Flugplatz Großenhain

Der Flugplatz Großenhain nahm seinen Betrieb 1913 als königlich-sächsische Militärfliegerstation auf und gehörte mit seinen 60 Hektar zu den größten der deutschen Armee. 1911 wurden bereits sächsische Offiziere innerhalb der preußischen Provisorischen Fliegertruppe, der späteren Königlich-Preußischen Fliegertruppe ausgebildet. 1914 stellte man die erste Flugzeughalle fertig, kurze Zeit später traf die erste Fliegerkompanie zur Stationierung in Großenhain ein. Mit der ersten Landung einer DFW Stahl-Taube wurde der Flugbetrieb aufgenommen. Die Gesamtkapazität war zuerst auf sechzig Flugzeuge ausgelegt, die hauptsächlich von den Herstellern Albatros, DFW und Kondor geliefert wurden.

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde diese erste Großenhainer Fliegerkompanie an die Westfront verlegt. Danach wurde die Flieger-Ersatz-Abteilung Nr. 6, kurz FEA 6, mit einer Fliegerschule gegründet. Sie bestand neben einem Stab aus vier Kompanien. Teil der Ausbildung waren auch Kurse für Beobachter, Fliegerschützen, Bombenabwerfer und Luftbildfotografen. Unter den Schülern und teilweise auch späteren Lehrern findet sich ein Teil der erfolgreichsten deutschen Kampfflieger des Ersten Weltkrieges. Auch der berühmteste Jagdflieger Manfred Freiherr von Richthofen, Der Rote Baron genannt, erhielt hier seine Beobachterausbildung. Insgesamt wurden bis 1918 in Großenhain rund 60.000 Mann ausgebildet.

1920 wurde der Reichsfliegerhorst mit dem Versailler Vertrag aufgelöst. Auf einem Teil des Areals entstand eine Papierfabrik. 1934 begann man mit dem erneuten Aufbau eines modernen Flugplatzes der Luftwaffe, der Betrieb startete 1936. Zu Kriegsende betrug die Länge der Start- und Landebahn 1.375 Meter. Nach Verlegung der meisten Geschwaderstaffeln kurz nach Kriegsbeginn wurde am 26. August 1939 die Aufklärungsfliegerschule 1 (F) Heer aufgestellt, die bis zum Februar 1945 Hauptnutzer des Fliegerhorsts blieb. Im weiteren Verlauf des Krieges wurden ab Juli 1944 auch verschiedene Schlacht-, Zerstörer-, und Jagdgeschwader in Großenhain stationiert, die von hier aus auch Einsätze gegen die Rote Armee flogen.

Die sowjetischen Streitkräfte besetzten den Flughafen 1945 und bauten diesen weiter aus. Die Landebahn wurde auf eine Länge von 2.440 Meter erweitert. Zusätzlich errichteten die Sowjets 40 erdüberdeckte Bodendeckungen – so genannte Shelter – sowie zwei Bunker des Typs GRANIT zur Zwischenlagerung von Sonderwaffen. Von 1951 bis 1993 war der Stab der 105. Fliegerdivision der Sowjetischen Streitkräfte in Großenhain stationiert sowie bis 1989 das 497. Fliegerregiment als Teil der Division. Auch andere Einheiten der 16. Luftarmee nutzten den Platz.

Seit 1993 wird der Flugplatz als ziviler Verkehrslandeplatz (ICAO-Code: EDAK) genutzt. Im selben Jahr übernahm das Bundesvermögensamt das Gelände, welches in Folge Eigentum des Freistaates Sachsen wurde. Es wird bis in die Gegenwart für den Flugplatzbetrieb verpachtet. Erst die Flugplatz Großenhain GmbH, dann die Nachfolgegesellschaft Kilianair GmbH und spätere Sachsenflug GmbH unterhielten neben dem Flugplatz ein Luftfahrtunternehmen und eine Flugschule. Letztere meldete 2010 Insolvenz an. Die Betriebsgenehmigung für den Flugplatz Großenhain wurde am 22. November 2010 von der Landesluftfahrtbehörde an die Flugplatz Großenhain UG übertragen, nach einer Abnahmeprüfung am 10. Dezember 2010 wurde der Flugbetrieb vorerst auf der Grasbahn, seit April 2011 auf beiden Bahnen wieder aufgenommen. Südlich der Grasbahn ist ein großzügiges Segelfluggelände in Betrieb.

Aktuell stehen zwei Start- und Landebahnen zur Verfügung, wovon nur eine betoniert ist. Ein großer Teil der ab 1913 errichteten Flugzeughallen wird heute von Großenhainer Industrie- und Gewerbeunternehmen genutzt, darunter die älteste erhaltene deutsche Flugzeugwerft. Highlights auf dem Gelände sind mehrere platzierte Fluggeräte, darunter eine MiG-21 SPS, eine MiG-17, ein Mil Mi-24D „Hind-D“ sowie ein Mil Mi-2 und mehr.

Quellen: Blickpunkt Großenhain, Wikipedia

Interessante Links

www.blickpunkt-grossenhain.de/flugplatzausstellung
www.flugplatz-grossenhain.de

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Dokument erstellt am 30.07.2015
Letzte Änderung am 30.07.2015

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André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.

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