Nachgefragt bei: Mathias Wenzel

Stabkirche in Stiege. Foto: rottenplaces Archivfoto.

Um dem immer schlimmer werdenden Schicksal der Stabkirche im Selketal (Ostharz) – am Wanderweg zwischen Stiege und Breitenstein und direkt gegenüber der ehemaligen Albrechtshaus-Heilstätte – nicht weiter tatenlos zusehen zu müssen, haben sich einige Stieger Bürger zusammengetan und im Dezember 2014 einen Förderverein gegründet. Dieser ist inzwischen als gemeinnützig eingestuft worden. Ziel des Vereins sind die Überführung der Stabkirche vom Albrechtshaus in den etwa 7 km entfernten Ort Stiege, die Übergabe der Kirche an die Stadt Oberharz am Brocken und die Aufstellung auf gemeindeeigenem Grund und Boden bei gleichzeitiger Reparatur und Instandsetzung. Weiter soll die Kirche an einen Verein zur nachhaltigen Nutzung übergeben werden. Ein ehrgeiziges aber gleichwohl unterstützungswürdiges Vorhaben.

Wir haben mit Mathias Wenzel vom Vorstand des Fördervereins Stabkirche Stiege über die Visionen und Pläne gesprochen.

rottenplaces: Was hat Sie dazu bewegt, nicht mehr tatenlos mit anzuschauen, wie ein Denkmal seinem Schicksal überlassen wird und aus diesem Grund einen Förderverein zu gründen?

Wenzel: Seit Jahren steht die gesamte Immobilie „Albrechtshaus“ leer und ist dem Verfall preisgegeben. Mehrfach wurde in die Kirche, die ebenfalls zum Albrechtshaus gehört und in der bis kurz nach der Wende sogar noch Gottesdienste stattfanden, eingebrochen. 2013 fiel das Hauptgebäude der ehemaligen Klinik einer wahrscheinlichen Brandstiftung zum Opfer. Für viele ist es nur eine Frage der Zeit, bis die kleine wunderhübsche und z.Zt. noch in gutem Zustand befindliche Kirche, die im Stil einer nordischen Stabkirche erbaut wurde, dieses Schicksal teilt. Deshalb haben sich nach dem Großbrand immer mehr Menschen zusammengefunden und dieses Problem diskutiert. Ein kleiner Personenkreis traf sich schließlich, um dem Umstand ein Ende zu bereiten und organisierte am 25.11.2014 eine Versammlung in der Gemeinde Stiege, zu der das Albrechtshaus gehört. Auf dieser Versammlung wurde festgestellt, dass nur durch die Gründung eines Vereines, der sich um die Umsetzung der Kirche in die Gemeinde und ihre Instandsetzung kümmert, das Problem gelöst werden kann.

Aus diesem Grunde wurde dann am 08.12.2014 der Förderverein zur Umsetzung und Instandsetzung der Stieger Stabkirche gegründet. Er wurde inzwischen auch offiziell als gemeinnützig anerkannt.

rottenplaces: Wieviele Mitglieder zählt ihr Förderverein?

Wenzel: Derzeit haben wir 21 Mitglieder.

rottenplaces: Die Stabkirche soll etwa 7 km versetzt werden. Dass so etwas funktionieren kann, zeigt das Beispiel des Transportes der Emmauskirche 2007 von Heuersdorf nach Borna. Schwebt Ihnen ein ähnlicher Umzug vor oder haben Sie alternative Ideen?

Wenzel: Im Moment wird in verschiedene Richtungen untersucht. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass die Kirche z.T. zerlegt, über die Bundesstraße 242 nach Stiege transportiert und dort wieder aufgebaut werden muss. Für einen Transport im Ganzen ist die Straße zu schmal. Da die Stabkirche im Wald steht, kommt ein Abtransport über freies Gelände nicht infrage. In der anschließenden Feldflur zwischen dem Albrechtshaus und Stiege befindet sich außerdem das Quellgebiet der Selke. Dieses kann und darf natürlich nicht überfahren oder anderweitig beeinträchtigt werden. Des Weiteren stehen für diese Maßnahme bei weitem nicht die finanziellen Mittel zur Verfügung, wie sie im Fall von Heuersdorf zum Einsatz kamen.

rottenplaces: Welche Lösung wäre für Sie persönlich wünschenswert?

