Das Bunte muss ins Dreckige: Ibug zieht die Massen an

Impression von der Ibug 2017 in der ehemaligen SPEMAFA. Foto: André Winternitz

Chemnitz (aw). Die zwölfte Auflage der Industriebrachen-Umgestaltung (Ibug) fand diesjährig im sächsischen Manchester statt und zog neben 120 Künstlern aus 19 Ländern Tausende Besucher in die ehemalige Spezialmaschinenfabrik (kurz „SPEMAFA“) nahe des Chemnitzer Bahnhofs. Der Normalbürger kennt, sofern er denn ein Freund des gepflegten Ballspiels ist, den Slogan „Das Runde muss ins Eckige“. Da man in Chemnitz ungerne weichgespülte Slogans schätzt, kreierte man kurzerhand den Claim „Das Bunte muss ins Eckige.“ In dieses Format reihte sich das Internationale StreetArt-Festival Ibug nahtlos ein.

Vor zwei Jahren hatten die Veranstalter der Ibug Kontakt zur Stadt Chemnitz aufgenommen und stießen sofort auf offene Ohren und eine breite Unterstützung. Wie in den Vorjahren in Zwickau verfügt die Stadt Chemnitz über zwei wesentliche Komponenten, die eine Veranstaltung wie die Ibug benötigt: große Industriebrachen und die Bereitschaft zur Kunst im öffentlichen Raum. Bevor jedoch die Künstler die Industrieruine stürmen und die großzügigen, aber auch verwinkelten Räume mit ihrem Können zu einer sehenswerten Kunstausstellung umwandeln konnten, hatte das Organisationsteam viele Wochen Vorarbeit. Brandschutzbestimmungen und Sicherheitsauflagen mussten erfüllt, Strom und Wasser bereitgestellt werden.

Ab 1889 stellten in der SPEMAFA die Unger-Brüder Spezialmaschinen für die Fleischindustrie her, im Zweiten Weltkrieg mussten Zwangsarbeiter Granaten produzieren. 1946 wurde die Produktion von Maschinen wieder aufgenommen. Seit 1993 liegt die imposante Fabrikruine im Dornröschenschlaf und wartet auf eine Neu- bzw. Umnutzung. Da ist es schon äußerst sinnvoll, wenn auch – vorerst – nur an zwei Wochenenden, neues Leben in die staubigen Räume mit ihrem bröckelnden Putz einkehrte.

Die Verwandlung ist den Organisatoren und Künstlern auf jeden Fall mehr als gelungen. Großformatige Wandbilder, quietschbunte Zeichnungen und Graffitis – davon einige provokant und politisch – aber auch filigrane Installationen und Animationen tauchten die einstige SPEMAFA in ein völlig neues Licht und ließen diese im wahrsten Sinne des Wortes erblühen. Letzteres wünscht sich auch der Eigentümer der Industrieruine, der hier zukünftig gerne eine Mischung aus Kultur, Handel oder vielleicht einem Kindergarten sehen würde. Klaus Marte war auch während der Ibug vor Ort und half fleißig mit. Marte hofft, dass die Ibug ein Stück weit den Weg geebnet hat, für eine „kleine, lebendige Stadt in der Großstadt“, wie er selber sagt.

Die Stimmung unter den Künstlern und Kreativen vor und während der Veranstaltung beschreibt der Ibug-Sprecher Michael Lippold als „besonders gut und wie im Ferienlager“. Und: Selbst wer in den Vorjahren die Ibug besucht hat, wird jedes Jahr aufs Neue überrascht. Dafür sorgen nicht nur die unterschiedlichen Locations mit ihren jeweiligen Gegebenheiten und dem ruinösen Charme, sondern in erster Linie die künstlerische Kreativität der Teilnehmer. Auch das Niveau ist nicht gleichbleibend stark, es ist konsequent steigend.

Weitere Information rund um das Kunstfestival unter www.ibug-art.de.

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