Ehemaliges Führerhauptquartier „Wolfsschanze“ ist pleite

Bunker der Wolfsschanze. Foto: Alfista33/CC BY-SA 3.0

Ketrzyn/Görlitz (aw). Seit 1959 ist das ehemalige Fürherhauptquartier „Wolfsschanze“ im heutigen Polen eine Touristenattraktion, die jährlich zirka 200.000 Touristen besuchen. Von hier plante Adolf Hitler den deutschen Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjetunion. Hier scheiterte auch das Attentat Claus von Stauffenbergs, der Deutschland vom Horror der Nazis befreien sollte. Wolfsschanze war der Tarnname für ein militärisches Lagezentrum des Führungsstabes der deutschen Wehrmacht und eines der Führerhauptquartiere während des Zweiten Weltkrieges im heutigen Polen.

Wie die „Bild-Zeitung“ jetzt berichtet, sollen die Besucherzahlen stark gesunken und die Wolfsschanze nahezu pleite sein. Der polische Staat als Eigentümer streitet sich zudem seit Jahren mit dem ehemaligen Pächter der 13 Hektar großen Anlage. Den Pachtvertrag, der 2010 für 20 Jahre verlängert worden war, hatte man für nichtig erklärt. Der Pächter war den Vorgaben, das Areal historisch und ordentlich zu erschließen, nicht nachgekommen.

Jetzt soll die Wolfschanze unter den Hammer kommen, oder die Forstverwaltung ordnet das Areal bei fehlenden Interessenten selber neu. Ein großes Problem hierbei ist, dass der Pächter beachtliche Schulden hinterlassen und auch Gehälter nicht gezahlt hat. Trotz mehrerer Gerichtsurteile ist dieser bis heute mit etwa 250.000 Euro in den Miesen. An einer seriösen Präsentation des Bunkergeländes mangelt es. Auch über die Tatsache, dass die 57 Hektar um die Wolfschanze als wichtiges Biotop nach der Richtlinie des Europarates (92/43/EWG) klassifiziert sind, wird nur am Rande informiert.

Besucher irrten bisher orientierungslos zwischen den Ruinen umher. Aus diesem Grund wünschen sich Historiker eine didaktisch-politische Erschließung. Dies beinhaltet auch die Platzierung von Hinweis- und Gedenktafeln. Auch auf die Zwangsarbeit der vielen Kriegsgefangenen muss deutlich und ausführlich eingegangen werden.

Neuordnung wünschenswert

Aus diesem Grund ist es laut Historikern wünschenswert, dass die Wolfsschanze ihren Status einer touristischen Attraktion verliert und mit umfassender Wissenvermittlung punkten kann. Das Areal funktionierte im Zweiten Weltkrieg als Stadt in der Stadt. Mehr als 200 Gebäude wurden von etwa 28.000 Zwangsarbeitern unter dem Tarnnamen „Chemische Werke Askania“ perfekt getarnt in die Natur drapiert. Die Wolfsschanze verfügte auch über eine eigene Wasserversorgung, Heizwerk, Kanalisation, Bahnhof und Flugplatz. Alles perfekt getarnt. Als am 24. Januar 1945 die Rote Armee anrückte, wurden alle Objekte von der zurückweichenden Wehrmacht gesprengt.Von 1945 bis 1955 räumte man hier rund 54.000 Minen.

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André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.

1 Kommentar

  1. Sehr interessanter Ort. Gibt es inzwischen schon Klarheit, was mit dem Gelände passieren wird? In der Nähe von Berlin befindet sich übrigens auch eine riesige Bunkeranlage der Nationalsozialisten, nämlich die Bunkerstadt Wünsdorf. Ein Besuch der Bunkerstadt lohnt sich, sie ist gut erschlossen und meiner Erfahrung nach haben die Führungen dort eine hohe Qualität.

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