Helios AG samt Heliosturm Ehrenfeld

Die Helios AG für elektrisches Licht und Telegraphenanlagenbau war ein im Jahr 1882 gegründetes Unternehmen aus den Pioniertagen der Elektrotechnik. Firmensitz und Produktionsstandort war die damalige Industriestadt Ehrenfeld, die 1888 nach Köln eingemeindet wurde. Durch die erstmalige Umsetzung zahlreicher Erfindungen trug die Helios AG europaweit maßgeblich zur Elektrifizierung von Industrie, Verkehrstechnik und öffentlichem Raum bei. Dennoch führten wirtschaftliche Schwierigkeiten zur Übernahme durch die Berliner Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG), die ab dem Jahr 1905 die Liquidation des Unternehmens betrieb.

Das ehemalige Verwaltungsgebäude Helioshaus, die früheren Produktionshallen sowie das ehemalige Firmenwahrzeichen, ein 44 Meter hoher Leuchtturm für Versuche und Demonstrationen, durchliefen danach eine wechselvolle Geschichte und bilden heute eines der besterhaltenen Industriedenkmäler in Köln. Der Heliosturm genannte Leuchtturm wurde nach Erlöschen der Helios AG nicht mehr instand gehalten. 1996 erhielt er im Rahmen einer Rekonstruktion ein neues Lampenhaus. Der Turm, der nie eine Funktion als Seezeichen hatte, leuchtet seitdem als Wahr- und Erinnerungszeichen einer untergegangenen Industrie wieder mit einem schwachen Dauerlicht über Ehrenfeld.

Blick in die erste Montagehalle (1892) des Helios-Werkes. Foto: Superbass

Leuchtturm

Der heutige Leuchtturm ersetzte drei Jahre nach Inbetriebnahme der Fabrik eine erste, weniger repräsentative Test- und Vorführanlage für Leuchtfeuer. Sein 12 Meter hohes Sockelgebäude, erbaut im historistischen Stil, hat einen quadratischen Grundriss und wurde an die nordwestliche Ecke der großen Werkhalle gesetzt. Ursprünglich trug es eine große Aufschrift mit der Firmenbezeichnung „Helios Elektricitäts Akt. Ges.“. Auf ihm steht der eigentliche Turm aus rotem Backstein. Er ist rund gebaut und verjüngt sich nach oben.

Leuchtturm Helios-Hallen. Foto: rottenplaces Archivfoto

Der Schaft trägt eine auf Konsolen auskragende Plattform, auf der sich bis zum Zweiten Weltkrieg ein Versuchsleuchtfeuer befand. 1996 wurde das Lampenhaus mit einer ans Original angelehnten Eisen-/Glaskonstruktion wiederhergestellt und mit einer blendfreien Dauerbeleuchtung, jedoch ohne jede Optik, ausgerüstet. Eine eiserne Spitze dient als Blitzableiter. In der heutigen Straßenführung steht der Turm an der Heliosstraße, die das ehemalige Helios-Gelände nach Nordwesten begrenzt. Der Turm steht seit dem Jahr 1986 unter Denkmalschutz.

Man kann davon ausgehen, dass der Ehrenfelder Leuchtturm über seine technische Funktion hinaus auch als Blickfang und Wahrzeichen der Helios AG konzipiert wurde. Der Bau und die Ausrüstung von Leuchttürmen und -feuern war ein Betriebszweig der Helios AG. Mit ihrer Technik wurden unter anderem die Leuchtfeuer Roter Sand, Borkum, Kampen und Wangerooge realisiert. Auch die komplette Seesignaltechnik des Nord-Ostsee-Kanals, bestehend aus 20 Leuchtfeuern, stammte aus Köln-Ehrenfeld. Der Idee eines Wahrzeichens wird der Turm heute noch gerecht – die Ehrenfelder erinnert er eindrucksvoll an die Zeit des 19. Jahrhunderts, in welcher der damalige Vorort von großen Industriebetrieben geprägt wurde.

Die rechte Hälfte des Hauptschiffes der großen Werkhalle (1901). Foto: Superbass

Neben dem Leuchtturm Moritzburg und dem Neuen Lindauer Leuchtturm ist der Heliosturm einer der wenigen Binnenleuchttürme Deutschlands. Eine Funktion für die Binnenschifffahrt auf dem sechs Kilometer entfernten Rhein, die dem Turm oft scherzhaft zugeschrieben wird, ist nicht nachweisbar.

Der Heliosturm ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Seit 2001 wird er von Funkamateuren im Rahmen des Internationalen Leuchtturm- und Feuerschiff-Wochenendes einmal jährlich mit einer Antennenanlage ausgerüstet. Unter der internationalen Leuchtturmbezeichnung FED-107 und dem Rufzeichen DE0011 ist der Turm dann mit über 300 teilnehmenden Leuchtfeuern auf der ganzen Welt verbunden. Im Januar 2008 zeigten die Kölner Künstler Till Nachtmann und Stefan Silies ihre Lichtinstallation „Gespinsterturm“ im Lichthaus des Heliosturms.

