Feuerstellung der Fla-Raketenabteilung 4123 Klosterfelde

Nach einem Beschluss der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) 1952 sollten in der Republik fliegende Einheiten stationiert werden, darunter auch Flugabwehrsysteme. Dazu gehörte auch die Flugabwehr-Raketenabteilung 4123 (FRA-4123) in einem Waldstück bei Klosterfelde im Norden Berlins. Hier war die 41. Raketenbrigade „Hermann Duncker“ (Ladeburg/Bernau) stationiert, die zur 1. Luftverteidigungsdivision Cottbus gehörte und Anfang der 60er Jahre mit Raketen vom Typ „Dwina“ (S-75) ausgerüstet war. Dieses Flugabwehrraketensystem wurde in den 1950er Jahren in der Sowjetunion entwickelt und galt seitdem als eines der am weitesten verbreiteten und genutzten Flugabwehrsysteme überhaupt.

Das komplette System aus Raketen, Radar und anderen Geräten konnte auf Fahrzeugen und Anhängern transportiert werden. Die typische Batterie bestand aus sechs Startern, einem RSNA75-Radargerät und mehreren mobilen Generatoren. Wegen des begrenzten Auffassungsbereichs des RSNA75-Radars wurden Zieldaten zunächst von leistungsstärkeren Geräten wie dem P-12-Radar erfasst und an die S-75-Batterie per Drahtverbindung weitergemeldet.

Raketen des Typs „Dwina“

1958 wurden die ersten fünf Batterien mit 62 Raketen an die Volksrepublik China geliefert. Zum Höhepunkt der S-75-Verbreitung 1969 hatte die Sowjetunion über 800 Raketenbatterien auf ihrem Staatsgebiet installiert. Ab 1961 wurde die modernisierte Version S-75M eingeführt und ab 1962 in Dienst gestellt. Verbessert wurde vor allem das Radarsystem, das nun besser mit Gegenmaßnahmen wie Düppel und Störsender umgehen konnte.

Seit Beginn der 70er- bis Anfang der 90er Jahre ersetzte man die Systeme mit Raketen vom Typ FRK S-75M „Wolchow“ (NATO-Code: SA-2 „Guideline“) auf insgesamt sechs Rampen (insgesamt 36 Raketen). Zu friedlichen Zeiten bestand eine FRA aus etwa 150 Personen in drei Kompanien sowie den Rückwärtigen Diensten. Dazu gehörte die Funktechnische Kompanie (FuTK), die Führungskompanie (FüK) und die Startbatterie (SB) samt besagter Rückwärtiger Dienste. Im Kriegsfall hätte man die Zahl der stationierten Personen auf etwa 500 erhöht.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Ende der DDR wurden entsprechende Areale zurückgebaut und liegen noch heute teilweise brach. Auf dem Gelände der ehemaligen Feuerstellung der Fla-Raketenabteilung 4123 Klosterfelde fand 2012 die „artbase“ statt – ein Urban-Art-Festival, welches verlassene Orten Künstlern und Kulturschaffenden Freiräume schaffen möchte und diese aufgegebenen Locations einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen möchte. Ursprünglich sollte die 2012er artbase auf dem Teufelsberg bei Berlin stattfinden, jedoch entzogen die Berliner Behörden kurz vor Beginn der Veranstaltung die Genehmigung. Somit wichen die Veranstalter und etwa 100 Künstler – auf die Klosterfelder Raketenbasis aus.

Konzept „artbase“

Das Kunst- und Kulturfestival „artbase“ steht für freie Kunst, (GEMA)freie Musik und (Nutzungs)freie Orte. Die artbase formt aus verlassenen Orten Kunstwerke. Die Veranstaltung hat das Ziel, Brachen neu zu gestalten, um Freiräume für Kunst zu schaffen und das öffentliche Interesse an einer vergessenen Location zu wecken. Künstler, die ihre Gedanken und Ideen frei zum Ausdruck bringen wollen, benötigen Raum und Atemluft. Einschränkungen, Regeln und Verbote, durch Ängste begründet, engen jedoch ihre Kreativität ein und unterdrücken den kostbaren Ansatz, sich frei zu präsentieren. Freizügigkeit und Improvisation hingegen, gekoppelt mit der Ästhetik und der Geschichte verlassener Orte, bilden eine interessante Basis für die Inspiration der Künstler. Im Rahmen der artbase fanden jene die Umgebung, in der sie sich frei entfalten konnten. Frei dem Motto: „Reclaim the City!“

Heute haben auf dem Areal der ehemaligen Feuerstellung der Fla-Raketenabteilung 4123 Klosterfelde tierische Bewohner das Kommando. Die Natur holt sich alles zurück, was jemals biologisch enteignet wurde. Pläne zur Zukunft des Areals gibt es derzeit keine spruchreifen.

Quellen: blog.inberlin.de, Untergrund Brandenburg, web.archive.org, streetartbln.com, Geschichtsspuren.de, privat

Dokument-Information
Objekt ID: rp-034380
Kategorie: Militär & Militaria
Bundesland: Brandenburg
Standort: keine Angabe
Baujahr: um 1900
Denkmalschutz: nein
Bauherr: keine Angabe
Objekt erfasst: 01.01.2017
Objekt erstellt: 29.09.2018
Letzte Änderung: 29.09.2018
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