Deutsches Haus – Vom braunen Sanatorium zum Wellnesshotel

Ehemaliges Sanatorium "Deutsches Haus" bei Agra. Foto: rs-foto/CC BY-SA 3.0

Im kleinen Dorf Agra (Gemeinde Collina d’Oro) im Kanton Tessin in der Schweiz eröffnete der Verein Deutsche Heilstätte Davos 1913/14 das Sanatorium „Deutsches Haus“. Architekt war der Schweizer Edwin Wipf (1877-1966). Das Sanatorium erlangte schnell einen guten Ruf bei der Behandlung von Tuberkulosekranken. Ihren Höhepunkt erlebte die Klinik in den 1930er Jahren, in denen Prominente wie Sven Stolpe, Erich Kästner, Bertolt Brecht und dessen Freundin Margarete Steffin zu Gast waren. Stolpe verarbeitete seinen eigenen Aufenthalt in dem Roman Im Wartezimmer des Todes (orig. I Dödens Väntrum). Kästners Schilderungen finden sich zum Teil in der Anthologie Briefe an die Doppelschätze (bis 1955 unter dem Titel Briefe aus dem Tessin publiziert).

Speisesaal ca. 1930. Foto: Ralf Schulze/CC BY-SA 2.0

Während des Nationalsozialismus legte sich ein widerlicher, brauner Schleier über das Sanatorium. Der zu dieser Zeit tätige Chefarzt Hannes Alexander gründete eine NSDAP-Ortsgruppe und machte das Sanatorium „judenfrei“. Die schweizerischen Behörden schritten allerdings nicht ein und ließen ihn tatenlos gewähren, selbst als Alexander eine Polarisation unter Patienten, Mitarbeitern und der ortsansässigen Bevölkerung erwirkte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm das Schicksal seinen Lauf, der Untergang des „Deutschen Hauses“ war nicht mehr aufzuhalten. Ein wesentlicher Grund dafür war auch jener, das Tuberkulose fortan mit Antibiotika bekämpft werden konnte und man keine Sanatorien für einen langen, stationären Aufenthalt der Patienten mehr brauchte. 1969 erfolgte die schlussendliche Schließung.

Deutsches Haus heute

Resort Collina d’Oro in Agra. Foto: Hadi/CC BY-SA 4.0

Ein Schweizer Unternehmer kaufte die ruinöse Immobilie im Jahr 2004, um aus dieser ein Wellnesshotel entstehen zu lassen. Nach jahrelangem Bewilligungsverfahren bekam Tarchini im September 2009 die Genehmigung von Gemeinde und Kanton, den Umbau unter der Erhaltung der historischen Bausubstanz durchführen zu dürfen. Über die Jahre wurde das einstige „Deutsche Haus“ saniert und Teile rekonstruiert. Eine Parkanlage entstand ebenfalls neu. 2012 eröffnete die Immobilie unter dem Namen „Resort Collina d’Oro“ neu.

1 Kommentar

  1. Gut man kann da geteilter Meinung sein ……zum einen :Abriss um die Vergangenheit des Gebäudes zu vertuschen oder zu löschen anderseits ist es doch schön wenn sich ein Investor findet der was daraus macht.
    Das Gebäude kann nichts für seine Vergangenheit und es dem Verfall preiszugeben …….ich weiß nicht , glaube da ist die Hotel – „Lösung“ doch positiv .

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