Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege in NRW verliehen

Preisverleihung in Düsseldorf mit Ministerpräsident Armin Laschet. Foto: Land NRW / M. Hermenau

Düsseldorf (dsd/aw). Mit dem „Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege“ wurden am jetzt neun Denkmaleigentümer und 37 Handwerker unterschiedlicher Gewerke aus Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Die Festrede bei der Preisverleihung in der Halle am Wasserturm, in Düsseldorf hielt Ministerpräsident Armin Laschet. Die Preisverleihung erfolgte zusammen mit dem Präsidenten des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer, und Dr. Steffen Skudelny, Vorstand der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Der von der Stiftung gemeinsam mit dem Zentralverband gestiftete Preis wird jährlich in zwei Bundesländern an private Eigentümer verliehen, die bei der Bewahrung ihres Denkmals in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Handwerk Herausragendes geleistet haben.

Die an den Restaurierungsmaßnahmen beteiligten Handwerksbetriebe wurden mit Ehrenurkunden ausgezeichnet, für die privaten Denkmaleigentümer ist der Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege pro Bundesland mit jeweils 15.000 Euro dotiert. Im Jahr 2017 wurde der Preis in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Berlin ausgeschrieben, 2018 stehen Hamburg und Rheinland-Pfalz an.

Die aus Vertretern des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland sowie der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen, der Architektenkammer, des Westdeutschen Handwerkskammertags, der Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld, des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bestehende Jury betonte die allgemeine Qualität der eingereichten Projekte sowie der beteiligten Handwerker und Architekten.

Die Preisträger und ihre Handwerker

Mit einem ersten Preis (Dotierung 3.000 Euro) ausgezeichnet:

Burg Herstelle
Carolus-Magnus-Str. 10, 37688 Beverungen

Die bis ins 12. Jahrhundert zurückreichende Burg Herstelle ist eine landschaftsprägende Anlage auf einem Felsplateau hoch über dem Wesertal. Das steinsichtige Hauptgebäude und der zugehörige Rundturm wurden 1826-32 errichtet. Von 1981 bis 2006 standen die Gebäude leer, die Bausubstanz wurde vernachlässigt und einige Umnutzungsideen scheiterten. Als neue Eigentümer begannen Petra Sporbeck-Hörning und Martin Hörning ab 2010 die schrittweise Renovierung des Gebäudes, das sich als sehr marode herausstellte. Mit langem Atem und der behutsamen Wiederherstellung der originalen Substanz mit all ihren Gebrauchsspuren sowie vorsichtigen Ergän­zungen für moderne Nutzungsanforderungen ist eine vorbildliche denkmalpflegerische Maßnahme entstanden.

Die vertrauensvolle und anregende Zu­sammenarbeit von Eigentümer, Denkmalpflege und Handwerkern lässt sich in allen Bereichen erkennen. Die Jury zeichnet dafür Petra Sporbeck-Hörning und Martin Hörning mit einem 1. Preis aus. Für die noch anstehenden Arbeiten am anschließenden Amtshaus wünscht die Jury weiterhin eine so glückliche Hand wie auch beim Erfolg bei der Nutzung des Palas, der die bauzeitliche Nutzung als kultureller Mittelpunkt der Region wieder aufgreift.

Architekten: Klaus & Brigitte Fauerbach – Architektur&Immobilien
Ferdinande-von-Brackel-Str. 12, 34414 Warburg-Welda

HANDWERKER
Dachdecker: Josef Müller GmbH & Co. KG Bedachungen
Entrup-Hauptstr. 9, 33039 Nieheim

Zimmerer: Dirk Marx Zimmermeister & Restaurator
Sonnenbreite 6, 37688 Beverungen

Steinmetz und Steinbildhauer: Wachenfeld Natursteinwerk GmbH
Am Steinbruch 10, 34471 Volkmarsen-Külte

Tischler: Tischlermeister Helmut Dewenter
Blankenauer Str. 6, 37688 Beverungen
Burkhard Ulrich

Tischlerei und Fensterbau
Schlingweg 1, 33034 Brakel-Bellersen

Maler und Lackierer: ars colendi GmbH
Friedrich-List-Str. 25, 33100 Paderborn

Gerüstbauer: Willi Nolte
Sebastianstr. 16, 34434 Borgentreich

Metallbauer: Kronenberg Stahl- & Metallbau
Christian Frewer
Stahl- und Metallbau
Heristalstr. 24, 37688 Beverungen-Herstelle

