Es kreucht und fleucht hinter verlassenen Mauern

Es kreucht und fleucht hinter verlassenen Mauern. Foto: Andrew Butko/CC BY-SA 3.0

Zugegeben, dieser Artikel ist nichts für schwache Nerven, nichts für arachno-, akaro-, bacillo-, bacterio-, herpeto- oder parasitophobe Menschen. Doch wer in verlassenen Gebäuden oder an Orten mit dichter, teilweise unberührter Vegetation unterwegs ist, der kommt bewusst oder unbewusst in Kontakt mit vielem, was kreucht und fleucht. Dunkle, modrige Ecken, wildwachsende, schimmelige Untergründe oder Überreste menschlichen Schaffens und Lebens sind wahre Paradiese für Krabbler aller Art. Viele von diesen Krabblern – obwohl sie für die meisten Menschen ekelig und abstoßend wirken, sind alles andere als gefährlich oder schädlich, sie sind häufig sogar äußerst nützlich. Nur selten besteht bei direktem oder intensivem Kontakt eine Gefahr für die Gesundheit.

Etliche Menschen haben bei einer Begegnung mit einem Krabbeltier ihren Ekel nicht unter Kontrolle, bekommen im schlimmsten Fall Herzrasen, Atemnot und sogar Angstzustände. Es entstehen Stresssituationen, die schnell im echten Chaos enden können. Gerät der Mensch in Panik, setzt der Fluchtinstinkt ein. Aber gerade verlassene Gebäude und ihre maroden Gegebenheiten verzeihen häufig kein unkontrolliertes, hastiges flüchten – hier sind Unfälle vorprogrammiert. Morsche Balken, tiefe Schächte, moosige und somit rutschige Untergründe, spitze und scharfkantige Gegenstände am Boden oder in Körperhöhe sind nur einige der Gefahren, die allgegenwärtig sind.

Alleine in Deutschland gibt es Tausende Insekten und Spinnentiere. Wir stellen im ersten Teil einmal die bekanntesten, häufig vorkommenden, deutlich wahrnehmbaren Krabbler vor, die vor verlassenen Gebäuden oder Orten und deren Inventar (in welcher Form auch immer) nicht Halt machen. Dabei lassen wir Bakterien und Parasiten links liegen, diesen widmen wir uns in einem weiteren Artikel.

Weberknecht

Foto: Marcel Zurreck/CC BY-SA 3.0
Foto: Marcel Zurreck/CC BY-SA 3.0

Weberknechte (Opiliones) gehören zur Ordnung der Spinnentiere. Ihre acht – für Spinnentiere üblichen Beine können je nach Art das 25-fache der Körperlänge ausmachen. Weberknechte besitzen Stinkdrüsen mit einem Wehrsekret, dass bei stärkerem Druck auf den Körper oder bei Angriffen von Fressfeinden ausgestoßen wird und je nach Konzentration betäubend bis tödlich ist. Webernechte können die menschliche Haut nicht verletzen, da sie über zu schwache Kieferklauen verfügen. Weiter besitzen sie keine Giftkanäle für die Injektion und keine Giftdrüsen zur Produktion eines Giftes.

Winkelspinne

Foto: Milan Karow/CC BY-SA 2.0
Foto: Milan Karow/CC BY-SA 2.0

Winkelspinnen (Tegenaria) sind nachtaktiv, häufig sehr schnell, haben eine helle- bis rötlich-braune oder dunkelbraun Färbung, mit meist beborsteten, teilweise auch fein behaarten, langen Beinen. So abstoßend diese Spinnenart für viele auch wirken mag, Winkelspinnen sind völlig harmlos. Besonders wohl fühlen sich die Achtbeiner, die zur Familie der Trichterspinnen gehören, in Häusern, Schuppen, Stallungen oder Scheunen. Gerade an verlassenen und oft unberührten Orten finden sie reichlich Beute.

