Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus ist gerettet

Das Gefängnis im Jahr 2013. Foto: Tourist Cottbus/CC BY-SA 3.0

In diesen Tagen überreichte Kulturstaatssekretär Martin Gorholt dem Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. (MRZ) den Zuwendungsbescheid zunächst über eine Summe in Höhe von 312.000 Euro, mit dem die Unterstützung des Bundes, des Landes Brandenburg und der Stadt Cottbus für die Jahre 2015 und 2016 im Rahmen einer Projektförderung gewährleistet wird. Das Land Brandenburg wird im kommenden Jahr um 100.000 Euro die Summe erhöhen. Hinzu kommt die Förderung durch die Stadt Cottbus über 50.000 Euro.

„Insgesamt bekommt das MRZ für diesen Zeitraum 463.000 Euro aus öffentlicher Förderung, womit fünf Personalstellen gesichert sind. Wir sind unseren Unterstützern von Bund, Land und Stadt Cottbus für die Förderung sehr dankbar. Lange hat es danach ausgesehen, als hätten wir zu Beginn dieses Jahres schließen müssen. Auch wenn allerdings die Fördersumme hoch ist, muss der Verein zusätzlich im gleichen Zeitraum den Löwenanteil der Kosten tragen. Denn für eine weitere Personalstelle und die gesamten Betriebskosten muss das MRZ 280.000 Euro aus Spenden, Verkäufen und Mieteinnahmen aufbringen. Die gesamten Mittel reichen allerdings immer noch nicht aus, um eine ausgebildete Fachkraft für Finanzen zu finanzieren. Unser Schatzmeister muss diese Aufgabe weiterhin ehrenamtlich ausüben, was eine sehr hohe Verantwortung ist, da wir mittlerweile Millionen bewegen“, erklärt der Vorsitzende des Vereins, der ehemalige Häftling und Vizepräsident des Brandenburgischen Landtages, Dieter Dombrowski.

Der Verein Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. gründete sich 2007. Er ist Eigentümer des Gefängnisareals mit 22.000 Quadratmetern an der Bautzener Straße in Cottbus. Dass ehemalige politische Häftlinge ihr eigenes Gefängnis kauften, ist einmalig in der Gedenkstättenlandschaft. Dass sie es sanieren und als Gedenkstätte betreiben, stellt eine weitere Besonderheit dar. In dem kurzen Zeitraum von acht Jahren sind sowohl das Hafthaus 1 saniert und zur Gedenkstätte umgewandelt als auch die Ausstellung „Karierte Wolken – politische Haft im Zuchthaus Cottbus 1933 – 1989“ in eigener Regie entwickelt worden.

Die Arbeit der Gedenkstätte weckte bei bei den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt, bei Besuchern aus allen Teilen der Republik und inzwischen auch aus vielen europäischen Ländern großes Interesse. Die Auseinandersetzung mit den Folgen der zwei deutschen Diktaturen genießt bei interessierten Besuchern wie auch in der Fachöffentlichkeit hohe Anerkennung. Besondere Aufmerksamkeit erhalten die pädagogischen Angebote der Gedenkstätte von Schulen. Denn es wird mit interaktiven und modernen erlebnisorientierten Methoden nicht nur auf das hier erlittene Leid hingewiesen.

Gleichwohl ist es das Ziel, die Besucher auf ihre eigenen Menschenrechte aufmerksam zu machen und Verständnis für Verfolgte in anderen Teilen der Welt heute zu wecken. „Das, was uns allerdings von anderen Gedenkstätten unterscheidet, ist, dass die ehemaligen Häftlinge nicht nur ihre persönliche Handschrift in dem ehemaligen Unrechtsort durch ihre aktive Mitwirkung hinterlassen. Sie fühlen sich hier herzlich willkommen und wie „zuhause“, wie sie vielfach sagen. Dieser Ort hat seinen Schrecken für sie verloren, denn es wird vielfach gemeinsam gekocht, gefeiert und ein Glas Wein auf die neuen Zeiten und die Freiheit getrunken“, konstatiert die Gedenkstättenleiterin, Sylvia Wähling.

Im Jahr 2014 wurde – in Kooperation mit dem Staatstheater Cottbus – Beethovens Freiheitsoper „Fidelio“ vor der Naturkulisse, an dem authentischen Ort der Gedenkstätte vor mehr als 8.000 Besuchern aufgeführt. Nur wenige Monate später am 7. November – 25 Jahre nach dem Zusammenbruch des politischen Unrechtssystems der DDR – feierten das Parlament und die Landesregierung Brandenburgs gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern den Fall der Mauer in der Pentacon-Halle der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus, wo einst Häftlinge unter schwierigen und inhumanen Arbeitsbedingungen für billiges Geld Fotokameras für den Westen produzieren mussten.

Damit diese einzigartige Gedenk-, Bildungs- und Begegnungsstätte mit ihren vielfältigen Aufgaben und Angeboten und darüber hinaus den dringend zu realisierenden Forschungsvorhaben Fortbestand haben kann, haben sich in den vergangenen Monaten bundesweit Tausende von Menschen mit ihrer Unterschrift und Briefen an die Politiker eingesetzt. Unter ihnen waren sogar ehemalige Bedienstete der DDR-Strafvollzugseinrichtung. Für diesen Einsatz ist der Verein sehr dankbar, denn er hat sich gelohnt. Die heutige persönliche Übergabe des Zuwendungsbescheides durch Staatssekretär Martin Gorholt ist ein Zeichen der hohen Anerkennung der Arbeit der Gedenkstätte nicht nur durch Besucher, Häftlinge und einen Großteil der Fachwelt, sondern auch durch die Politik.

www.menschenrechtszentrum-cottbus.de

1 Kommentar

  1. GOTT sei Dank,ist dieser Ort als Mahnstätte,was Sozialismus hinter seiner Maske ist,zur politischen Bildung
    als Anschauungsunterricht für die ältere,vor allem aber für die jüngere Generation,erhalten worden.Wie soll
    ein junger Mensch sonst erfahren,was die DDR in Wirklichkeit war,wenn sie von den „Mitmachervorfahren“
    desinformiert werden und das Tuch des Vergessens und Schweigens,über diese Seite der DDR Geschichte
    als Antwort auf Fragen bekommen.Cottbus war ein Ort der GOTTlosigkeit vom SED-Staat,den die LINKE
    heute noch hofiert.

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