Mit einem ersten Preis (Dotierung 3.000 Euro) ausgezeichnet:

Wohn- und Bürohaus Deilmann
Jessingstr. 11+13, 48149 Münster

Mit der Übernahme des 1957 erbauten Arbeits- und Wohnhauses von Harald Deilmann durch Eva Lütke Siestrup und Günter Schiffers hat dieser bedeutende Architektenbau eine neue Zukunft. Mit großer Liebe zum Detail und großartiger handwerklicher Leistung wurden die ursprünglichen Qualitäten des Baus wieder herausgearbeitet. Gleichzeitig wurden bauzeitliche Fehler behoben und substanzschonend ausgeglichen. Dabei wurde mit moderner Technik und gleichzeitig mit historischen Materialien das Gebäude energetisch saniert und geschickte handwerkliche Lösungen auch für ungewöhnliche Aufgabenstellungen entwickelt. Die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten ist an dem vorbildlichen Ergebnis spürbar, das mit einem 1. Preis ausgezeichnet wird.

Architekt: Martin Olbrich
Rüpingstr. 25, 48151 Münster

HANDWERKER

Maurer und Betonbauer: Brunsmann Treppenbau GmbH & Co.KG
Kemnader Feld 11, 49084 Osnabrück

Willi Rosendahl
Adlerstr. 39a, 48268 Greven

Metallbauer: Hegemann Metallbau GmbH & Co. KG
Industrieweg 16, 48493 Wettringen

Installateur und Heizungsbauer: K&K Heizung/Sanitär GmbH
Bahnhofstr. 19, 48268 Greven/Reckenfeld

Tischler: Kramp & Kramp GmbH + Co. KG
Die Altbauspezialisten für Innen + Außen
Werkstr. 3, 32657 Lemgo-Lieme

Tischlerei Venker
Emsdettener Landstr. 64, 48268 Greven

Elektrotechniker: Elektro-Goldbeck GmbH
Alte Münsterstr. 9, 49477 Ibbenbüren

Mit einem zweiten Preis (Dotierung 2.500 Euro) ausgezeichnet:

Torhaus
Kommende 10, 48565 Steinfurt

Zimmer im Torhaus in Steinfurt. Foto: M.L. Preiss / Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Das Torhaus der Kommende Steinfurt mit seinem Fachwerkgefüge von 1146 und massiven Erweiterungen von 1606 und um 1830 wurde seit 2009 nicht mehr bewohnt. Durch die Fürst zu Bentheimsche Domänenkammer wurde es nun einer neuen Nutzung als Architekturbüro zugeführt. Auf der Grundlage einer sorgfältigen Bestandsdokumentation wurde eine Sanierung vorgenommen, bei der neben dem größtmöglichen Erhalt der historischen Bausubstanz auch eine energetische Optimierung, eine statische Ertüchtigung der Decken und Dachstühle und eine komplett diffusionsoffene Bauweise durch den Einbau natürlicher Baustoffe wie Kalk, Lehm und Holz sowie den Verzicht auf sperrende Baufolien oder Zementmörtel gelungen ist. Die vorsichtige Anpassung an eine zeitgemäße Büronutzung wurde in hervorragender handwerklicher Leistung sowohl mit historischen als auch modernen Materialien und Techniken umgesetzt. Unter der Anleitung eines in der Denkmalpflege erfahrenen Architekturbüros konnte so ein für den Ort und das Ensemble wichtiger Bau für lange Zeit wieder instand gesetzt werden. Dies zeichnet die Jury mit einem 2. Preis aus.

