Buchbinderei & Druckerei Enke

1890/91 wurde die ehemalige Buchbinderei & Druckerei Enke im Auftrag des Maschinenfabrikanten Viktor Sterz errichtet. Heute befindet sich das Ensemble auf einem rund 8.000 Quadratmeter großen Areal und wird als die repräsentativste Fabrikarchitektur des Historismus in Cottbus bezeichnet. 1900 erwarb Otto Enke die Immobilie und gründete eine Geschäftsbücherfabrik mit Großbuchbinderei und Druckerei. Erstmals wurde der Fabrikbau auf der Südseite 1908 durch ein Eckgebäude erweitert, das bis zum Ostrower Platz reichte. 1919 kaufte Enke einen Teil des nördlich angrenzenden Geländes von dem Tuchfabrikanten Robert Förster, den er 1922/1923 bebauen ließ. 1924 wurde das Fabrikgebäude um sieben Achsen erweitert. Um 1920 nutzte die Lausitzer Landeszeitung Teile der Fabrikgebäude als Druckerei sowie als Verlagshaus. