Hyparschale Magdeburg

Hyparschale in Magdeburg vor der Sanierung. Foto: rottenplaces Archivfoto.

Die Hyparschale im Magdeburger Stadtpark Rotehorn ist eine Mehrzweckhalle, errichtet nach den Plänen des Bauingenieurs Ulrich Müther. Das Schalenbauwerk, 1998 in die Landesdenkmalliste aufgenommen, befindet sich im Magdeburger Stadtpark Rotehorn. Dort liegt sie in einer Achse zwischen der Magdeburger Stadthalle und dem Landesfunkhaus des MDR. Konstruiert wurde die Hyparschale mit einer selbsttragenden Spannbetondecke, die aus vier hyperbolischen Paraboloiden besteht und die Fläche von 48 x 48 Metern überspannt. Die Lasten von vier Dachschalen werden als Schrägstützen zum Erdboden hingeführt.

Für die Magdeburger Hyparschale orientierte man sich an dem Konzept für das Restaurant „Ostseeperle“ in Glowe auf Rügen. Vom gleichen Bautyp sind die Mehrzweckhalle in Rostock-Lütten Klein, die Stadthalle Neubrandenburg sowie das Rudezentrum Dresden. In Magdeburg hatte Bauingenieur Müther die vier Hyparschalen quadratisch zusammengesetzt und im Zentrum leicht nach unten gekippt, um eine größere Fensterfläche mit mehr Tageslicht generieren zu können. Unter dem Parkettfußboden befindet sich ein großer Schwingfußboden. Die Tribünenanlage und die Innenraumausstattung hat über die Jahre aufgrund von Vandalismus schwer gelitten.

Seit 1997 ist die Halle polizeilich gesperrt. Ein Abbruch konnte jedoch durch zwei Gutachten abgewendet werden. Nachdem 2005 und 2008 die Hyparschale und eine mögliche Wiederbelebung ein Seminarthema für den Fachbereich Immobilienwirtschaft an der Hochschule Anhalt war, gründete sich zudem 2010 eine Bürgerinitiative für den Erhalt des Bauwerks – nach der Idee des ehemaligen Bauingenieurs Siegfried Enkelmann. Enkelmann schlug einen Kauf der Immobilie durch einen Förderverein vor, mit der schrittweisen Sanierung und deren Finanzierung. Ein schlüssiges Finanzierungs- und Betreiberkonzept wurde jedoch nie nachgewiesen.

2012 gründete sich ein überparteilicher Magdeburger Verein, der sich die Rettung und die weitere Nutzung zum Ziel gesetzt hatte. Zum Ende desselben Jahres schlug der Verein Kreativwirtschaft Sachsen-Anhalt (KWSA) die Hyparschale als Gründerzentrum für junge Unternehmer im Industriedesign, aus der Film- und Werbewirtschaft sowie Softwareprogrammierung vor. Der Magdeburger Stadtrat beschloss 2013 die Sanierung des Dachs und der Dachstützen für 1,8 Mio. Euro, wofür die Suche nach Investoren wieder aufgenommen werden sollte.

Magdeburgs Oberbürgermeister Trümper und der Leiter des Kommunalen Gebäudemanagements der Stadt Magdeburg, Heinz Ulrich, stellten 2018 den Sanierungsplan für die Magdeburger Hyparschale der Öffentlichkeit vor. Demnach ist vorgesehen, insgesamt 16,9 Millionen Euro für die vollständige Sanierung und den Innenausbau aufzuwenden. Das Ziel ist, eine moderne Veranstaltungsstätte für Tagungen, Kongresse und kulturelle Ereignisse für 200 bis 500 Teilnehmer anbieten zu können. Bauplaner ist das Hamburger Architekturbüro gmp.

Die Halle soll ein zweites Geschoss mit einem großen Atrium erhalten sowie einen Hochwasserschutz. Ein optimiertes Beleuchtungskonzept soll die Attraktivität des Gebäudes erhöhen. Der Tradition Müthers folgend, stets die neuesten Werkstoffe und Bautechniken anzuwenden, wird bei der Sanierung der Hyparschale der neue Verbundwerkstoff Carbonbeton eingesetzt – auch aufgrund statischer Vorteile und finanzieller Einsparungen.

2019 bewilligte die Mehrheit des Magdeburger Stadtrats eine Übernahme des städtischen Finanzierungsanteils von 57 Prozent (9,78 Mio. €) von insgesamt rund 17 Millionen Euro an der Sanierung der Halle. Die Arbeiten wurden in zwei Abschnitte unterteilt, zunächst erfolgt die Sanierung des Daches, danach der Innenausbau der Halle. Durch eine Verzögerung im Genehmigungsverfahren soll die Sanierung der Hyparschale erst im Jahr 2022 abgeschlossen sein.

Dokument-Information
Objekt ID: rp-038156
Kategorie: Freizeit & Kultur
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Standort: Stadtpark Rotehorn, Magdeburg
Baujahr: 1969
Denkmalschutz: ja
Architekt: Ulrich Müther
Objekt abgerissen: nein
Objekt erfasst: 22.08.2019
Objekt erstellt: 17.09.2019
Letzte Änderung: 17.09.2019
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Aufgrund der Anzahl der Gebäude und deren positive und/oder negative Veränderungen der Bausubstanz im Laufe der Zeit, stellen einzelne Abbildungen (häufig) nicht den derzeitigen Zustand dar. Die Reihenfolge der Bilder ist keine Zeitreihenfolge.

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