einen prominenten Gebäudeteil des Flughafens Tempelhof. Für die Sanierung und Nutzung des ehemaligen Offiziershotels der US-Army am Platz der Luftbrücke suchen die Gebäudeentwickler einen Investor. Das Verhandlungsverfahren beginnt mit einem öffentlichen Teilnahmewettbewerb. In diesem geht es zunächst um die Auswahl geeigneter Bieter, die in der zweiten Stufe ab Oktober dieses Jahres zur Abgabe von Angeboten aufgefordert werden. Die entsprechenden Unterlagen wurden heute auf der Vergabeplattform des Landes Berlin und unter www.tempelhoferfreiheit.de/vergaben veröffentlicht.

Der Gebäudeteil H2rund am heutigen Platz der Luftbrücke gehörte zu den ersten fertiggestellten Gebäuden des Flughafens Tempelhof. Erster Mieter war die Deutsche Lufthansa, die 1926 in Tempelhof gegründet wurde. Gemeinsam mit ihrer Tochtergesellschaft Hansa Luftbild zog sie 1938 in das Flughafengebäude. Die im 2. Weltkrieg für militärische Zwecke genutzten Räume wurden gegen Kriegsende stark zerstört und brannten weitgehend aus. 1950 begann die Berliner Flughafen Gesellschaft mit dem Wiederaufbau für die US Air Force. Unter dem Namen „Columbia House“ richtete diese hier ein Offiziershotel ein. Neben den Unterkünften für Angestellte des Militärs und der Fluggesellschaft in den Obergeschossen beherbergte der Gebäudeteil Einliegerwohnungen für Offiziere.

Im Erdgeschossbereich befanden sich ein großer Speisesaal und verschiedene Bar- und Clubbereiche. Die ursprünglich für Büroräume konzipierten Obergeschosse wurden durch die regelmäßige Teilung einzelner Räume und Einrichtung von Sanitärräumen zu Wohnzwecken umfunktioniert. Der Empfangsbereich im Erdgeschoss wurde 1987 wegen der militärischen Anforderungen vollständig umgestaltet.
Die aus der Bauzeit stammenden Treppenhäuser sowie der „Eichensaal“ sind weitgehend noch im Original erhalten. Gerhard W. Steindorf, Geschäftsführer der Tempelhof Projekt GmbH: „Berlin hat mit dem Flughafen Tempelhof ein großartiges und kulturhistorisch bedeutendes Gebäude, aber leider nicht genug Geld, um alles in dem Maße zu finanzieren, wie es dem Ort angemessen wäre. Wir wollen die Aufmerksamkeit der Investoren auf den Flughafen Tempelhof lenken und sie einladen, gemeinsam mit uns Sanierungs- und Nutzungskonzepte zu entwickeln.“

Das Land Berlin ist Eigentümerin des gesamten Flughafenareals, dies soll auch in Zukunft so bleiben. Ein Verkauf des Gebäudes oder Teile davon ist nicht vorgesehen. Der denkmalgeschützte Flughafen Tempelhof wird seit 2009 erfolgreich als Veranstaltungsort für Messen, Ausstellungen, Kongresse, Events, Design- und Musikfestival, Sportveranstaltungen etc. genutzt. Das Flughafengebäude ist der ideale Präsentationsort in der deutschen Hauptstadt. Das Veranstaltungsgeschäft bezieht sich auf die Hangarflächen, die ehemaligen Transitbereiche sowie die zentrale Eingangshalle.

Die ehemaligen Büro- und Verwaltungstrakte sind teilweise vermietet (in Tempelhof gibt es jetzt schon rund 100 Einzelmieter). Ein Drittel der Flächen steht leer, weil sie noch nicht saniert sind und sich in einem nicht-vermietbaren Zustand befinden. Steindorf: „Der Flughafen Tempelhof ist für uns ein Ort der Kommunikation und des Austauschs. Dies soll sich auch in der Mieterstruktur und der weiteren Nutzung widerspiegeln.“ Im Fokus der Tempelhof Projekt GmbH stehen vor allem Unternehmen aus dem Kreativ- und Bildungsbereich sowie der Life-Science-Branche.

Weitere Informationen zur Geschichte und zur zukünftigen Entwicklung des Flughafens Tempelhof finden Sie unter www.tempelhoferfreiheit.de und auf Facebook www.facebook.com/tempelhoferfreiheit.thf

Foto: THF

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André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.

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