Initiative Denk-MAL-Prora reaktiviert ihre Petition

Prora, Gebäude von der Seeseite. Foto: Unukorno/CC BY 4.0
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Berlin/Prora (aw). Die Initiative Denk-MAL-Prora hat ihre Petition „Stoppt den Ausverkauf der Geschichte. Prora braucht Kultur“ reaktiviert. Vor etwa zehn Monaten gewann die Petition 15.000 Unterzeichner, die ein deutliches Zeichen gegen die Privatisierung des letzten verbliebenen, in öffentlicher Hand befindlichen Blockes V des einstigen KDF-Bades setzte. Im Mai letzten Jahres wurde dann dennoch der Verkauf im Kreistag (Vorpommern-Rügen) mehrheitlich beschlossen (wir berichteten). Jetzt soll entspechend einer Pressemeldung der Initiative die Neuauflage der Petition den kritischen Stimmen der Unterzeichner mehr Nachdruck zu verleihen und nun die Verkaufsvorbereitung im Visier zu haben.

Die Initiative und möchte das Ziel erreichen, die drei sich an die Jugendherberge anschließenden Lichthöfe im historisch gewachsenen Antlitz zu bewahren und neben dem seit Jahren zur Debatte stehenden Bildungszentrum ein bis zwei Abschnitte so zu entwickeln, dass Kunst und Kultur bei minimalistischen Eingriffen in die Bausubstanz eine Chance erhalten. Die Fehler der Entwicklung in Prora-Ost dürfen sich nach Meinung der Initiative nicht wiederholen: Geplante Wandel- und nach 1945 gestaltete Kasernengänge wurden und werden ohne Dokumentionen zerstört, emotionale Zugänge vor allem hinsichtlich der vielschichtigen DDR-Geschichte unmöglich gemacht.

Ihre neuerlichen Argumente der Petition, die an Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, Landrat Ralph Drescher und Ministerpräsident Erwin Sellering gerichtet ist, bezieht die Initiative aus den Entscheidungen von Bund, Land und dem damaligen Landkreis Rügen vor mehr als zehn Jahren: Damals wurde im Rahmen eines großen Jugendfestivals die Idee für die Jugendherberge geboren. 2006 ging Block V für den symbolischen Euro an den damaligen Landkreis Rügen, der mit Mitteln der EU, Bund und Land die Jugendherberge Prora entwickelte. Diese ging 2011 in Betrieb, jedoch um drei Lichthöfe kleiner als ursprünglich geplant und obendrein ohne das vereinbarte Bildungszentrum.

In jenem Abschnitt des von den Nationalsozialisten geplanten Kraft-durch-Freude-Bades,
dessen Ruinen um 1950 zur Großkaserne der NVA ausgebaut wurden, war in den 1980er
Jahren unter anderem die größte Einheit der DDR-Bausoldaten untergebracht. Mit ihrer
grundsätzlich pazifistischen Einstellung gehören die Bausoldaten zu den Wegbereitern der
Friedlichen Revolution. Einige DDR-zeitliche Ausstattungsstücke wurden als denkmalwürdig
erkannt; der Erhalt des authentischen braungrauen Antlitzes für diesen Abschnitt wurde
vonseiten des Landesdenkmalamtes Schwerin in Aussicht gestellt. Die Petition erzielte
bislang 15.452 Unterschriften (Stand: 07.03.2017, 13.30 Uhr).

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