„Gereja Ayam“ – Skurrile Kirchenruine im Nirgendwo

Foto: Screenshot Youtube/AzzaTwirre

Gotteshäuser finden sich auf der ganzen Welt. Kleine und schlichte Gebäude bis hin zu imposanten, architektonisch pompösen Prunktempeln für die glaubenstreue Gemeinde. Es gibt allerdings auch eine Kirche, die so ganz anders ist, als alle anderen heiligen Bauten. Auf der Insel Java – der Hauptinsel Indonesiens, irgendwo in den fruchtbaren Wäldern des Kedu-Beckens und zu Magelang gehörend, nahe der 1991 zum Unesco-Welterbe erklärten Borobudur-Pyramide, findet sich eine verfallene Kirche, die nicht nur bei der Erbauung im muslimischen Land für reichlich Gesprächsstoff sorgte, sondern auch aufgrund ihrer Bauweise seinesgleichen sucht.

Wandert man durch das Kedu-Becken auf schmalen Pfaden, gelangt man irgendwann an einen Hügel, auf dem ein Gebäude in Form eines überdimensionalen Flügeltiers thront. Dieses erinnert unweigerlich an ein Huhn, aus diesem Grund nennen es die Einheimischen auch „Gereja Ayam“, zu Deutsch „Huhnkirche“. Und in der Tat: Das „tierisch“ sakrale Gebäude wirkt mit seinem vorderen Turm, der durch seinen Kopf mit weit geöffnetem roten Schnabel und Zackenkrone bestückt sowie am hinteren Ende mit einem sichelförmigen Federkranz versehen ist, wie ein Hahn. In der Mitte ist in das Dach ein Kreuz gestanzt.

Foto: Screenshot Youtube/AzzaTwirre
Foto: Screenshot Youtube/AzzaTwirre

Der Schöpfer des Gebäudes hatte jedoch vor 25 Jahren, da wurde die „Chicken Church“ – wie sie in englischsprachigen Medien genannt wird, erbaut – weder eine christlich genutzte Kirche noch ein huhnartiges Ensemble im Kopf. Daniel Alamsjah – so heißt der heute 67-Jährige Erbauer, hatte nach eigenen Angaben im Jahr 1989 beim traditionellen Gebet eine göttliche Eingebung, die ihm sagte, ein Gebetshaus in Form einer Taube zu errichten. In dieser Eingebung – die Alamsjah wie eine Offenbarung beschriebt, hatte er einen Ort entdeckt, der identisch zu dem war, wie jener aus seiner Vision.

Dieser Ort, genauer das Grundstück mit einer Größe von 3.000 Quadratmetern wurde dem Einheimischen für etwa 150 Euro angeboten – ein Schnäppchenpreis in unseren Gefilden. Doch Alamsjah konnte den Kaufpreis nicht aufbringen, noch hatte er die finanziellen Mittel, ein Gotteshaus auf Selbigem zu errichten. Ihm wurde eine Ratenzahlung von vier Jahren angeboten und er griff zu. Nach der Tilgung der letzten Rate begann Alamsjah zu bauen. Unterstützt wurde er von etwa 30 Einheimischen, die glaubten, der Bauherr würde aufgrund seines christlichen Glaubens eine Kirche bauen. Doch eine Kirche hatte Alamsjah nicht im Sinn – gegenüber dem indonesischen „Jakarta Globe“ erklärte er, es sollte vielmehr ein Gebetshaus werden – für alle die an Gott glauben, egal welcher Religion sie sich zugehörig sahen.

Über die Jahre kamen sieben Nationalitäten an diesem Ort zusammen und beteten gemeinsam, Christen wie Muslime. Das huhnartige Gebetshaus wurde aber auch zu einem Mittelpunkt für kranke und drogensüchtige Menschen oder jene, mit Drogenproblemen. Aus Kostengründen wurde das Gebetshaus jedoch nie fertiggestellt, musste im Jahr 2000 sogar die Türen für immer schließen. Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit und des Klimas in dieser Region reichten wenige Jahre aus, um aus dem Gebäude ein skurriles Ensemble zu formen, verfallen und zugewuchert. Im Inneren bröckelt nicht nur der Putz, von den ehemals acht Säulen stehen aktuell nur noch vier. In die unteren Räume, die als Bade- und Schlafzimmer dienten, sind Fledermäuse eingezogen.

Heute möchte Alamsjah das Grundstück samt „Chicken Church“ verkaufen. Ein Investor aus Singapur zeigt daran großes Interesse, möchte aus dem ehemaligen Gebetshaus eine Villa mit Therapiezentrum formen. Bis dahin verfällt das einzigartige Bauwerk weiter, ein Kollaps ist nur noch eine Frage der Zeit. Aus diesem Grund sollte sich schnellstmöglich ein Samariter finden, der seine rettende Hand schützend ausbreitet und das Gebäude wachküsst. (aw)