Draculas „Grusel-Schloss“ sucht neuen Hausherrn

Schloss Bran in Rumänien. Foto: Dobre Cezar/CC BY-SA 3.0

Wenn Sie schon immer ein Schlossherr werden wollten, oder zumindest mit dem Gedanken gespielt haben, dann könnte dies nun Realität werden. Doch wer jetzt an Neuschwanstein, Burg Hohenzollern, die Kasseler Löwenburg, Schloss Lichtenstein oder andere denkt, der wird bitter enttäuscht. Denn unsere Reise führt uns ins zentrale Rumänien. In der gleichnamigen Ortschaft in Siebenbürgen (Transsilvanien), nicht ganz 30 Kilometer von Brașov (dt. Kronstadt) entfernt, liegt Schloss Bran (dt. Törzburg). Selbige sagenumwobene Burg inspirierte schon den irischen Schriftsteller Bram Stoker zu seinem weltberühmten Roman „Dracula“ und steht aktuell zum Verkauf – für einen Schnäppchenpreis von etwa 60 Millionen Euro. Wenn Sie diese Summe nicht abschreckt und Sie sich gerne als neuer Schlossherr zurückziehen möchten, dann folgt postwendend die Enttäuschung. Viel Ruhe werden Sie nicht bekommen, denn das Schloss zieht jährlich etwa eine halbe Million Touristen an, die auf Spuren des Kult-Vampirs wandeln.

57 Zimmer aber kein fliessendes Wasser, dafür wartet eine spektakuläre Aussicht und Naturidylle auf den neuen Eigentümer. Eine New Yorker Anwaltskanzlei führt die Immobilie in seinem Portfolio. Seit 2006 sind Dominik von Habsburg und seine Familie Eigentümer der Immobilie. Diese sollen das Schloss für etwa 60 bis 70 Millionen Euro dem rumänischen Staat zum Kauf angeboten haben. Auch dem russischen Milliardär und Chelsea-Eigner Roman Abramowitch wird nachgesagt, als potenzieller Käufer gehandelt worden zu sein. Laut der Financial Times wurde aus diesen Geschäften nichts. Wie die Zeitung weiter mitteilt, seien die rund 60 Millionen Euro wesentlich zu hoch gegriffen, realistischer seien hier etwa 15 Millionen Euro.

Nur wenig Dracula-Historie

Die eigentliche Geschichte der Törzburg geht auf die Errichtung einer Grenz- und Zollburg im Jahr 1377 zurück und hat bis auf den Stoker-Roman nichts mit dem Grafen der Dunkelheit zu tun. Bis 1427 stand selbige unter ungrischer Herrschaft und wurde 1436 erstmals von den Türken belagert. 1498 ging die Burg in den Besitz Kronstadts über und überstand 1529 erfolgreich eine der Belagerung der walachischen Truppen. 1600 kam es zur erneuten erfolglosen Belagerung durch Nicolae Pătrașcu, zwölf Jahre später eroberte General Mikes Mihaly die Törzburg kampflos vom transsylvanischen Fürsten Gabriel Báthory. 1789 erfolgte eine dritte, erfolglose Belagerung. 1916 fielen rumänische Truppen in Siebenbürgen ein und eroberten die Törzburg. Nachdem Siebenbürgen an Rumänien angeschlossen wurde, schenkte Kronstadt das Schloss am 1920 Königin Maria, der Gattin König Ferdinands I., deren Tochter, Prinzessin Ileana ging später als Erbin hervor. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Burg Staatseigentum und wurde zur Touristenattraktion ausgebaut. 2006 gab man die Immobilie an die Habsburgs zurück.

Museum und Luxusappartement

Seit 2009 ist in der Törzburg wieder ein Museum geöffnet, in dem Möbel und einige private Familienstücke der Habsburgs, darunter die Krone, ein Zepter und ein Silberdolch von König Ferdinand ausgestellt sind. Im Schlossturm ist ein Luxusappartement untergebracht, das für Übernachtungen vermietet wird. Ursprüngliche Exponate des Schlosses aus seiner Zeit im Staatsbesitz verbrachte das Kulturministerium in ein neues Museum im benachbarten Zollhaus an der ehemaligen Grenze zwischen Österreich-Ungarn und Rumänien.

Der walachische Fürst Vlad III. Drăculea, der als Vorbild und Schlossherr für Stokers Roman galt, hat das Schloss wahrscheinlich nie betreten. Vlad erlangte historische Bekanntheit wegen der ihm nachgesagten Grausamkeit – er hatte eine Vorliebe für Hinrichtungen durch Pfählung, während des Widerstands gegen das Osmanische Reich und dessen Expansion auf dem Balkan.

Informationen unter www.bran-castle.com

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