Denkmalgeschützte City-Hochhäuser sollen weg

Vier Hochhäuser des City-Hofes. Foto: Ajepbah/CC BY-SA 3.0

Hamburg (aw). Die Stadt Hamburg ignoriert alle Empfehlungen einer Expertenkommission und will die unter Denkmalschutz stehenden City-Hochhäuser in der Nähe des Hamburger Weltkulturerbes Kontorhausviertel abreißen lassen. Die Mitteilung der Stadt am vergangenen Mittwoch löste ein überregionales Entsetzen aus. Für die Denkmalschützer gelten die vier grauen Hochhäuser aus den 1950er-Jahren als ein herausragendes Beispiel für den Wiederaufbau Deutschlands und ihre späte Fassadenverkleidung sei ein exemplarischer Umgang mit der Nachkriegsarchitektur. Experten gehen noch einen Schritt weiter und bescheinigen den Hochhäusern eine Strahlkraft für die ganze Bundesrepublik.

Erst im vergangenen Herbst hatten Experten – trotz beschlossenem Abbruch – die Bauten untersucht und kamen zum Ergebnis, dass es empfehlenswert sei, selbige zu erhalten und zu renovieren. Damit bestätigen die Experten die Denkmalschützer, die auch die UNESCO beraten. Der City-Hof gelte zwar nur als Kontrast zum eigentlichen Weltkulturerbe, dennoch bilden der Bruch mit der Backstein-Bautradition und die moderne Formensprache der Hochhäuser einen bewussten Schnitt zum Kontorhausviertel. Der Architekt des City-Hofs, Rudolf Klophaus, hatte vor dem Zweiten Weltkrieg einige Bauten des Kontorhausviertels bauen lassen. Weil Backstein-Ziegel jedoch auch in Konzentrationslagern produziert wurden, verzichtete er nach dem Krieg auf dessen Verwendung.

Obwohl das Beratergremium Icomos in einer Stellungnahme den Abbruch zwar bedauert, sieht es jedoch keine Gefährdung des Welterbestatus. Icomos hätte der UNESCO empfehlen können, sich während der anstehenden Tagung in Baku/Aserbaidschan im Sommer mit der aktuellen Situation in Hamburg zu befassen. Großes Unverständnis äußerte diesbezüglich, neben den Denkmalschützern, auch die Interessensgemeinschaft zum Erhalt der City Höfe.

Ratlosigkeit nach Entscheidung

Doch die aktuelle Situation wirkt aussichtslos. Selbst der frühere Erste Bürgermeister Olaf Scholz (SPD; heute Bundesfinanzminister) befürwortete den Abbruch seiner Zeit. Klar, dass auch sein Nachfolger Peter Tschentscher (SPD) das Bauvorhaben konsequent vorantreibt. Immerhin spült der Grundstücksverkauf über 35 Millionen Euro in die Stadtkasse. Doch mit dem Abbruch riskiert die Stadt eine jahrelange Baulücke mitten in der Stadt, vermutet die Vorsitzende des Denkmalschutzvereins, Kristina Sassenscheidt. Mit dieser aktuellen Entscheidung der Stadt sendet man ein negatives Signal an private Eigentümer und schadet dem Denkmalschutz in Hamburg massiv, so Sassenscheidt.

Geplant ist auf dem Areal, wo jetzt noch die geschützten Hochhäuser stehen, ein gewaltiger Neubau: ein Gebäuderiegel, der aus drei einzelnen Häusern für ein 4-Sterne-Hotel besteht, geförderte und freifinanzierte Mietwohnungen beinhaltet und diverse Büroflächen. Einzelhandel, Gastronomie und Kultur soll im Erdgeschoss einziehen. Hoch oben ist ein Kindergarten mit Dachterrasse geplant. Die Stadt Hamburg hatte seit vielen Jahren Pläne für den City-Hof, stellte diesen 2013 unter Denkmalschutz. Übrigens mit ähnlichen Argumenten wie die Denkmalexperten. Jetzt beschloss sie den Abbruch.

City-Hof

Die vier durch eine Ladenpassage verbundenen und quer zur Straße ausgerichteten Hochhausscheiben gehörten zu den ersten Hochhäusern, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Hamburg gebaut wurden. Sie sind typische Bauten der internationalen Nachkriegsmoderne. Ursprünglich mit einer hellen Keramikfassade ausgestattet, wurden sie in den 1970er-Jahren mit grauen Faserzementplatten verkleidet. Das Grundstück gehört seit 2006 der Stadt Hamburg.

In den 1970er-Jahren nahm man optische Veränderungen am Gebäudekomplex vor. 1972 wurden die hölzernen Schwingfenster durch weiße Kunststofffenster ersetzt, 1977 wurden über den durch die Witterung beschädigten Keramik-Platten der Fassaden Eternit-Platten angebracht. Bis 2017 diente der City-Hof vorwiegend noch als Verwaltungsgebäude des Bezirksamtes Hamburg-Mitte und steht seitdem leer. Im März 2018 erteilte die Stadt Hamburg die Abrissgenehmigung.

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