Gedenkstätte Untersuchungshaftanstalt des MfS Dresden

Foto: Wikimedia Commons/Heinz-Josef Lücking/CC BY-SA 3.0

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges richtete der sowjetische Geheimdienst ein Untersuchungsgefängnis im sogenannten Heidehof im Nordosten Dresdens ein. Tausende echte wie vermeintliche Nazi- und Kriegsverbrecher sowie Menschen, die dem neuen Regime in der SBZ kritisch gegenüberstanden, wurden hier durch ein Militärgericht der Besatzungsmacht zum Tode oder zur Arbeit im sowjetischen Gulag verurteilt. Andere wurden ohne Urteil in die Speziallager auf dem Gebiet der SBZ interniert.

Nachdem das MfS das Gelände im Oktober 1953 von den sowjetischen Organen übernommen hatte, ließ es zwischen 1953 und 1954 ein neues Hafthaus errichten. Darin saßen bis 1989 zwischen 12.000 und 15.000 DDR-Bürger, die der SED gegenüber kritisch eingestellt waren oder Versuche der sogenannten Republikflucht unternommen hatten, in Untersuchungshaft und waren menschenunwürdigen Verhören und Haftbedingungen ausgesetzt.

Am 5. Dezember 1989, vier Wochen nach dem Fall der Berliner Mauer, besetzten Demonstranten den Gebäudekomplex ohne Gewalteinwirkung und stoppten die zuvor begonnene Zerstörung der Stasi-Unterlagen aus der Bezirksverwaltung und den MfS-Kreisdienststellen. Neben den vorgefundenen Materialien sicherten sie auch das Inventar. Infolge der Besetzung wurden die Zellen mit den politischen Häftlingen geräumt.

In den Gefängniszellen, die durch den Machtwechsel im Gebäude in ihrem damaligen Zustand erhalten blieben, lagerten anschließend die un- oder teilzerstörten Akten. Sie waren dadurch vor weiteren Zerstörungen und dem Zugriff durch Unbefugte geschützt. Nach der Deutschen Wiedervereinigung 1990 bezog die Dresdner Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU) den Gebäudekomplex und begann mit der Auswertung der Stasi-Unterlagen. Die Behörde zog im Sommer 1993 an die Riesaer Straße nach Pieschen um.

Seit 1996 steht das Hafthaus unter Denkmalschutz. Der neugegründete Trägerverein „Erkenntnis durch Erinnerung“ und die Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft begannen 1997 mit der Erschließung der Anlage für die Öffentlichkeit und der dauerhaften Einrichtung einer Gedenkstätte.

Zwischen März und Juni 2006 erfolgte der Abbruch eines Teils der Gebäude an der Straßenfront. Ein siebengeschossiger Plattenbau vom Typ WBS 70 sowie ein ehemaliges Wachgebäude mussten der vorgesehenen Anbindung der Waldschlößchenbrücke an die Bautzner Straße weichen.

Von März 2007 bis Februar 2008 wurde das Hafthaus unter den Auflagen des Denkmalschutzes saniert und weitestgehend im Original erhalten. Die frühere Haftküche wurde zur Cafeteria umgebaut und es wurden Ausstellungsflächen geschaffen. Im Zuge der Erweiterung der Gedenkstätte im Mai 2014 wurde eine Informations- und Beratungsstelle des BStU im Haus der Gedenkstätte eingerichtet.

Gedenkstätte Untersuchungshaftanstalt des MfS Dresden
Bautzner Straße 112a, 01099 Dresden
www.bautzner-strasse-dresden.de

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André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.

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