Förderung für das Heiligen-Geist-Hospital

Das 1286 erbaute Heiligen-Geist-Hospital am Koberg in Lübeck ist eine der ältesten bestehenden Sozialeinrichtungen der Welt und eines der bedeutendsten Bauwerke der Stadt. Es steht in der Tradition der Heilig-Geist-Spitäler nach dem Vorbild von Santo Spirito in Sassia in Rom oder dem Hospital Biloke in Gent. In Lübeck wurde das Spital vom Rat der Stadt als bürgerliche Einrichtung gegründet, die durch ihre repräsentative Lage am Koberg und die ungewöhnliche Gestalt das Selbstbewusstsein der reichen Bürger gegenüber dem kirchlichen Machtanspruch eindrucksvoll dokumentiert. Als Baumaterial diente hier wie bei den zeitgleich errichteten bedeutenden Kirchen der Backstein. Auf Grund seiner Formensprache und der Verwendung des frühgotischen Viertelstabs, der Kämpferornamentik der drei Hauptportale und der Gewändebildung des Mittelportals muss das Gebäude bereits seit den 1260er Jahren errichtet worden sein. Der Dachstuhl lässt sich dendrochronologisch auf 1284/85 datieren.

Der umfangreiche Gebäudekomplex besteht aus der dreischiffigen Hospitalkirche und dem langgestreckten einschiffigen Saal der Hospitaliten, dem sogenannten Langen Haus. Beide bilden eine T-förmige Anlage. Sie wird komplementiert durch Nebengebäude um einen Binnenhof im nördlichen Winkel zwischen Kirchen- und Saaltrakt mit zwei einbezogenen Bürgerhäusern. Die dreigiebelige Front der Kirche beherrscht breit und machtvoll den Koberg. Sie wird zusammengebunden und überragt durch die achteckigen Stifttürme, die allerdings nicht ursprünglich sind.

Das Innere des Kirchenteils, das von 1895 bis 1899 durchgreifend restauriert wurde, stellt mit den Wandmalereien und seiner Ausstattung einen geschlossenen mittelalterlichen Zusammenhang dar. Die wertvolle Ausstattung ist weitgehend erhalten. Das Lange Haus, der 88 Meter lange Saal der Hospitaliten, wird in seiner mächtigen Raumwirkung durch eine luftige Deckenkonstruktion gesteigert. Wesentliche Teile der Konstruktion sind wohl hochmittelalterlich. Die Längswände sind durch Spitzbogenfenster rhythmisiert. Die heutigen hölzernen Hospitalitenkammern wurden um 1820 eingebaut. Das Raumensemble wird komplementiert durch die Dornse, heute Archiv, das 1606 eingerichtete Herrenzimmer, die Männerstube, diverse Nebengebäude und den ehemaligen Hospitalfriedhof. Das Gebäude gehört zu den herausragenden Bauwerken des Weltkulturerbes Hansestadt Lübeck.

Für die Sanierung der Westfassade des Hospitals stellt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) einen Fördervertrag in Höhe von 60.000 Euro zur Verfügung. Das Hospital erhält neben den Mitteln der DSD auch weitere Unterstützung durch die Possehl-Stiftung, die Sparkassenstiftung Lübeck und den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Foto: Marie-Luise-Preiss/Deutsche Stiftung Denkmalschutz

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