Historische Stiftskirche in Lippstadt Teil einer besonderen Ausstellung

Historische Stiftskirche in Lippstadt. Foto: rottenplaces Archivfoto
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Lippstadt (aw). Sie ist ein bedeutendes Baudenkmal von europäischem Rang, gehört zu den bedeutenden frühgotischen Baudenkmälern in Westfalen, erbaut im 12. Jahrhundert und ist seit dem 19. Jahrhundert eine Ruine. Die Rede ist von der Lippstädter Stiftskirche (Kreis Soest), auch Kleine Marienkirche genannt. Gegründet wurde die Kleine Marienkirche als Augustinerinnenkloster. Im 16. Jahrhundert wandelte man das Kloster zu einem adligen Damenstift um, im frühen 19. Jahrhundert verfiel die Ruine. In diesem Jahr nimmt das gotische Bauwerk eine bedeutende Rolle in der Sonderausstellung „Gotik – Der Paderborner Dom und die Baukultur des 13. Jahrhunderts in Europa“ im Diözesanmuseum in Paderborn ein.

Das Ausstellungsteam hat jetzt einige Details zur neuen Ausstellung preisgegeben. Weil nach dem Teileinsturz der Gewölbe der Stiftskirche und der daraus resultierenden Abtragung im 19. Jahrhundert wertvolle Bauteile geborgen und gesichert wurden, lässt sich Baugeschichte am Übergang von der Spätromanik zur frühen Gotik in Details zeigen. Denn der Besucher kann diese historisch wertvollen Bauteile beinnahe ebenerdig betrachten. Würde die Stiftskirche noch in ihrer vollen Pracht stehen, so befänden sich beispielsweise die Schlusssteine der Gewölbe in rund 40 Meter Höhe.

Da die Stiftskirche als älteste frühgotische Kirche Westfalens gilt, spricht man davon, dass die Gotik sich von Lippstadt zuerst im Paderborner Raum ausgebreitet hat und dann in den europäischen Raum bis nach Utrecht und Riga „überschwappte“. Dies berichtet der Kunsthistoriker und Fachmann für westfälische Gotik, Dr. Roland Pieper, gegenüber der „Westfalenpost“. So sei es nicht verwunderlich, dass jeder Kunsthistoriker in Europa den Namen Lippstadt kennt, ohne auch zu wissen, wo die Stadt genau liegt, sagt der gebürtige Lippstädter Pieper.

Bei der Ausstellung, die vom 21. September 2018 bis zum 13. Januar 2019 stattfindet, werden auch Steinmetzarbeiten gezeigt, die noch heute in Fragmenten sichtbar sind und zeigen, welchen Fortschritt die Bautechnik zu damaliger Zeit ausgehend von Lippstadt nahm. Dazu gehören so genannte „Wolfslöcher“, die dem zangenähnlichen Dübelprinzip ähnlich, schwere Steine transportabel machten. Ein weiterer Teil der Ausstellung werden Versetzzeichen sein. Diese ist eine frühe Art der seriellen Produktion und zeigten Bauleuten, an welche Stelle ein vorgefertigtes Bauteil gehört. In Lippstadt hat dieses Versetzzeichen die Form eines Kreuzes. Meist wurden Versetzzeichen aus Zahlen, Buchstaben und einfachsten geometrischen Formen gebildet, die mit der Reihenfolge beim Versetzen der Steine zu tun hatten und sich in Gestalt und Systematik grundlegend von den Steinmetzzeichen unterschieden.

Die Stiftskirche zeichnet sich aber noch durch ein weiteres Merkmal aus. Die großen Maßwerkfenster spiegeln den Paderborner Dom wieder. Sie sind ein Zeugnis davon, wie man versuchte, die Fenster zu imitieren, drei separate Fenster sollten den Eindruck eines filigranen Maßwerkes vermitteln. Nichts steht so charakterlich für die Gotik in Westfalen wie der Paderborner Dom. Die Sonderausstellung „Gotik – Der Paderborner Dom und die Baukultur des 13. Jahrhunderts in Europa“ ist ein zentraler Teil des Festprogramms zum 950-jährigen Weihejubiläum des Imad-Domes.

1 Kommentar

  1. Danke für den schönen Beitrag, aber da hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen. Die höchsten Basiliken in Deutschland erreichen 40 m Gewölbehöhe, aber keine Hallenkirche, schon gar nicht die in Lippstadt.

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