Cambrai-Fritsch-Kaserne und Jefferson-Siedlung verkauft

Das Areal der ehemaligen Cambrai-Fritsch-Kaserne im Süden Darmstadts. Foto: BImA/Luftbildverlag Bertram GmbH

Darmstadt (aw). Bonn/Darmstadt (aw). Neuen Wohnraum für 3.000 Menschen schaffen – dieses Ziel verfolgen die Stadt Darmstadt und ihr kommunales Wohnungsbauunternehmen, die bauverein AG Darmstadt, mit dem Kauf der ehemaligen Cambrai-Fritsch-Kaserne und der Jefferson-Siedlung. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) als bisherige Eigentümerin veräußerte das rund 34 Hektar große Areal in bester Lage der Wissenschaftsstadt jetzt an die BVD New Living GmbH & Co. KG (BVD), ein Tochterunternehmen der bauverein AG.

Nach dem Vorbild der bereits 2014 verkauften ehemaligen amerikanischen Lincoln-Wohnsiedlung sollen die Liegenschaften im Auftrag der Stadt entwickelt werden. Die BImA leistete auch bei diesem Verkauf ihren Beitrag zur Wohnraumoffensive der Bundesregierung, indem sie für 630 im sozialen Wohnungsbau geplante Wohneinheiten einen Kaufpreisnachlass von 15,6 Millionen Euro gewährte.

Nachdem die BImA und die Stadt Darmstadt den Verkauf des ehemaligen Kasernenareals intensiv vorbereitet hatten, nahm die BVD als städtisches Wohnungsbauunternehmen das kommunale Erstzugriffsrecht wahr und erwarb die Grundstücke. Dort sollen nun großflächig drin­gend benötigte Wohnungen entstehen. Zum Hintergrund: Das Kasernengelände Cambrai-Fritsch im Süden Darmstadts wurde in den 1930er Jahren bebaut und im Herbst 1938 von der Wehrmacht bezogen. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges nutzten die dort stationierten US-Truppen das Gelände weiter. Die angrenzende Jefferson-Wohnsiedlung entstand dann ab dem Frühjahr 1951 für Angehörige der amerikanischen Soldaten. Die US-Armee gab schließlich den direkt am Waldrand sowie am Fuße der Ludwigshöhe gelegenen Militärstandort im Jahr 2008 auf.

25 Prozent der neuen Wohnungen für den sozialen Wohnungsbau

Mit der Unterzeichnung des Kaufvertrages geht die Konversion in Darmstadt in die nächste Runde. Für den neuen Stadtteil übernimmt die BVD als Projektentwicklerin die Erschließung und die Umwandlung des Geländes, und zwar in enger Kooperation mit der Stadt und der bauverein AG. Dabei werden für den Wohnungsbau etwa 15 Hektar genutzt. Weitere große Teile des Geländes sind als Verkehrs-, Biotop, Wald- oder Artenschutzfläche vorgesehen. Insgesamt sollen dort 3.000 Menschen in 1.400 Wohnungen ein neues Zuhause finden.

Den künftigen Bewohnern werden in dem neuen Stadtquartier auch Gemeinschaftseinrichtungen wie eine Grundschule, mehrere Kindergärten und ein Nahversorgungszentrum zur Verfügung stehen. Von der vorhandenen Bebauung bleibt lediglich ein Carré mit vier unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden erhalten. 25 Prozent der neu entstehenden Wohnungen sind für den sozialen Wohnungsbau vorgesehen, weitere 20 Prozent für Empfänger mittlerer Einkommen. Neben dem Land Hessen und der Stadt fördert auch die BImA als das zentrale Immobilienunternehmen des Bundes im Rahmen der Verbilligungsrichtlinie den Bau von 630 Wohneinheiten – in Form eines Kaufpreisnachlasses von 15,6 Millionen Euro.

Stadt erstellt derzeit Bebauungsplan

Wie bereits bei der gegenübergelegenen Lincoln-Wohnsiedlung wird auch von diesem Areal ein Teil der Grundstücke an Investoren verkauft. Ein weiterer Teil wird für den eigenen Bestand der städtischen Tochter bauverein AG entwickelt. Da für die Jefferson-Siedlung und die Cambrai-Fritsch-Kaserne kein Baurecht vorliegt, erstellt die Stadtplanung derzeit einen Bebauungsplan. Als Grundlage dient das von dem Frankfurter Architektur- und Planungsunternehmen AS+P Albert Speer + Partner GmbH entwickelte Konzept.

Ein neuer Stadtteil kann entstehen

Stadt und bauverein AG zeigten sich nach Vertragsschluss zufrieden und gaben einen optimistischen Ausblick: „Durch den Erwerb des Cambrai-Fritsch-Geländes und der Jefferson-Siedlung von der BImA stehen uns nach intensiven Gesprächen und Verhandlun­gen mit der Vertragsunterzeichnung die nächsten Flächen zur Entwicklung eines weiteren neuen, modernen und lebenswerten Darmstädter Wohnquartiers zur Verfügung“, erläuterten Oberbürgermeister Jochen Partsch und Baudezernentin Dr. Barbara Boczek.

BImA gewährt bislang höchste Verbilligung in einem Einzelfall

Auch für die BImA ist der Verkauf ein großer Erfolg: „Das nun verkaufte Gelände bietet eine hervorragende und einmalige Möglichkeit, ein neues, modernes Stadtquartier auf hohem städtebaulichem Niveau entstehen zu lassen“, sagte Claus Niebelschütz, Leiter der Hauptstelle Koblenz des Geschäftsbereiches Verkauf. „Die BImA setzt auch hier die Vorgaben der Bundesregierung um und fördert den Bau von preisgünstigem Wohnraum.“ Der deutlich zweistellige Millionenbetrag ist die bundesweit bislang höchste Verbilligung, die die Bundesanstalt in einem Einzelfall gewährt hat.

Name für neues Stadtquartier gesucht

Dem Verkauf müssen nun noch der Bundestag und der Bundesrat zustimmen. Seitens der Stadt gilt es, auf der Grundlage des bereits entwickelten Konzeptes einen Bebauungsplan zu erstellen. Anfang 2020 könnten die Bauarbeiten beginnen. Für das neue Quartier sucht die Stadt mit einem von ihr initiierten Wettbewerb übrigens noch einen Namen.

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