Zitterspinne

Foto: Fritz Geller-Grimm/CC BY-SA 2.5
Foto: Fritz Geller-Grimm/CC BY-SA 2.5

Die im deutschsprachigen Raum heimischen Zitterspinnen (Pholcidae) sind aus dem östlichen Mittelmeerraum eingewandert. Von den über 1.400 Arten dieser Familie wurden in Deutschland, Österreich und der Schweiz bislang vier Gattungen mit fünf Arten nachgewiesen. Zitterspinnen werden oft mit Weberknechten verwechselt, Grund dafür ist das Verhältnis der zum Körper sehr langen Beine. Die Achtbeiner, die überwiegend in Gebäuden und Kellern anzutreffen sind, machen ihrem Namen oftmals alle Ehre, denn durch ihr Hinundherschwingen (zittern) verschwimmen die Konturen der Spinne und der Angreifer wird verwirrt. Dieses Verhalten ist jedoch nicht bei allen Arten zu beobachten.

Weitere häufig vorkommende Spinnenarten sind die Gartenkreuzspinne, die Wespenspinne und die Wolfsspinne.

Kellerassel

Kellerassel (links) und Mauerassel (rechts). Foto: Pudding4brains
Kellerassel (links) und Mauerassel (rechts). Foto: Pudding4brains

Die Kellerassel (Porcellio scaber) gehört zu den Landasseln. Sie ist schiefergrau bis gelbgrau gefärbt und kann bis zu 20 Millimeter groß werden und besitzt einen fein gezackten, halbringförmig gegliederten Rückenpanzer, 14 Schreitbeine und 12 Spaltfüße sowie eine Schwanzplatte mit Tastorganen. Landasseln sind die einzigen dauerhaft an Land lebenden Krebstiere. Die meist zwischen zwei und 20 Millimeter langen und dorsoventral abgeflacht und langovalen Tiere tragen jeweils einen breiten Rückenschild. Auf der Unterseite des Kopfes liegen die Mundwerkzeuge, die wie bei allen Höheren Krebsen aus den Mandibeln sowie zwei Paar Maxillen bestehen. Kellerasseln ernähren sich vom Detritus (abgestorbene organische Substanz) ihrer Lebensräume und gehören damit zu den Destruenten (Entsorger). Kellerasseln kommen im direkten Einzugsgebiet ihrer Nahrung vor. Häufig ist sie unter Steinen, in der Streuschicht frischer Laubwälder und Gebüschen sowie in Kellern, Gärten, Ställen, Gewächshäusern, Komposthaufen und besonders in der Nähe von Totholz vorzufinden.

Dunkler Pelzkäfer

Attagenus unicolor. Foto: Caroline Harding, MAF/CC BY 3.0
Attagenus unicolor. Foto: Caroline Harding, MAF/CC BY 3.0

Der Dunkle Pelzkäfer (Attagenus unicolor) wird der Familie der Speckkäfer zugeordnet und gilt als Materialschädling. Die Larven lieben das Protein Keratin, das in vielen Haushaltswaren beinhaltet ist. Zu finden sind die Insekten auch in der Nähe von Straßen und Schuttplätzen, aber auch in maroder Umgebung. Die mit einer ovalen Körperform, dunkelbraun gefärbten Krabbler sind vom Geschlecht häufig an der Antennenform zu unterscheiden. Das letzte Antennenglied ist beim männlichen Käfer doppelt so lang wie beim Weibchen. Die Tiere ernähren sich als Larven auch von Textilien aus natürlichen oder synthetischen Fasern und können – je nach Produkt – großen Schaden anrichten. Auch vor toten Tieren machen sie nicht halt. Zum Beuteschema gehören auch Haare, tote Insekten, Federn, Trockenfleisch oder Getreideerzeugnisse. Ausgewachsene Pelzkäfer ernähren sich von Pollen und Nektar. Die Käfer sind zum Teil tagaktiv, zum Teil auch nachtaktiv.

Weich­käfer

Roter Weichkäfer (Rhagonycha fulva). Foto: Hans Hillewaert/CC BY-SA 3.0
Roter Weichkäfer (Rhagonycha fulva). Foto: Hans Hillewaert/CC BY-SA 3.0

Weichkäfer (Cantharidae) gehören zur Familie der Käfer und haben ihren deutschen Namen aufgrund ihrer nur schwach sklerotisierten Körper. Sie werden auch Soldatenkäfer genannt, da viele Arten auffällig rot, schwarz, gelb oder blau gefärbt sind. Die 1,2 bis 28 Millimeter langen Körper sind langgestreckt und haben mehr oder weniger parallele Seitenränder. Weichkäfer verfügen über langgestreckte Fühler und haben 11 Glieder. Die Form ist zwischen den Geschlechtern unterschiedlich und reicht von fadenförmig und gezähnt bis zu gefiedert, keulenförmig verdickt oder gefächert. Weichkäfer kommen in Mikrohabitaten mit hoher relativer Luftfeuchtigkeit, wie etwa in oder unter abgestorbenen Blättern, in der Bodenstreu von Wäldern, unter Steinen, in lockerer Erde oder unter loser Rinde von Totholz. Viele Arten schützen sich vor Fressfeinden, indem sie übel schmeckende Substanzen absondern oder durch ihre Warnfarben warnen.

