Haller Waldgrabstätten

Mit einem Erlaß ordnete der preußische König Friedrich II. 1771 an, dass auch Bürgerliche mit eigenem Hausbesitz den Status eines kleinen Grundbesitzers erhielten. Zu den damit verbundenen Privilegien gehörte u.a., sich Privatgrabstätten anlegen zu dürfen. 118 Personen bzw. Familien profitierten in Halle von dem königlichen Erlaß. Von diesen haben nur wenige Privatfriedhöfe bzw. Waldgrabstätten tatsächlich angelegt.

Die heute noch vorhandenen Gräber sind überwiegend an diesem Standort zu finden, einige weitere liegen westlich der Straße der Grabstätten, unterhalb der „Kaffeemühle“. Eine dritte Gräbergruppe wurde nahe der ehemaligen Gaststätte „Grünenwalde“ angelegt. Die erste offizielle Vermessung des vorliegenden Geländes im Jahr 1824 wies zehn Parzellen aus, die als Begräbnisplätze dienten. Heute sind an diesem Standort noch insgesamt 34 Grabmale am Waldhang vorhanden, die mit Grabdenkmälern verschiedener Größe und Qualität geschmückt sind.Neben Stelen sind Kreuze, Säulen, Pyramiden und Grabplatten mit klassischen Stilelementen vertreten.

Fast alle hiesigen Gräber sind aus Teutoburger Sandstein ausgeführt und haben dementsprechend unter der Witterung in den letzten 150 Jahren gelitten. Neben Witterungsschäden sind leider auch Merkmale mutwilliger Zerstörung zu beobachten. Viele der Inschriften sind nicht mehr lesbar, sodass es zuweilen schwerfällt, die Grabstätten eindeutig zuzuweisen. Neben den Grabstätten befindet sich noch ein Pavillon im Wald, also eine Stätte des Ausruhens nach einem Friedhofsbesuch. Lange Zeit wurde das Gebäude fälschlich als Kapelle angesehen.

Quelle: Infotafel

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Dokument erstellt am 22.05.2011
Letzte Änderung am 03.07.2014

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André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.

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