Wenzel: Ein Transport im Ganzen wäre natürlich wünschenswert. Wir suchen noch nach Ideen, sind Vorschlägen gegenüber offen und hoffen auf viele Mitstreiter, die sich einbringen.

rottenplaces: Der mögliche neue Standort könnte der Park am Kriegerdenkmal oder der Bahnhofspark sein. Wie kam es zu dieser Wahl und gäbe es evtl. weitere Möglichkeiten?

Wenzel: Es gab noch zwei weitere mögliche Standorte: Im Gesamtensemble Schloss-Kirche-Glockenhaus oder in der kleinsten Wendeschleife Europas (am Bahnhof der HSB). Beide sind aus verschiedenen Gründen bei der Vorauswahl ausgeschieden. Die wichtigste Voraussetzung bei der Standortwahl ist, dass die Kirche ausschließlich auf Gemeindegrund aufgestellt werden soll. Aufgrund der geringen finanziellen Mittel der Gemeinden und Kommunen kommt ein Erwerb eines Grundstückes nicht infrage.

rottenplaces: Wie sind die Reaktionen, beispielsweise die der Bevölkerung oder der Politik auf die Pläne des Fördervereins zur Rettung der Stabkirche?

Wenzel: Bisher sind die Reaktionen weitestgehend positiv. Die Seite im Internet (www.stabkirche-stiege.de), die Blogs (www.stabkirche-stiege.de/wordpress_6) und Facebook (www.facebook.com/Stabkirche.Stiege) belegen das. Sogar in dem diesjährigen Fastnachtsumzug, der weit über die Grenzen des Harzes bekannt ist, gab es 2 Themenwagen zur Stabkirche. Die Politiker welche sich zu diesem Thema geäußert haben, wollen uns auch unterstützen. Leider fehlt aber in der Regel das Geld, sodass sich die Unterstützung großenteils auf organisatorische Belange beziehen wird. So wurde die Bauvoranfrage durch das Bauordnungsamt, in der es zunächst um die Genehmigungsfähigkeit eines Bauantrages für die beiden genannten Standorte geht, sehr zügig bearbeitet. Alle Ansprechpartner der zuständigen Fachbereiche vor allem der oberen und unteren Denkmalschutzbehörden haben stets ein offenes Ohr für unsere Belange.

Allgemein muss man allerdings sagen, ist der Verein erheblich auf Geld-und Sachspenden und auf Mitgliedsbeiträge angewiesen.

rottenplaces: Erhalten Sie die gewünschte Unterstützung oder wünschen Sie sich mehr Engagement und Leidenschaft von eben genannten?

Wenzel: Da der Verein noch recht jung ist, sollten die Erwartungen noch nicht zu hoch gesteckt werden. In Erwartung der noch nicht zu beziffernden Kosten können Unterstützung und Engagement nie hoch genug sein. Schon jetzt zeigt sich, dass der Verein bei kleinen organisatorischen Dingen, die Geld kosten, schnell an Grenzen stößt. Bei vielen ortsansässigen Unternehmen finden wir schon jetzt große Anerkennung und erste Unterstützung, die sich in Form von Sachspenden für unsere Tombola anlässlich des 110-jährigen Kirchenjubiläums äußert. Die Kirche wurde nämlich 1905 eingeweiht.

rottenplaces: Wie können oder wollen sie die Stabkirche vor weiteren Schäden oder kriminellen Energien schützen?

Wenzel: Der wesentliche Schritt um die Kirche in jeder Hinsicht zu schützen ist, sie in unseren Ort zu holen und sie anschließend nachhaltig zu nutzen. Ihr derzeitiger Standort ist weit von jeder Zivilisation entfernt. Sie steht versteckt im Wald und ist kaum einzusehen. Ein ortsansässiger Vertreter des Eigentümers und auch Einwohner der umliegenden Gemeinden achten natürlich auf Auffälligkeiten. Probleme werden aber häufig zu spät erkannt. Deshalb ist sie an ihrem derzeitigen Standort kaum zu schützen, weshalb wir hoffen, dass der Umzug bald gelingt.

Wir danken Mathias Wenzel für das Interview.
Das Interview führte André Winternitz

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