Architekt: Bernhard Wilhelm Bücker
Fürst zu Bentheimsche Domänenkammer
Burgstr. 16, 48565 Steinfurt

Christoph Achterkamp
Kommende 10, 48565 Steinfurt

HANDWERKER

Zimmerer: Gebr. Busmann Holzbau GmbH
Nordring 60, 48465 Schüttorf

Tischler: Tischlerei Telgmann
Leerer Str. 117, 48565 Steinfurt

Steinmetz und Steinbildhauer: Werner Schlüter GmbH & Co. KG
Albersloher Str. 39, 48317 Drensteinfurt

Lehmbauer: Holz- und Lehmbau Kunze
Horstmersch 20, 49545 Tecklenburg

Elektrotechniker: Elektro de Witte GmbH
Jürgenstr. 13-15, 48465 Schüttorf

Mit einem zweiten Preis (Dotierung 2.500 Euro) ausgezeichnet:

Wohnhaus
Friedrich-Pieper-Str. 18, 32760 Detmold

Mit großem Enthusiasmus und langem Atem haben Angelika und Dr. Immo Niebel mit dem Wohnhaus von 1912 in Detmold ihr Denkmal wiederhergestellt. Das in vielen Bereich in schlechtem, aber originalem Zustand erhaltene Haus im Heimatstil wurde in enger Absprache und kontinuierlicher Betreuung durch Denkmalbehörde und Denkmalpflegeamt sowie mit hervorragenden Handwerksbetrieben wieder zu einem weithin ausstrahlenden Schmuckstück gemacht. Durch wenige behutsame und geschickte Eingriffe konnte das Gebäude modernen Ansprüchen und energetischen Vorgaben angepasst werden. Die Auszeichnung mit einem 2. Preis für die vorbildliche Herangehensweise des Ehepaars Niebel ist nicht zuletzt der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten zu verdanken, die in Detmold erfahrungsgemäß anzutreffen ist. Die Jury hofft, dass die Arbeiten weiter ins Umfeld ausstrahlen.

Architekt: Breido Merwitz
MERWITZ GmbH & Co. KG
Architekten Ingenieure Generalplaner
Bandelstr. 2, 32756 Detmold

HANDWERKER:

Zimmerei: Heiko Engelhardt
Zimmerermeister & Techniker für Baudenkmalpflege
Wall 9, 32756 Detmold

Tischler: Volker Hilmert
Zimmerei und Bautischlerei
Selbecker Str. 14, 32825 Blomberg

Maler und Lackierer: Rehm Malermeister GmbH
Pivitsheider Str. 51, 32832 Augustdorf

Tischler: Meisterbetrieb Tischlerei Cordes
Ökologischer Innenausbau
Horstweg 85, 32657 Lemgo-Wiembeck

Gerüstbauer: H. Vogelsmeier
Gerüstbau – Gerüstverleih
Wilberger Str. 70A, 32805 Horn-Bad Meinberg

Fliesen-, Platten und Mosaikleger:
Filippo D´Amico
Leihbühl 31, 33165 Lichtenau

Installateur und Heizungsbauer: Puhle Sanitär- und Heizungstechnik GmbH
Ernststr. 20, 32756 Detmold

Mit einem dritten Preis (Dotierung 2.000 Euro) ausgezeichnet:

Fachwerk-Wohnhaus
Roggenmarkt 8, 59368 Werne

Der in seiner Statik bereits schwer geschädigte Fachwerkbau am Roggenmarkt in Werne hat durch die Begeisterung des Ehepaares Schumpich für das Denkmal eine neue Zukunft erhalten. Mit der kompetenten Unterstützung erfahrener Handwerker und in enger Absprache mit der Unteren Denkmal­schutzbehörde wurde die Fachwerkkonstruktion wiederhergestellt und das Gebäude behutsam mit modernem Wohnkomfort ausgestattet. Damit wurde aus einem der wenigen original erhaltenen Fachwerkbauten, der von der Öffentlichkeit bereits als „Schandfleck“ wahrgenommen wurde, wieder ein Blickfang in zentraler Lage. Dieses eindrucksvolle Engagement wird von der Jury mit einem 3. Preis ausgezeichnet.

HANDWERKER:

Maurer- und Betonbauer und Zimmerer: Bauhütte Knepper GmbH
Williburgstr. 10, 44359 Dortmund

Tischler: Mühlenhof-Restaurierungen GmbH
Attelner Str. 32, 33165 Lichtenau

Heizungsbauer: Sonnen- und Windenergieanlagenbau GmbH
Karl-Hermann-Str. 14, 45701 Herten

Elektrotechniker: Elektro Egon Ribhegge GmbH
Kamener Str. 10, 59368 Werne

Mit einem dritten Preis (Dotierung 2.000 Euro) ausgezeichnet:

