Ehemalige Kirche St. Johannes ist Denkmal des Monats

St. Johannes in Telgte, Kreis Warendorf, nach dem Umbau. Ansicht des Haupteingangs. Foto: Feja & Kemper Architekten 2017

Telgte (lwl/aw). Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat die ehemalige Kirche St. Johannes in Telgte (Kreis Warendorf) Ende Juni als Denkmal des Monats ausgezeichnet. Dabei schien das Schicksal der 1964 eingeweihten Kirche bereits besiegelt, als das Bistum Münster und die Kirchengemeinde St. Marien in Telgte 2011 den Beschluss fassten, die St. Johannes-Kirche zu profanieren und anschließend abzureißen. Doch aus anfänglichen Kontroversen und Konflikten wurde eine konstruktive Zusammenarbeit, die neue Perspektiven für das Gebäude eröffnete. „Am Ende eines langen Prozesses steht schließlich die sehr gelungene Umnutzung der ehemaligen Kirche“, lobt LWL-Denkmalpfleger Christian Steinmeier.

Die Abrisspläne weckten Widerstand in der Gemeinde und führten zur Gründung eines Initiativkreises, der mit verschiedenen Aktionen für den Erhalt der Kirche kämpfte und im Januar 2012 erfolgreich die vorläufige Unterschutzstellung beantragte. Wenig später stellte die LWL-Denkmalpflege den Denkmalwert der Kirche und weiterer Teile des zugehörigen Gemeindezentrums fest. Vor diesem Hintergrund nahmen Bistum und Kirchengemeinde Abstand von den Abbruchplanungen. Jetzt ging es allen Beteiligen darum, eine Nachnutzung des leer stehenden Gebäudes zu finden.

In einem Wettbewerb untersuchten 2013 fünf Architekturbüros die Möglichkeit, ein Pfarrheim und Erwei-terungsflächen für den benachbarten Kindergarten in der ehemaligen Kirche unterzubringen. Außerdem sollten eine Andachtskapelle und multifunktionale Flächen entstehen. „Ein Entwurf überzeugte die Jury sowohl funktional als auch ästhetisch und denkmalpflegerisch. Dieser Entwurf wurde dann ab 2015 realisiert“, so Steinmeier. „Zu diesem Zeitpunkt hatte die Kirchengemeinde schon längst die Initiative ergriffen und bemühte sich darum, die Umnutzung der Kirche zu vermitteln und die Risse innerhalb der Gemeinde zu schließen. Als Zeichen des Aufbruchs wurde der Baubeginn gefeiert, im Rahmen von Baustellenführungen das Gespräch mit den zukünftigen Nutzern gesucht und ein Kunstprojekt initiiert.“

Am 19. März 2017 wurde das umgebaute Gebäude eingesegnet. Als Zeichen der Öffnung erhielt jeder Gast einen symbolischen Schlüssel zum „schönsten Gemeindehaus weit und breit“, wie Propst Michael Langenfeld das Gebäude mit Stolz nennt. Die ehemalige Kirche als Gemeindehaus ist in der Gemeinde akzeptiert, wie der stets gefüllte Belegungsplan beweist.

„Der Entwurf des Büros Feja & Kemper respektiert das Denkmal. Die Eingriffe in die Fassade sind minimal und auf das zwingend Erforderliche reduziert, die Anordnung der zusätzlichen Öffnungen ist“, sagt Steinmeier. „Neu in den Innenraum eingebrachte Elemente sind möglichst gering dimensioniert und unterscheiden sich deutlich vom Originalbestand. Durch diese sehr minimalistische Grundkonzeption bleibt der Raumeindruck der Kirche sehr gut erfahrbar. Sogar die energetisch problematischen, aber gestalterisch wichtigen Bereiche mit Glasbausteinen konnten bestehen bleiben“, so der LWL-Denkmalpfleger weiter.

Die gemeinsamen Bemühungen von Kirchengemeinde, Bistum, Stadt Telgte und LWL-Denkmalpflege wurden im Februar 2018 mit dem Nordrhein-Westfälischen Staatspreis für Denkmalpflege gewürdigt. „Denkmalpflege erhält nicht nur Baudenkmäler, sie führt auch zusammen, sie verbindet“, sagte Propst Michael Langenfeld bei der Preisübergabe.

Hintergrund

48 Jahre – von der Weihe 1964 bis zur Aussegnung 2012 – diente die St. Johannes-Kirche als zentraler Ort der Religionsausübung im Nordosten Telgtes zunächst der ebenfalls 1964 entstandenen St. Johannes-Gemeinde, ab dem Jahr 2006 der neu gegründeten Kirchengemeinde St. Marien, in der drei Gemeinden aus dem Stadtgebiet Telgtes aufgingen.

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