Bundeswehrkrankenhaus Detmold

Das Bundeswehrkrankenhaus Detmold war eines von ehemals 15 Bundeswehrkrankenhäusern, existierte als Dienststelle von 1957 bis 1993 im Ortsteil Detmold-Nord. Es besaß seinerzeit die größte HNO-Abteilung aller Bundeswehrkrankenhäuser. Die noch in Teilen militärisch genutzte Liegenschaft wird von den Bürgern der Stadt Detmold bis zum heutigen Tage das Lazarett genannt.

Das Bundeswehrkrankenhaus wurde von 1936 bis 1938 als Standortlazarett für die damalige Wehrmacht errichtet, und zwar direkt neben der seinerzeit als Werre-Kaserne genutzten Strafvollzugsanstalt. Während des Zweiten Weltkrieges diente die Liegenschaft des späteren Bundeswehrkrankenhauses als Reservelazarett. Nach Kriegsende wurde es von dem damals neu gegründeten Landesverband Lippe, der es als Landeskrankenhaus II nutzte, übernommen. 1954 übergab der Landesverband seine Krankenhäuser an den damaligen Landkreis Detmold, wobei das Lazarett Zweigstelle des Kreiskrankenhauses wurde. Im Jahr 1957 erhielt zunächst der Ostteil des Hauses die Freigabe für die Nutzung durch die Bundeswehr bis dann im Jahr 1968 das Gesamtgebäude an die Bundeswehr übergeben wurde. Am 14. Oktober 1981 erfolgte die Einweihung der zwischenzeitlich als Flüchtlingslager genutzten und 1977 von den britischen Streitkräften freigegebenen Werre-Kaserne als Bundeswehrapotheke, die auch räumlich in die Liegenschaft des Bundeswehrkrankenhauses eingegliedert wurde.

Anfang der 1990er Jahre fiel im Rahmen der Truppenreduzierung die Entscheidung, das Bundeswehrkrankenhaus Detmold zugunsten des Bundeswehrkrankenhauses Hamm aufzugeben. Das Bundeswehrkrankenhaus Detmold wurde im Rahmen der Einnahme der Organisationsstruktur „ZSanDBw 370“ zum 1. November 1993 aufgelöst. Die ehemalige Bundeswehrapotheke wurde veräußert und wird jetzt von der Abteilung Pharmazietechnik der Hochschule Ostwestfalen-Lippe genutzt.

Mittelteil und Ostflügel des Krankenhaushauptgebäudes, sowie das Verwaltungsgebäude und das Unterkunftsgebäude waren zwischenzeitlich für eine Folgenutzung durch andere Dienststellen der Bundeswehr vorgesehen (VBK 35, KWEA Detmold), die jedoch zwischenzeitlich aufgelöst wurden. Außerdem war die Nutzung als Psychiatrie bzw. als Teil der Detmolder Hochschule für Musik geplant. Da auch diese Vorhaben nicht realisiert wurden, erfolgt hier bis zum heutigen Tage keine Immoblienentwicklung, was bei einer derartigen Immobilienlage und einem derart langen Zeitraum ungewöhnlich ist. Die Gebäudeteile werden sporadisch von der Bundeswehr, Polizei und THW als Übungsgelände genutzt.

Es verblieben in dem rund 30 % des Hauptgebäudes umfassenden Westflügel vier ambulante Facharztgruppen (Dermatologie, HNO und Augenheilkunde, Chirurgie und Orthopädie) sowie Physiotherapie, eine Röntgenabteilung und ein Labor. Sie wurden zu einem neu gegründeten Facharztzentrum der Bundeswehr zusammengefasst, welches bis zur Schließung des Bundeswehrkrankenhauses Hamm als dessen Außenstelle fungierte, und anschließend als Teileinheit in das Fachsanitätszentrum Augustdorf überführt wurde. Heute umfasst das Leistungsspektrum der als Facharztgruppe des Fachsanitätszentrum Augustdorf bezeichneten Dienststelle fachärztliche Untersuchungen in den Bereichen Innere Medizin, Dermatologie, Augenheilkunde und Chirurgie/Orthopädie sowie eine Physiotherapie und eine Röntgenabteilung. Auch das Ärztehaus zwischen Hauptgebäude und ehemaliger Bundeswehrapotheke verblieb noch in Nutzung, und zwar als Unterkunftsgebäude. Die genutzten Gebäudeteile wurden 1998 saniert und unterscheiden sich seither deutlich von dem nicht mehr genutzten Bereich. Im Rahmen der Konzentration von Bundeswehrdienststellen auf Großstandorte war zunächst geplant, die Facharztgruppe 2011 nach Augustdorf zu verlagern. Dies wurde jedoch nicht umgesetzt, so dass der derzeitige Zustand bis auf weiteres fortbesteht. Die Gebäudereinigung für das Gebäude wurde mit einer Laufzeit von 2010 bis 2014 ausgeschrieben.

Im Juni 2013 wurde vermeldet, dass der Chef der Schuh-Wortmann-Gruppe das Gelände des alten Detmolder Bundeswehrkrankenhauses in Verlängerung der Detmolder Heldmanstraße gekauft hat und darauf neue Wohnhäuser bauen. Unter dem Projekttitel „Werreterrassen“ und in Top-Lage hatte der Unternehmer das rund vier Hektar große Areal für mehr als zwei Millionen Euro gekauft und möchte einen zweisteligen Millionenbetrag investieren.

2014 begannen die ausführlichen Entkernungsarbeiten, 2015 waren die Abbrucharbeiten nahezu abgeschlossen. Entstehen werden hier Stadtvillen, Mehrfamilienwohnhäuser, Einzelhäuser und ein Pflegeheim mit Tagespflegeplätzen und Wohngruppen.

Quellen: Wikipedia, Neue Westfälische, Wortmann-Gruppe

Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 07.10.2013
Letzte Änderung am 03.08.2016

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André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.

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