Wohn- und Geschäftshäuser
Sechzigstr. 23+25, 50733 Köln

Die über viele Jahre verwohnten und von Sanierungsrückstaus gezeichneten Gebäude Nr. 23 und 25 in Ecklage von Sechzigstraße und Zonser Straße bilden durch ihre Ecklage ein straßenprägendes Ensemble in Köln-Nippes. Mit der mutigen Übernahme und behutsamen Wiederherstellung durch die Baugemeinschaft Sechzigstraße ist in dem sich entwickelnden Quartier ein Zeichen gesetzt worden. Die behutsame und den vorhandenen Bestand wieder sichtbar machende Vorgehensweise wurde in hoher handwerklicher Qualität umgesetzt. Mit den vorsichtigen und kostengünstigen Maßnahmen konnten in zentraler Stadtlage attraktive Wohn- und Geschäftsräume wiedergewonnen werden. Die Eigentümer haben gezeigt, wie nach einer gründlichen Bauaufnahme und in enger Absprache mit Denkmalbehörde und Denkmalpflegeamt sowie unter Einbindung erfahrener Handwerker gute Denkmal­pflege betrieben werden kann. Dafür erhält die Baugemeinschaft Sechzigstraße GbR einen 3. Preis.

HANDWERKER:

Tischler: Christian Baldemair
Kemperbachstr. 30, 51069 Köln

Tischler, Bodenleger, Parkettleger: Tischlerei Kibies
Techniker der Baudenkmalpflege
Sechzigstr. 25, 50733 Köln

Parkettleger Rund ums Holz
Christoph Rolfs
Thurner Str. 20, 51069 Köln

Maurer: Stöcker NaturBauKonzepte
Kaltenherberg 42a, 51399 Burscheid

Installateur und Heizungsbauer: Arnscheidt Sanitär und Heizungs GmbH
Feldmühlenstr. 28, 53859 Niederkassel

SONDERPREIS:

Industriehalle Alte Dreherei
Am Schloss Broich 50, 45479 Mülheim an der Ruhr

Die bereits zum Abriss vorgesehene Alte Dreherei zählt zu den eindrucksvollen Zeugnissen des ehemaligen Eisenbahnwerks von 1874 der Rheinischen Bahn in Mülheim an der Ruhr. Durch den unermüdlichen und engagierten Einsatz des für den Erhalt der Alten Dreherei gegründeten Trägervereins Haus der Vereine konnte nicht nur der Abriss verhindert, sondern auch für die Wiederbelebung des Areals gesorgt werden. Unter Anleitung versierter Handwer­ker gewannen die Vereinsmitglieder eine außergewöhnliche Hallenkonstruktion wieder und schufen sich so auch den Raum für ihr reges Vereinsleben. Dieses vorbildliche bürgerschaftliche Engagement zeichnet die Jury mit einem Sonderpreis aus.

Architekt: Dipl.-Ing. Rainer Dittrich
Planungsgesellschaft mbH
Reichspräsidentenstr. 21-25, 45470 Mülheim an der Ruhr

SONDERPREIS

Ehem. Leibzucht
Meierhof Heepen, Heeper Str. 364, 33719 Bielefeld

Meierhof Heepen, die ehemalige Leibzucht in Bielefeld. Foto: M.L. Preiss / Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Die bereits schwer geschädigte ehemalige Leibzucht Meierhof Heepen von 1814-1816 ist dank der Naturfreunde Bielefeld nicht nur gerettet, sondern auch wieder mit Leben gefüllt. Unter ehrenamtlicher Anleitung fachlich versierter Handwerker konnten junge Menschen sich in geduldiger Eigenarbeit ein außergewöhnliches Vereinsheim schaffen. Die Heranführung junger Menschen an handwerkliche Techniken und Arbeitsweisen – auch als berufliche Möglichkeit – verdient in den Augen der Jury einen Sonderpreis.

Architekt: Pappert + Weichynik GmbH & Co. KG
Gerd Weichynik
Falkstr. 17, 33602 Bielefeld

HANDWERKERPREIS

Wallfahrtskapelle
Rodentelgenstr. 21, 59759 Arnsberg-Bruchhausen

Zimmerer: Zimmerei Huckenbeck
Postdamm 50, 48268 Greven-Schmedehausen

Einen ausführlichen, bebilderten Artikel lesen Sie in der kommenden, 20. Ausgabe unseres rottenplaces Magazins

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André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.

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