Große Erwartungen nach dem Verkauf der Burgruine Raueneck

Burg Raueneck (Rauheneck) bei Ebern. Foto: Ermell/CC BY-SA 4.0

Ebern-Vorbach (aw). Die Ruine der früheren Amtsburg Burg Rauheneck (heute Burg Raueneck) des Bistums Würzburg in den Haßbergen im unterfränkischen Landkreis Haßberge – auf einem westlichen Bergausläufer des Haubeberges in 428 Meter Höhe – soll aufwendig saniert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Im November des letzten Jahres bewilligte der Kulturausschuss des Landkreises Haßberge den Mitteleinsatz von 550.000 Euro, wobei 115.000 Euro vom Landkreis aufgebracht werden muss. Bis 2006 war das Betreten der stark sanierungsbedürftigen Anlagen wegen akuter Einsturzgefahr streng verboten. Nach einer noch nicht gänzlich abgeschlossenen Notsicherung kann diese aktuell wieder betreten werden.

Ein Großteil der imposanten Summe kommt aus dem Entschädigungsfonds des Freistaats Bayern, diese beträgt stattliche 335.000 Euro. 40.000 Euro werden von der bayerischen Landesstiftung zugesteuert sowie 60.000 Euro der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD). Bis aufs Mark blamiert hatte sich nach einem Bericht der Onlinezeitung „inFranken.de“ der Kreisrat Paul Hümmer (SPD), der gegen diese Maßnahme stimmte und auch noch grob fahrlässig anmerkte, dass man nicht jeden Steinhaufen sichern müsse. Ergänzend merkte der SPD-Politiker an, man könne ja alternativ die Ruine für den Publikumsverkehr sperren. Diese Aussagen zeigen mehr als deutlich, dass Lokalpolitiker in den meisten Fällen nicht viel Ahnung von dem haben, wofür sie von den BürgerInnen gewählt wurden – oder auch nicht!

Die Geschichte der Burg geht entsprechend einer Sage in das frühe 12. Jahrhundert zurück. Die Historie ist sowohl einzigartig wie auch in Großteilen erwähnenswert (siehe weiterer Artikel). Heute betritt man die Anlage an der Ostseite über eine steinerne Bogenbrücke des 16./17. Jahrhunderts (speziell erbaut; Anm. d. Red.). Erhalten von der Substanz sind Teile der eindrucksvollen hussitenzeitlichen Zwingeranlagen mit zwei Rundtürmen und einem Schießerker, die Ruinen des Palas und der spätgotischen Burgkapelle sowie zweier Kellergewölbe. Beim Bau der Brücke wurde einer der beiden Schießerker des Zwingers größtenteils beseitigt. Der erhaltene Erker ist in seinem Bestand akut gefährdet, der linke Teil schon seit Jahrzehnten eingestürzt.

Rechts erheben sich die Ruinen des notgesicherten Palas (13. bis 16. Jahrhundert). Die riesigen Renaissance-Fenster des Obergeschosses bringen ernste denkmalpflegerische Probleme mit sich. Eines der Fenster wurde mit einem Stahlträger unterfangen. Interessant ist eine kleine Kaminanlage in der winzigen Kammer neben der Brücke. Dabei dürfte es sich um die Torwächterstube gehandelt haben. Von der sonstigen Innenbebauung haben sich nur Mauerreste und Kellergewölbe erhalten.
Burgsage der Amtsburg

Auffällig ist laut Joachim Zeune (Burgen im Eberner Land in Eberner Heimatblätter, 2 Hefte. Ebern 2003) die Übereinstimmung der Burgsage von einem vergrabenen Schatz, der nur von einem Sonntagskind gehoben werden kann, mit der nahezu identischen Burgsage der gleichnamigen Burg Rauheneck bei Baden in Niederösterreich. In beiden Überlieferungen wird der Schatz von einem ruhelosen Geist bewacht. Der Schatzsucher muss in einer Wiege geschaukelt worden sein, die aus dem Holz eines auf der Mauerkrone der Burg gewachsenen Kirschbaumes gezimmert wurde. Die Übereinstimmung beider Sagen bemerkte bereits Ludwig Bechstein in seinem Deutschen Sagenbuch von 1853 (Das Kirschbäumchen auf Burg Raueneck, Nr 827). Möglicherweise wurde die Sage im frühen 19. Jahrhundert wegen der Namensgleichheit von der bekannteren Burg Rauheneck im Wienerwald nach Franken übertragen.

Aufgrund von Lehrgrabungen wurden einige durch Raubgrabungen entstandene Gruben verfüllt und ein Teil der hochmittelalterlichen Ringmauer der Kernburg freigelegt. Hierbei kamen ein Rest eines Bodenbelags aus Steinplatten und ein Abtritt zum Vorschein. Die Abortöffnung sitzt in der Mauer, der teilweise erhaltene Kanal führte vor der Errichtung der Zwingeranlage in den Graben. Die anschließende Notsicherung ist noch nicht abgeschlossen. Bis Ende 2006 wurden weitere Konservierungsmaßnahmen am Palas durchgeführt. Hier konnte auch das klaffende Loch im Kellergewölbe geschlossen werden (Ziegelausmauerung). Eines der akut einsturzgefährdeten Renaissancedoppelfenster erhielt einen stützenden Innenrahmen aus Stahl.

Auch das Mauerwerk der freigelegten Ringmauer mit seinem Opus spicatum-Füllwerk wurde bereits gesichert, ebenso die Mauerkronen der Kapelle. Die in jüngster Zeit verlorenen Architekturdetails (Kapelle und Palas, Quermauer zum Burghof) werden aber offenbar nicht rekonstruiert. Zwölf Jahre später ist das Thema wieder aktuell, diesmal allerdings mit einem enormen, finanziellen Aufwand.

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