Henrichshütte: Ausstellung „Hidden Costs. Ewigkeitslasten“

Robert Laube (r.) und J Henry Fair in der Ausstellung "Hidden Costs" im Gebläsehaus der Henrichshütte. Foto: LWL/Fischer

Hattingen (lwl/aw). Verseuchte Gewässer, überformte Reviere, geplünderte Landschaften teils gigantischen Ausmaßes – von oben sind die versteckten Kosten, die die Industrialisierung der Natur und den Menschen hinterlässt, offensichtlich. Der amerikanische Künstler und Fotograf J Henry Fair zeigt die „Ewigkeitslasten“, an denen unser Planet schwer trägt, auf großformatigen Fotografien. Eine Auswahl von 45 Arbeiten zeigt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) vom 26. Oktober 2018 bis 22. April 2019 in seinem Industriemuseum Henrichshütte Hattingen. Die Ausstellung „Hidden Costs“ wird Freitag (26.10.) um 19 Uhr eröffnet.

Schwerpunkt der Ausstellung sind die Vereinigten Staaten und Kanada, aber auch in Europa, in Deutschland an Rhein und Ruhr findet Fair seine Motive. So sind unter den gezeigten Arbeiten auch 15 Aufnahmen aus Deutschland. Präsentiert werden die großformatigen Fotos im historischen Gebläsehaus, im Museumsfoyer und auf dem Außengelände der Henrichshütte.

Hintergrund

„Die Dinge, die wir kaufen, enthalten keine Informationen über die ‚versteckten Kosten‘ für die an ihrer Produktion beteiligten öffentlichen Güter: die verunreinigte Luft, das verschmutzte Wasser, die zerstörten Lebensräume oder die ausgebeuteten Arbeiter“, erklärte Fair am Montag (22.10.) bei der Vorstellung der Ausstellung in Hattingen. „Aber das sind reale Kosten, die bezahlt werden müssen, eine Last, die letztlich dem Steuerzahler auferlegt wird.“

Anlass für die Ausstellung und zugleich beredtes Beispiel für Fairs Argumentation ist das Ende des Steinkohlenbergbaus im Ruhgebiet 2018. „Trotz Schließung der letzten Zeche sind wir vom Kohleausstieg ja noch weit entfernt“, so LWL-Museumsleiter Robert Laube. Die jüngste Diskussion um den Hambacher Forst zeige, wie aktuell und wichtig Fairs Arbeiten seien. Für LWL-Museumsdirektor Dirk Zache ist die Ausstellung deshalb auch „ein exzellentes Beispiel“ für das Verständnis des Museums als gesellschaftliches Forum: „Ob historische Schau, Kunst-Ausstellung oder Tagung: Das Industriemuseum ist der Ort für die Themen, die die Menschen bewegen.“

Der Fotograf J Henry Fair

Ob Braunkohletagebau am Niederrhein, Kraftwerke zwischen Duisburg und Lünen oder Hochöfen in Duisburg-Schwelgern – Fair zeigt „jede Menge Kohle“. Und auch am Schacht sei längst nicht Schicht, betont Laube: „Die RAG-Stiftung muss bis in alle Zukunft Wasser abpumpen, soll das Revier nicht ‚absaufen‘.“

Fair geht mit seinen Luftbildern diesen sogenannten Ewigkeitslasten weltweit nach. Luft, Wasser und Boden gehören für ihn zu den unveräußerlichen Werten, die allen gehören. Seine Fotografien sind zumeist aus dem Flugzeug in etwa 300 Metern Höhe aufgenommen. Laube: „Die Arbeiten faszinieren auf den ersten Blick in ihrer Abstraktion mit ihren prominenten Farben. Der zweite Blick lässt uns fragen: Das also ist das Schicksal unseres blauen Planeten?“

„Die Faszination für Ruinen und industrielle Gebilde hat meine Arbeit immer geprägt. Ich wollte Kunst machen, die eine Geschichte über die Gefahren unserer konsumorientierten Entsorgungs-wirtschaft erzählt“, berichtet Fair. „Dies führte mich in die Höhle des Löwen. Ich schlich mich in Raffinerien und Kohlebergwerke ein. Aber die Bilder haben die Grenze zwischen Dokument und Kunst nicht überschritten, und die am stärksten vergifteten Landschaften blieben unerreichbar.“ Bei einem Flug wurde ihm klar: „Ich sah einen Kraftwerkskühlturm aus der Nebeldecke ragen. Da wurde mir klar: Ich kann nicht nur Zäune überwinden, sondern auch Landschaften von oben in faszinierende abstrakte Bilder verwandeln.“

Als Künstler setzt Fair auf die Macht der Bilder, die eine Frage in den Focus rücken: „Wollen wir das?“ Deshalb fotografiert der Amerikaner weltweit und stellt auch weltweit aus. Seine Arbeit zielt auf das Bewusstsein und die Haltungen des Betrachters. Fair: „Zu wissen, dass der Einzelne einen entscheidenden Unterschied machen kann, ist Grund zur Hoffnung. Wenn wir die Umweltkrise im Kontext ihres epischen Ausmaßes verstehen, können wir unsere Gesellschaft und Wirtschaft bewegen, Lösungen zu finden.“

Katalog

Hidden Costs. Ewigkeitslasten. Fotografien von J Henry Fair. Hg. LWL-Industriemuseum, Robert Laube. 120 reich bebilderte Seiten. Klartext Verlag, Essen 2018, ISBN 978-3-8375-2052-1. Preis: 19,95 Euro.

Eröffnung

Bei der Eröffnung der Ausstellung am Freitag (26.10.) um 19 Uhr begrüßt Gertrud Welper, stellvertretende Vorsitzende der LWL-Landschaftsversammlung, die Gäste. Museumsleiter Robert Laube stellt den Künstler und sein Werk vor. J Henry Fair ist an diesem Abend anwesend. Das Quartett „Quattro Venti“ begleitet das Programm musikalisch. Gäste sind willkommen. Der Eintritt ist frei.

Hidden Costs. Ewigkeitslasten
Fotografien von J Henry Fair
Eine Ausstellung unter dem Dach von „Glück auf Zukunft“
26. Oktober 2018 bis 22. April 2019
LWL-Industriemuseum Henrichshütte Hattingen
Werksstraße 31-33, 45527 Hattingen

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