Geschichten hinter vergessenen Mauern 2

Von André Winternitz – 03. Februar 2013

Am 30. März 2012 hatte der Dokumentarfilm ‚Geschichten hinter vergessenen Mauern – Lost Place Storys aus Leipzig‘ Premiere im sowjetischen Pavillon (wir berichteten). Karten zu den Vorstellungen waren frühzeitig vergriffen. Die Resonanz im Vorfeld, Anschluss und das Medienecho war enorm. Als wir den Regisseur und Projektentwickler Enno Seifried damals fragen, ob er sich eine Fortsetzung vorstellen könne, verneinte er dies. „Als das erste Mal die Frage nach einer Fortsetzung aufkam, hatte ich mich eigentlich dagegen gewehrt“, sagt Seifried, „doch wurde ich den Gedanken auch nicht wieder los“. Umso mehr freut es uns und auch jene, die bereits in den Genuss des ersten Teiles kamen, dass jetzt ein weiterer Teil bestätigt wurde. Neu dieses Mal: Für die Fortsetzung des Films hat die Filmcrew nicht nur in Leipzig, sondern auch im Umland gedreht. „Diesmal haben wir uns auch etwas im Leipziger Umland umgeschaut. Der Großteil der Locations im Film sind dennoch wieder direkt aus der Stadt. Zum Beispiel ist diesmal das Industriekraftwerk Kleinzschocher mit in der Auswahl“, verrät Seifried. In der Fortsetzung sind diesmal nicht ganz so viele Lost Places zu sehen, wie im Ersten – auch ruhiger geht es zu, dafür aber viel sensibler. „Noch ist der Film nicht ganz fertig, eine Szene muss noch komplett gedreht werden und hier und da fehlen noch Bilder sowie die Titelanimation. Doch mit der Deadline am 12. April sollte das zu schaffen sein“, scherzt Seifried.

Auch in der Fortsetzung von ‚GHVM‘ hat die Filmcrew von der Konzeption über die Dreharbeiten bis zur Postproduktion erneut aus reiner Leidenschaft gearbeitet und ein 90-minütiges Zeitdokument produziert. Nahezu das komplette Team war und ist wieder mit von der Partie. Nina Maria Föhr wird das Werk wieder gekonnt und sympathisch als Erzählerin begleiten. „Nina ist eine der begeisterungsfähigsten Menschen, die ich kenne. Hätte sie „nein“ gesagt, hätte ich sie gefragt, ob sie sich nicht wohlfühlt. Nina arbeitet ständig an irgendwelchen Projekten, ist als Schauspielerin am Theater zu sehen, oder gibt Workshops für den interessierten Nachwuchs. Keine Ahnung, wie sie das macht, aber sie macht viel und ich freue mich natürlich, dass sie sich die Zeit genommen hat und dem Film auch diesmal ihre Stimme leiht“, erzählt Seifried. Auch die Zeitzeugen und Interviewpartner musten nicht lange überzeugt werden. „Hier und da gab es natürlich immer mal wieder jemanden, dem das Thema zu heikel war, oder der auf unsere Anfrage gar nicht erst reagiert hat. Aber das ist normal, denke ich“, verrät der Regisseur.

Um den Film autark gestalten zu können, wurde auf jegliche Finanzierungshilfe im Vorfeld verzichtet. Die Einnahmen vom DVD-Verkauf, von Kino- und Eventveranstaltungen des ersten Teils sind in neues Equipment geflossen, um den zweiten Teil in verbesserter Qualität produzieren zu können. Auch für die Fortsetzung bauen die „Macher“ wieder auf eine Crowdfunding-Aktion der ‚Vision Bakery‘. Interessierte wählen aus zwölf Unterstützerpaketen aus und „spenden“ einen zugehörigen Beitrag. Als Finanzierungssumme wurde von der Filmcrew 6.000 Euro angesetzt. Sollte das Filmprojekt bis zum 22. März 2013 finanziert sein, findet am 12. April 2013 eine Filmpremiere im „KulturKino Zwenkau“ auf einer 9 mal 6 Meter großen Leinwand statt. Geplant ist eine Filmpremiere mit anschließender Party zu der die Macher, die Protagonisten des Films und die Unterstützer des Filmprojektes und des ‚kulturinitiative zwenkau e.V.‘ eingeladen sind.

Des Weiteren gibt es am 11., 13. und 14. April 2013 Vorführungen des ersten Teils von ‚GHVM‘. Ebenfalls am 13. und 14. April 2013 wird es neben der Premiere zwei weitere Vorführungen des neuen Films „Geschichten hinter vergessenen Mauern – Fortsetzung“ geben. Die Karten für alle Veranstaltungen werden bis zur Beendigung der Aktion nur über die ‚VisionBakery‘, im Rahmen der Unterstützung erhältlich sein. Wird das Projekt nicht finanziert, werden die Premiere und alle weiteren Veranstaltungen abgesagt. Bisher sieht es für die Vorstellungen jedoch mehr als nur gut aus: Bereits am dritten Tag waren 93% des Projektes finanziert, mehr als 142 Unterstützer haben dafür gesorgt. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, sagt Seifried, „es ist einfach nur spitze, wie schnell das alles geht und bedanke mich.“

Die Wahl der Location für die Premiere und die Folgevorstellungen fiel in diesem Jahr wieder auf eine echte Perle. Im Juli 1990 wurde das ehemalige Kulturhaus im Süden von Leipzig geschlossen und das Gebäude sich selbst überlassen. So verfiel das Haus innen wie außen zunehmend. Die Stadt Zwenkau, suchte ohne Erfolg einem Träger, der den Betrieb des Kulturhauses sichern sollte, bis schließlich ein Abrissantrag gestellt und genehmigt wurde. Zu diesem Zeitpunkt wurde die ‚kulturinitiative zwenkau e.V.‘ ins Leben gerufen. Diese bemühte sich um ein Konzept zur Wiedereröffnung und die Verhinderung des Abrisses. Seit Ende 2003 ist sie Eigentümer und Betreiber des Hauses und saniert dieses in den Schritten, welche die Finanzsituation gerade zulässt. Seitdem ist viel Schweiß geflossen und Schritt für Schritt entsteht ein neues Zuhause für die Zwenkauer Kulturbewegung.

Wer den Film unterstützen möchte, unterstützt gleich doppelt: Die ‚kulturinitiative zwenkau e.V.‘ ist stetig auf neue Mittel, Spenden und finanzielle Unterstützung angewiesen, um das Gebäude instand zu halten und denkmalgerecht zu sanieren. Aus diesem Grund hat sich das Team von ‚GHVM‘ nicht nur entschieden, dort die Filmpremiere zu veranstalten, sondern der ‚kulturinitiative zwenkau e.V.‘ 1.000 Euro aus dem Erlös dieser VisionBakery-Aktion zukommen zu lassen. Sollte diese Unterstützungsaktion mit über 100% finanziert werden, überlassen wir dem ‚kulturinitiative zwenkau e.V.‘ 20% des gesamten Ertrags. Der Enthusiasmus solch beeindruckende Bauwerke vor dem Verfall zu bewahren und als Kulturstätte zu betreiben hat Aufmerksamkeit und Unterstützung verdient. Somit ist jeder Cent, der in die Unterstützung des Films investiert wird, auch eine Unterstützung für den ‚kulturinitiative zwenkau e.V.‘ und einen ehemaligen Lost Place.

Links

www.lost-place-le.de
www.kulturkino-zwenkau.de

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André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.

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