Feuerwanze

Feuerwanze. Foto: Katja Schulz/CC BY 2.0
Feuerwanze. Foto: Katja Schulz/CC BY 2.0

Feuerwanzen (Pyrrhocoridae) gehören zur Familie der Wanzen innerhalb der Teilordnung Pentatomomorpha (Baumwanzen i.w.S.) und tragen den deutschen Namen wegen der rot-schwarzen Warntracht der häufigsten mitteleuropäischen Art der Familie, der Gemeinen Feuerwanze (Pyrrhocoris apterus). Ihre Körper werden 8 bis 20 Millimeter lang und tragen Warnfarben in rot, gelb, schwarz und weiß. Ihr dreieckiger Kopf ist nach vorne gerichtet und die Fühler wie das Labium (lat. labium „Lippe“) sind viergliedrig. Die Wanzen richten bedingt Schaden an, nicht nur direkt durch das Saugen an den Samenkapseln, sondern auch indirekt durch die Übertragung von Pilzen und Bakterien beim Saugen. Die in waldigen, sonnenbeschienenen Orten vorkommenden Tiere ernähren sich hauptsächlich von Pflanzen und deren Samen.

Kakerlake

Kakerlake. Foto: Donald Hobern/CC BY 2.0
Kakerlake. Foto: Donald Hobern/CC BY 2.0

Die Kakerlake (auch Küchenschabe) gehört zu einer Reihe von Arten der Schaben der Familie Blattidae, kommt in menschlichen Behausungen vor und wird als Vorratsschädling betrachtet. Die Deutsche Schabe erreicht eine Körperlänge von 13 bis 16 Millimeter und ist hell- bis dunkelbraun gefärbt. Kakerlaken sind vorwiegend dunkelheitsaktiv und leben versteckt. Da die Schaben sozial in großen Gruppen leben, ist ein Befall meist invasiv. Die Allesfresser bewegen sich durchwegs laufend fort, sind bekannt für ihre hohe Geschwindigkeit und verzehren bevorzugt feuchte und weiche Materialien, wie auch faulende Lebensmittel. Durch ihre Lebensweise können die Tiere pathogene Keime und Parasiten übertragen. Ein Kakerlakenbefall ist meistens umfangreich, da die Tiere, bis sie entdeckt werden, schon große Gruppen gebildet haben.

Holzwurm / Nagekäfer

Holzwurm. Foto: Kai-Martin Knaak/CC BY-SA 3.0
Holzwurm. Foto: Kai-Martin Knaak/CC BY-SA 3.0

Der Gemeine oder Gewöhnliche Nagekäfer (Anobium punctatum) gehört zur Art der Nagekäfer (Ptinidae) und wird wegen der Aktivität der Larven auch Holzwurm genannt. Ausgewachsen werden die Käfer etwa 2,5 bis 5 Millimeter lang und können sich fliegend neue Eiablageplätze suchen. Ihre Eier legen sie in Holzspalten oder Rissen ab, die geschlüpften Larven fressen sich durch das Frühholz. Seine optimalen Entwicklungsbedingungen finden sich in kühlen und feuchten Räumen, somit sind besonders Einrichtungsgegenstände in Sakralbauten, wie Kirchenbänke, Altäre, Holzfiguren und Ähnliches gefährdet. In Bereichen mit hoher Luftfeuchtigkeit und mäßigen Temperaturen werden auch Dachkonstruktionen, Stallungen und ähnliche Objekte befallen. Die Larven verpuppen sich nach mehreren Wachstumszyklen. nach der Metamorphose schlüpft ein geschlechtsreifer Käfer, der das befallene Holz fliegend verlässt. Sie hinterlassen runde Löcher, die einen Durchmesser von ein bis zwei Millimetern messen.