Verwaltung der Helios-Werke

Weitgehend im Originalzustand erhalten ist heute noch das Verwaltungsgebäude der Helios AG an der Venloer Straße 389. Das repräsentative Gebäude mit bogenverzierter Backsteinfassade lässt erahnen, dass hier einst internationale Geschäftspartner ein und aus gingen. Auffallend ist besonders das Treppenhaus im klassizistischen Stil mit gusseisernen Treppenaufgängen und Geländern, die mit floralen Elementen verziert wurden. Das Treppenhaus bildet den Mittelpunkt des Gebäudes – alle Ebenen und Flügel zweigen von seinen umlaufenden Galerien ab. Es wird von einem Dach in Glas-Stahlkonstruktion überspannt, durch das Licht einfällt. Als Konzession an die heutige Zeit wurde in einer Ecke nachträglich ein gläserner Aufzug eingebaut. Das Verwaltungsgebäude besitzt neben dem Parterre dreieinhalb Stockwerke. Darin befanden sich die Abteilungen für den Bau von Elektrizitätswerken und Bahnen, Verbindungsbüros für auswärtige Filialen sowie die Kasse und Räume für die Direktion der Firma.

Äußerlich trägt das Gebäude bis heute die Schriftzüge Helioshaus sowie Cölner Industrie Werke. Diese GmbH hatte bereits 1907 das Eigentum am Fabrikgelände übernommen und vermietete es an verschiedene Firmen. In dem Gebäude sind heute zahlreiche Arztpraxen sowie eine Apotheke untergebracht. Es wird gelegentlich als Drehort für Film- und Fernsehproduktionen genutzt.

Helios – Heutiger Zustand

Das Gelände der ehemaligen Helioswerke wird heute vom Ehrenfeldgürtel, Vogelsanger Straße, Heliosstraße und Venloer Straße eingerahmt. Neben dem Helioshaus und der Rheinlandhalle mit dem Heliosturm befinden sich auf dem Grundstück Bauten unterschiedlichen Alters, in denen Kleingewerbe, Einzelhandel, Ateliers, Werkstätten und Handwerksbetriebe untergebracht sind. Darunter befindet sich der von der EU, Land und Stadt geförderte Atelierkomplex Design Quartier Ehrenfeld an der Heliosstraße und der Sitz des Orchesters Concerto Köln. Im Rahmen von Zwischennutzungen werden Gelände und Gebäude von der Heliosstraße aus durch eine Cocktailbar und einem Club mit Außengastronomie bespielt. Zum Ehrenfeldgürtel liegt, neben einer Brachfläche, die moderne Filiale einer Fastfood-Kette, gefolgt von einem eingeschossigen Matratzenmarkt und einem großen Parkplatz für Besucher der Rheinlandhalle. Das Gelände ist in Teilen mit Schadstoffen belastet.

Rheinlandhalle im Jahr 2016. Foto: Superbass/CC BY-SA 4.0

Ab 2008 war das Gelände im Besitz einer gemeinsamen Grundstücksgesellschaft der Bauwens-Unternehmensgruppe und der Mfi Management für Immobilien AG. Letztere ist der Betreiber vieler Shopping Malls, darunter auch die Köln-Arcaden in Köln-Kalk. Die Besitzer hatten angekündigt, auf dem Areal unter Einbeziehung der Industriearchitektur ein überdachtes Einkaufszentrum errichten zu wollen. Während das Vorhaben in der Lokalpolitik kontrovers diskutiert wurde, gründete sich eine Bürgerinitiative, die sich für den Erhalt der gewachsenen Mixtur aus kultureller und gewerblicher Nutzung in den alten Gebäuden sowie für die Beibehaltung der öffentlichen Durchwegung des Geländes einsetzt.

Im Sommer 2012 schloss die „Werkstattphase“ eines Verfahrens der Bürgerbeteiligung mit gemeinsamen Empfehlungen ab, die sich gegen den Umbau des Areals zu einem Einkaufszentrum aussprachen. Demnach soll das Gelände eine kleinteilige Struktur aus Ateliers, Wohnraum, inhabergeführtem Handel, kulturellen Einrichtungen und Projekten, Gastronomie und öffentlichen Flächen erhalten. Auch soll der Bau zweier inklusiver Schulen als Projekt der Universität Köln einbezogen werden. Im Januar 2013 wurden konkrete Pläne der Grundstückseigentümerin PE Ehrenfeldgürtel GmbH, an der die Bauwens-Gruppe beteiligt ist, bekannt, wonach die Gebäude eines italienischen Feinkosthandels sowie des Design Quartiers Ehrenfeld abgerissen werden sollten.

Der Abriss und die Sanierung der belasteten Böden begann im Februar 2014. Der Musikclub Underground wurde zunächst erhalten, musste aber im Jahr 2017 ebenfalls den geplanten Inklusiven Universitäts-Schulen (IUS) weichen.

Quellen: Wikipedia, helios-haus.de, buergerinitiative-helios.de, rheinische-industriekultur.de, privat

Dokument-Information
Objekt ID: rp-014738
Kategorie: Industrie
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Standort: Köln-Ehrenfeld, Deutschland
Baujahr: 1882
Denkmalschutz: teilweise
Architekt: keine Angabe
Objekt erfasst: 08.05.2014
Objekt erstellt: 14.09.2018
Letzte Änderung: 14.09.2018
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