Fotoausstellung: Sechste urbEXPO zeigte erstmalig Bilderserien

Roswitha Schmid und Olaf Rauch, Veranstalter der urbEXPO in Bochum. Foto: André Winternitz

Bochum (aw). Vom 26. August bis zum 10. September war die diesjährige, sechste urbEXPO in den Kellern des Bochumer Schlegel-Hauses zu sehen. Fotografen aus Deutschland, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz präsentierten zeitgenössische Fotografien zum Thema „Ästhetik des Verfalls“. Erstmals wurden in diesem Jahr keine Einzelbilder, sondern ausschließlich Bilderserien zu entsprechenden, verfallenden Bauwerken der Teilnehmer gezeigt. Dabei bezog sich die Definition des Serienbegriffs auf die jeweilige Interpretation des Themas der Fotografen. „Die Entscheidung, ausschließlich Serien zu zeigen, war in mehrfacher Hinsicht gut und sinnvoll. Denn die einzelnen Arbeiten der jeweiligen Teilnehmer sind als Ganzes in sich geschlossener und nicht nur eine Tüte Buntes“, sagt Veranstalter Olaf Rauch gegenüber rottenplaces.de.

Eröffnet wurde die Fotoausstellung in der gegenüberliegenden Christuskirche, Pfarrer Thomas Wessel unterstützt die Ausstellungsmacher Olaf Rauch und Roswitha Schmid seit dem Wechsel von der Rotunde in die Schlegel-Keller. Letztere Location hat seinen eigenen Charme und ist außerhalb der urbEXPO für Öffentlichkeit nicht zugänglich. Diesjährig wurde auf Staffeleien komplett verzichtet, was die Ausstellungsfläche voluminöser und übersichtlicher machte – für Bildserien also optimal. Als äußerst informativ wurden auch die begleitenden Texte zu jeder Serie bewertet. „Durch die begleitenden Texte erhält die Ausstellung eine zusätzliche Ebene und spiegelt nicht nur die Bildsprache der Fotografen wider, sondern auch deren konzeptioneller Ansatz“, so Rauch.

Mehrwert für die Stadt Bochum

Die urbEXPO hat auf jeden Fall – schon bedingt durch den extravaganten Veranstaltungsort, einen gesonderten Status. Gegenüber der Christuskirche führt eine schmale Treppe hinunter in die Keller jener Brauerei, die wie keine andere so prägend für das Zentrum des mittleren Ruhrgebiets steht. Der Besucher taucht ein, in eine skurrile Kulisse, bestehend aus nostalgischen Fliesen, vernachlässigtem Interieur und ermatteten Rohrsystemen – kurzum einer idealen Umgebung. Für die Stadt Bochum ist die jährliche Fotoausstellung klar ein Mehrwert. „Die urbEXPO und sein Ausstellungsformat ist quasi ein Alleinstellungsmerkmal für die Stadt Bochum, auf das wir alle stolz sein dürfen“, schrieb Bernhard Szafranek, Leiter des Kulturbüros der Stadt Bochum in seinem Grußwort zur Veranstaltung.

Rund 600 interessierte Besucher zog es in diesem Jahr in die Schlegel-Keller. Interessierte, die Fremdarbeiten mit der eigenen Sichtweise vergleichen, lebhaft diskutierten, aber auch einfach nur die Schönheit des Verfalls erleben wollten. Gleichzeitig gab es auch zahlreiche Fragen zum Umgang mit Einsendungen möglicher Bewerber und den Auswahlkriterien der urbEXPO-Verantwortlichen. Veranstalter Rauch erklärt dazu, dass nach der Bewerbungsphase alle eingereichten Fotoserien in Verbindung mit den erläuternden Texten gesichtet wurden. In dieser ersten Runde hatte man alle Bewerbungen aussortiert, deren Bilder gravierende technische Mängel zeigten und/oder die Serienbeschreibung gänzlich fehlte oder in Verbindung mit den Bildern nicht schlüssig war.

Im Rahmen dieser ersten Sichtungsrunde hat jeder der urbEXPO-Verantwortlichen unabhängig erste Favoriten ermittelt, die in einer Zwischenrunde diskutiert und ausgewählt wurden. „Mit diesen Serien entstand ein Grundgerüst für die Ausstellung, das wir dann durch Serien mit anderen Bildsprachen, Themen und Objekttypen ergänzt haben, um in der Ausstellung eine möglichst weite Bandbreite an Bildsprachen, Themen um nicht zuletzt Herangehensweisen an den Serienbegriff zu präsentieren“, so Rauch. Rauch ist sich sicher, dass der Seriengedanke sicherlich einige potenzielle Bewerber abgeschreckt hat, weil sie vermutlich nicht über genügend qualitativ hochwertiges Material für die Bewerbung als Serie verfügten. Dadurch hatte man aber mit etwa 50 Bewerbungen auch weniger Arbeit bei der Auswahl.

Fazit zur diesjährigen urbEXPO

Ein persönliches Fazit möchte Rauch wenige Tage nach der Finissage nicht ziehen. „Die diesjährige urbEXPO ist nicht einmal wenige Wochen vorüber – da ist eigentlich noch nicht der Zeitpunkt für ein abschließendes Fazit. Eingehende Analysen und Strategien für die Zukunft liegen noch vor uns“, erklärt Rauch. Wie Rauch weiter berichtet, sind sowohl die Besucherzahlen als auch die Merchandise-Umsätze gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgegangen. Die Resonanz der Besucher auf die Ausstellung sei aber nochmals positiver ausgefallen. Für den Veranstalter ist insbesondere der Wechsel auf Bildserien als Gewinn für die urbEXPO zu betrachten und wird sicherlich fester Bestandteil für die Zukunft sein.

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