Kleidermotte

Kleidermotte. Foto: Olaf Leillinger/CC BY-SA 2.5
Kleidermotte. Foto: Olaf Leillinger/CC BY-SA 2.5

Die Kleidermotte (Tineola bisselliella) gehört zur Familie der Echten Motten (Tineidae) und ist ein Schmetterling (Nachtfalter). Die Flügel sind dachartig, gewimpert über den Rücken gefaltet und je nach Farbe der Nahrung hellgelb bis dunkelbraun glänzend. Bevorzugter Lebensraum der Kleidermotte sind Wohn- und Lagerräume, in denen das Weibchen 100 bis 250 Eier einzeln auf Wollstoffe, Federn, Pelze und Polstermöbel abgelegt und aus denen nach etwa zwei Wochen gelb-weiße Raupen schlüpfen. Die Larven verursachen teilweise großen Schaden, durch ihren Fraß entstehen Löcher und kahle Stellen in Textilien. Bei langer Nicht-Kontrolle der betroffenen Stellen kann es zu einer Massenvermehrung kommen.

Taubenzecken

Ausgehungerte weibliche Taubenzecke. Foto: PaulT/CC BY-SA 3.0
Ausgehungerte weibliche Taubenzecke. Foto: PaulT/CC BY-SA 3.0

Die Taubenzecke (Argas reflexus) bevorzugt als Wirt Tauben und ist eine Art der Lederzecken. Bei großem Hunger saugt sie auch am Menschen, stirbt dann allerdings innerhalb weniger Tage. Ausgewachsene Tiere bevorzugen tagsüber Höhlen, Löcher oder Ritzen in der Nähe ihrer Wirte. Die adulten (ausgewachsenen) Weibchen messen vollgesogen bis zu 10, Männchen nur etwa 4 Millimeter. Adulte Weibchen nehmen mehrmals für 20 bis 40 Minuten Blut auf, danach legen sie jeweils bis zu 70 Eier. Im Larvenstadium müssen die Tiere zur weiteren Entwicklung einmal für mehrere Tage Blut saugen. Saugt die Zecke beim Menschen, können allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock entstehen.

Staublaus

Larve der Staublaus. Foto: Tomkpunkt/CC BY-SA 3.0
Larve der Staublaus. Foto: Tomkpunkt/CC BY-SA 3.0

Staubläuse (Psocoptera) gehören zur Ordnung der Insekten und erreichen in der Regel eine Körpergröße von 0,7 bis 10 Millimeter. Unterschieden werden zwischen Trogio-, Trocto- und Psocomorpha. Die Insekten ernähren sich von Pilzgewebe, Sporen, Flechten, Grünalgen oder Ähnlichem und man findet sie an Pflanzen, unter Rinden, an Baumstämmen und Totholz, in Vogelnestern oder auch in Gebäuden. Besonders bei den Stabläusen sind die Mundwerkzeuge, einer Zwischenform des kauend-beißenden Typs der Bodenläuse und dem saugenden Typ der anderen Läuse, Wanzen und Zikaden.

Pharaoameise

Pharaoameisen mit Vorrat. Foto: A. Buschinger/CC BY-SA 3.0
Pharaoameisen mit Vorrat. Foto: A. Buschinger/CC BY-SA 3.0

Die Pharaoameise (Monomorium pharaonis) wurde im 19. Jahrhundert in Europa eingeschleppt. Sie ist eine der kleinsten Ameisenarten in Deutschland und kann nur an warmen Orten überleben. Daher sucht sie häufig Zuflucht in Gebäuden, wobei sie ihre Nester nicht wie andere Ameisen selbst ausbaut und in Kammern unterteilt, sondern gezielt Hohlräume nutzt und diese besiedelt. Sie kommt daher vor allem in Bäckereien, Gewächshäusern, Fabriken und Krankenhäusern vor, kann aber auch in Wohnungen eingeschleppt werden. Die Arbeiterinnen erreichen gerade 1,5 bis 2,5 mm Länge. Ihre Farbe ist hellorange (bernsteingelb), mit einer dunkel eingefärbten Hinterleibsspitze. Larven sitzen in den tief im Mauerwerk verborgenen Nestern. Da Pharaoameisen Träger von Krankheitskeimen sind und Lebensmittel verunreinigen, sind letztere bei Befall für den menschlichen Verzehr nicht mehr geeignet.

Lesen Sie mehr im erscheinenden zweiten Teil, in dem es um Mikroben geht. (aw)