Deutschlandhaus wird für Rückbau vorbereitet

Das Deutschlandhaus vor dem geplanten Abriss. Foto: Pauli-Pirat/CC BY-SA 4.0

Hamburg (aw). Eines der markantesten Gebäude mitten im Herzen Hamburgs kommt weg. Am Montag haben die vorbereitenden Arbeiten für den Abbruch des Deutschlandhauses am Gänsemarkt begonnen. Das markante, 1928/29 nach den Entwürfen der Architekten Fritz Block und Ernst Hochfeld erbaute achtstöckige Gebäude wurde in Stahlskelettbauweise errichtet und gilt als eines von wenigen erhaltenen frühmodernen Gebäuden dieser Art in der Bundesrepublik. Ein Denkmalschutz besteht nicht. 2017 präsentierte der Münchner Investor ABG seine Abriss- und Neubaupläne für das Haus, Stararchitekt Hadi Teherani wurde mit der Planung des Neubaus beauftragt.

Wie das Unternehmen ABG mitteilt, wird es im Rahmen dieser Arbeiten zu Einschränkungen für Fußgänger kommen. Die Gehwege vor dem Gebäude und der Zugang zur U-Bahn-Station Gänsemarkt werden gesperrt. Rund um das Gebäude werden Straßen teilgesperrt, sodass es auch bei Autofahrern zu Einschränkungen kommt.

Vorgehensweise beim Rückbau

Begonnen hat man am Montag mit den Entrümpelungsarbeiten im Deutschlandhaus. Im April wird man durch erste Abbrucharbeiten eine Zuwegung vom Valentinskamp in den Innenhof ermöglichen. Mit dem Abbruch es inneren westlichen Hofflügels wird man im Mai beginnen, ab Juni folgen die Gebäudeteile am Valentinskamp, an der Dammtorstraße und abschließend an der Drehbahn. Der unterirdische Rückbau samt Herstellung der Baugrube für den Neubau ist ab Herbst vorgesehen.

Neubau des künftigen Deutschlandhauses. Foto: Hadi Teherani Architects

Neubau des Deutschlandhauses

Weil sich eine Sanierung der bestehenden Substanz aufgrund der Anforderungen an heutige Arbeitsstandards nicht mehr umsetzen lies, beschloss man 2015 den Abbruch und Neubau der Immobilie. Stararchitekt Hadi Teherani plante den Neubau angelehnt an den Bau aus den 1920er Jahren in Kooperation mit dem Oberbaudirektor Franz-Josef Hönig, dem Bezirksamt Mitte und dem Amt für Denkmalschutz. Entstehen werden auf einer Bruttogeschossfläche von 40.000 Quadratmetern im Stil traditioneller Kontorhäuser neben Büros, Einzelhandel, Wohnungen und einer Tiefgarage ein öffentlich zugängliches, 1.200 Quadratmeter großes Atrium – die „Grüne Oase mit Wasserbecken“. Die Kosten werden mit rund 300 Millionen Euro angegeben.

Deutschlandhaus nach dem Krieg

Während des Zweiten Weltkrieg 1944 brannte das Gebäude nach Luftangriffen zum Teil vollkommen aus. In den Jahren 1946 bis 1949 baute die englische Besatzungsmacht das beschlagnahmte Haus mit Veränderungen wieder auf und benannte es „Hamburg House“. Das zerstörte Kino wurde abgetragen. Der damalige Ufa-Palast gehörte mit etwa 2.700 Plätzen zu den größten Kinos in Europa. Nach dem Umbau nutzten die Briten die Immobilie für Unterkünfte und Versorgung ihres Personals, unter anderem mit Tanzsälen und Küchen. 1952 zogen die britischen Behörden aus, die NAAFI nutzte nur noch ein Stockwerk ganz und zwei weitere zum Teil. Das Gebäude hieß fortan wieder Deutschlandhaus.

Von 1975 bis 1978 wurde der im Krieg völlig zerstörte Gebäudeflügel zur Drehbahn neu errichtet, Heinz Schudnagies vom Büro Dietrich & Partner war verantwortlicher Architekt. Im zweiten Bauabschnitt von 1979 bis 1982 wurden auch die erhaltenen Trakte umgebaut. Die Modernisierung bezeichnen Experten unter denkmalschützerischen und ästhetischen Gesichtspunkten als wenig gelungen, unter anderem wurden die Fensterprofile vergröbert und die originale Klinkerfassade am Erkerband komplett durch Ziegel mit rustikaler Handstrichoptik ersetzt.

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