Flugplatz Sperenberg

Der Flugplatz Sperenberg war bis 1994 ein sowjetischer Militärflugplatz in Sperenberg, auf dem große Flugzeuge wie zum Beispiel die Truppentransporter IL-76 und AN-22 operierten und den Abzug der Westgruppe der Streitkräfte sicherstellten. Er galt zeitweise als potenzieller Standort für den Flughafen Berlin Brandenburg. Das Funkrufzeichen für den Flugplatz Sperenberg lautete in den 1960er Jahren „KJUWET“ (Straßenrinne), ab den 1970er Jahren „SOUVENIR“. Entgegen der landläufigen Meinung befand sich auf dem Gelände nicht von Anfang an ein Flugplatz, auch nicht zu Wehrmachtszeiten. Das Gelände des Flugplatzes gehörte ursprünglich zur Heeresversuchsanstalt Kummersdorf, wo bereits von 1870 an militärische Mittel auf ihre Nutzbarkeit untersucht und geprüft wurden. Bis zum Zweiten Weltkrieg war hier eine Ausbildungsstelle der Eisenbahnpioniere. Davon zeugen zahlreiche Brücken- und Schienenreste sowie ein Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallen Eisenbahnpioniere auf dem Gelände. Während des Zweiten Weltkrieges war hier unter anderem die Deutsche Raketenversuchsanstalt unter Wernher von Braun untergebracht, bevor diese nach Peenemünde umzog.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die umfangreiche Nutzung des Geländes weitgehend eingestellt. Die Sowjetarmee war in den 1950er Jahren auf der Suche nach einem Flugplatz zur ausschließlich militärischen Nutzung. Es gab eine Untersuchung von möglichen Standorten in Drewitz, Rangsdorf und Sperenberg. Nach intensivem Streit mit der DDR um die Finanzierung wurde dann schließlich, nachdem man sich auf die Teilung der Kosten geeinigt hatte, ab 1958 auf dem Areal von der DDR ein Flugplatz errichtet, um den bereits existenten, größeren Flughafen Berlin-Schönefeld vom militärischen Luftverkehr zu entlasten und ausschließlich zur zivilen Nutzung zu verwenden.

Sperenberg war als Standort für die Rote Armee gut geeignet. Durch die lange Geschichte als Truppenstandort konnten bereits vorhandene Gebäude wie Kasernen, Garagen und Versorgungsgebäude genutzt werden. Im Laufe der Zeit entwickelte sich das Gelände zu einer eigenen sowjetischen Stadt auf dem Boden der DDR. Es befanden sich hier eine Schule sowie Kindergärten für die Kinder der Soldaten, Großbäckerei, Geschäfte, ein Kino, Krankenhäuser und weitere Einrichtungen. Es bestand eine eigene, tägliche Zuganbindung sowohl nach Potsdam als auch nach Moskau. Zu Spitzenzeiten waren hier über 5000 Soldaten und Zivilisten stationiert. Die Rote Armee nutzte Sperenberg intensiv. Es waren auf dem Flugplatz sowohl Transport- und Passagierflugzeuge, als auch Aufklärungs- und Verbindungshubschrauber stationiert.
Hauptnutzer war das 226. Selbst. Gemischte Fliegerregiment (226. OSAP) das zuletzt mit verschiedenen Versionen der An-12, An-24 und An-26 sowie Mi-8 und Tu-134A ausgerüstet war. Hinzu kam die zeitweise auf dem Flugplatz stationierte 113. Selbst. Hubschrauberstaffel (113. OWE) mit Mi-6, Mi-8 und Mi-24. Bei der dritten dort stationierten Fliegereinheit handelte es sich um die 39. Selbst. Fliegerabteilung für den Funkelektronischen Kampf (39. OAO REB) die über Il-20 und auch IL-22 verfügte. In der Kaserne befand sich das Ausbildungszentrum „Elektron“, hier wurden auch Jägerleitoffiziere der Luftverteidigung der Nationalen Volksarmee ausgebildet.

Sämtliche auf dem Flugplatz stationierten Einheiten waren der 16. Luftarmee wie auch dem Stab der Sowjetischen Streitkräfte in Wünsdorf direkt unterstellt und handelten in deren Interesse. Zusätzlich galt der Flugplatz als Tor zur Heimat, täglich fanden Post-, Kurier- und Verbindungflüge zu verschiedenen Moskauer Militärflugplätzen statt. In den letzten Jahren wurden hierzu regelmäßig Tu-154, bei größeren Passagieraufkommen auch IL-62 verwendet. Im Anschluss an den täglichen sog. „Postflug“ folgten Flüge zu den der 16. Luftarmee unterstellten Divisionstäben, hier kamen An-2 und Mi-8 zur Verwendung. Dieses Verfahren wiederholte sich täglich. In der Schlussphase des Abzuges der Westgruppe der Streitkräfte diente der Flugplatz Sperenberg als Hauptbasis für Transportflüge. In den letzten Wochen des Abzuges stand für die Russischen Streitkräfte ausschließlich dieser Flugplatz zur Verfügung und auch wurden im großen Umfang Transportflugzeuge IL-76, An-22 und An-124 eingesetzt. Die Flüge endeten Anfang September 1994.

