Holtz & Willemsen Ölfabriken (Howinol)

Ehemaliges Unternehmen Holtz & Willemsen (Howinol) an der Hohenbudbergerstraße. Foto: rottenplaces Archivfoto

1889 erwarb Franz Holtz das Gelände im Uerdinger Hafen und verarbeitete dort Leinsaat. Zusammen mit Reinhard Willemsen gründete er dort die Ölfabrik Holtz und Willemsen (Howinol). Man kaufte „Uerdinger Actien-Spritfabrik“ und formte aus dieser das neue Unternehmen, bestehend aus Produktion, Gärhaus, Laboratorium, Retortenturm und unmittelbaren Bahnanschluss zum Rhein. Produziert wurden bei Howinol Speiseöle- und fette sowie Margarine.
1901 vernichtete ein Großbrand weite Teile des Areals. Rasch konnten die beschädigten Gebäude wieder aufgebaut und in Betrieb genommen werden. Über die Jahre erwarb sich das Unternehmen einen internationalen Ruf als Tafel-, Salat- und Backölhersteller. Zu Glanzzeiten arbeiteten rund 450 Menschen im Betrieb. Während des Zweiten Weltkriegs beschäftigte das Unternehmen Zwangsarbeiter. Bei einer Bombardierung kam die Howinol mit dem Schrecken davon, die Produktion musste zu keiner Zeit unterbrochen werden. In den 60er-Jahren gingen die Produktionszahlen aufgrund internationaler Mitstreiten immens zurück. Einen Rechtsstreit in den 70ern entschied das Unternehmen zu eigenen Gunsten. Die Produktion musste aufgrund von sinkender Nachfrage weiter heruntergefahren werden.

Die Howinol wurde von der Duisburger Getreide-Import-Gesellschaft mbH übernommen, die den Betrieb stilllegten, wollte. Nach langwierigen Verhandlungen verabschiedete man einen Sozialplan, der beinhaltete, den Beschäftigten gegen eine Abfindungszahlung zu kündigen. Diverse firmeneigene Grundstücke und Immobilien sowie Anlagevermögen wurde veräußert. 1980 legte man das Unternehmen endgültig still und ließ einen Teil der Lagergebäude abreißen.

Später erwarb Heinrich Yoksulian etwa 3.000 Quadratmeter des nördlichen Teils des ehemaligen Howinol-Geländes und betrieb dort eine Metallverarbeitung. Der Rest des Geländes ging an die NRW.urban über. Seit 2007 fanden auf dem Areal und in Teilgebäuden diverse Kulturveranstaltungen statt. Die vom Unternehmen Werkhaus durchgeführten Open-Air-Kinos, Musiktheater, Kabarett, Ausstellungen und Lesungen begeisterten vor beeindruckender Kulisse viele Besucher. Im Zuge der Events wurden Fenster repariert, die Flächen gesäubert und das benötigte Equipment herangeschafft. 2011 musste das „Werkhaus“ aufgrund der verspäteten Genehmigung des Haushalts und die dadurch verspätete Zahlung des Kulturetats einstellen. Fabian Kölker entdeckte das Potenzial des Geländes und veranstaltete das Event „Time. Space. Rheinblick.“ Im selben Jahr sollte die zweite Auflage des Konzepts stattfinden. Das Projekt „Rheinblick“ war zu dieser Zeit bereits in weite Ferne gerückt – auch durch ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts.

2013 wurde bekannt, dass der österreichische Bauunternehmer Hans Pall das 8.000 Quadratmeter große Howinol-Gelände gekauft hatte. Noch im selben Jahr wollte dieser hier eine Verkaufspräsentation für sein mit Patenten ausgestatteten Dämmstoffsystems einrichten. Pall – Geschäftsführer der „P. International Holding GmbH“ mit Sitz in der Slowakei und Hauptgeschäftsführer der Baufirma „Öko Reenergie“ war bereits vier Jahre Besitzer, aber nicht Eigentümer des Areals. Weiter plante Pall ein Tagungszentrum für Architekten einzurichten nebst Gastronomie und Biergarten. Der Geschäftsmann war nach eigenen Angaben durch eine Empfehlung des NRW-Wirtschaftsministeriums auf das Areal aufmerksam geworden.

Mitte 2014 bekundete Bernd Krükel von der Bauträger-GmbH Bau & Denkmalwert Interesse an dem Howinol-Areal. Krükel, der als Freund des Vorhabens „Rheinblick“ galt, war für Gespräche mit Gremien und Stadt offen, mied aber anfangs und konsequent den Kontakt zum Eigentümer Pall. Krükel traf sich mit dem Stararchitekten Hadi Teherani, der die Entwürfe für das Nachbargrundstück – der früheren Spedition Müncker – lieferte, um sich auszutauschen.

2015 wurden neue Planungen für das Projekt „Rheinblick“ bekannt. Planungsdezernent Martin Linne gab gegenüber der Tagespresse bekannt, das nach seiner Zeitplanung von 24 bis 30 Monaten Bauzeit der Bebauungsplan für das 85 Millionen Euro teure Vorhaben der Bielefelder Projektentwickler „KRP-Finanz GmbH & Co. Quartier Rheinblick KG“ und der „Dr. Schmitter GmbH & Co Immobilien KG“ aus Krefeld noch in diesem Jahr rechtskräftig werden soll. Start des Projekts soll 2018 sein, erste Mieter könnten 2019 einziehen. Wie es mit dem ehrgeizigen Projekt weitergeht, wird sich bald zeigen.

Quellen: rp-online.de, wz-newsline.de, Wikipedia, albert-geiseler.de, lipinski.de, privat

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Copyright © rottenplaces 2015
Dokument erstellt am 30.10.2015
Letzte Änderung am 30.10.2015

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