Als potenzieller Standort für das Projekt Flughafen Berlin Brandenburg erhielt der Flugplatz Sperenberg Anfang der 1990er Jahre bis 1995 nationale Aufmerksamkeit. Während Befürworter in den damaligen Diskussionen besonders die bereits vorhandene Infrastruktur sowie die versteckte Waldlage und damit verbundene geringe Lärmbelästigung unterstrichen, sahen Kritiker eine zu große Entfernung zur Hauptstadt als Negativkriterium. Ein Argument gegen Sperenberg war auch der Ausbau des Flughafens Halle-Leipzig. Mit ICE-Anbindung aus dem Berliner Raum wären beide Flughäfen stark in Konkurrenz getreten. So bleibt die Nähe von Schönefeld zu Berlin ein Standortvorteil des neuen Großflughafens.

Obwohl die in Auftrag gegebenen Gutachten – hier vor allem die sehr umfangreiche Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) im Rahmen des Raumordnungsverfahrens – eindeutig, das heißt für alle untersuchten Schutzgüter, zu dem Ergebnis kamen, dass der Flugplatz Sperenberg der mit Abstand am besten geeignete Standort für den neuen Großflughafen sei (so wäre z. B. am Standort Sperenberg im Vergleich zu Schönefeld nur mit einem Bruchteil der Fluglärmbelastung der lokalen Bevölkerung zu rechnen gewesen), entschied sich die Politik letztendlich für den Flughafen Schönefeld als zukünftigen Standort.

Wegen der Pannen beim Bau, der mehrfach verschobenen Eröffnung und der nunmehr gewonnenen Erkenntnis, dass der Flughafen BER am Standort Schönefeld zu klein dimensioniert wurde und bald nach Eröffnung an seine Kapazitätsgrenze stoßen soll, wird aktuell (2012/2013) immer häufiger Sperenberg als „späterer“ Standort des internationalen Berlin-Brandenburger Flughafens in Gespräch gebracht, wie zum Beispiel von Ex-Ministerpräsident Stolpe oder der damaligen brandenburgischen CDU-Vorsitzenden Saskia Ludwig.

Der Flugplatz sowie das umliegende Gelände, ein insgesamt rund 24 km² großes Areal, befanden sich bis 2009 im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland, seit 2009 im Eigentum des Landes Brandenburg und werden derzeit weitgehend nicht genutzt. Sämtliche Gebäude und Installationen sind dem Verfall preisgegeben. Auf der Haupt-Start- und Landebahn werden zurzeit verschiedene Bodenbeläge aufgebracht und Schallschutzwände von diversen Fakultäten getestet. Eine Rollbahn wird von TÜV und Dekra als Versuchsstrecke für Crash-Tests genutzt.

Im Jahr 2009 ging der gesamte Militärstandort Sperenberg in Eigentum des Landes Brandenburg über. In der Schlußrechnung des Landes Brandenburg über das WGT-Liegenschaftsvermögen gemäß § 8 Abs. 2 WGT-LVG zum 31. Dezember 2007 werden der Verkehrswert mit 8.750.000 Euro und sonstige Erlöse aus der Liegenschaft mit 500.000 Euro angegeben. Dem stehen Kosten für verwertungsvorbereitenden Rückbau mit 24.000.000 Euro, Altlastensanierung mit 11.258.000 Euro, Entwicklungs- und Vermarktungskosten mit 3.000.000 Euro und Verwaltungsaufwendungen mit 7.013.000 Euro gegenüber. Die veranschlagte Gesamtsumme der Aufwendungen beträgt 45.271.000 Euro. Abzüglich der Einnahmen von 9.250.000 Euro muss das Land für die Überführung des Geländes in eine zivile Nutzung 36.021.000 Euro aufbringen.

Quelle: Wikipedia

Dokumenten Information
Copyright © rottenplaces 2014
Dokument erstellt am 29.10.2014
Letzte Änderung am 29.10.2014

3 Kommentare

  1. Mutig bis leicht verrückt den Flughafen zu betreten da sehr stark munitionsverseucht und auch kerosin noch heute lagert. ich rate definitv davon ab dort hinzugehen.selbst als die russen noch da waren kam es im sommer zu explosionen durch blindgänger. ich habe meine komplette kindheit und jungend im direkten umfeld der kaserne erlebt.auch wenn das areal reizt es ist und bleibt lebensgefährlich! gern kann ich dazu mehr sagen.

    • Auf offizieller Mission und auf offiziellen, asphaltierten Wegen ist alles kein Problem. Diese zu verlassen und durch die Wälder zu streifen, sollte allerdings niemand ernsthaft in Erwägung ziehen.

  2. Das kann nicht sein. Erstens bin ich schon oft im Umfeld des Flughafens Pilze sammeln gewesen und lebe noch. Zweitens sorgt sich doch unsere Bundeskanzlerin immer um uns und hat die „Erinnerungsstücke“ der Sowjetfreunde einsammeln lassen. Nunmehr wird von den Berlinern Immobilienhaien bald das auf Steuerzahlers Kosten geräumte Gelände auf gekauft und es wiederholt sich das Spiel BER, wo man doch dank der Politik schon einmal prächtig Millionen gescheffelt hat.

    Pilzsammler

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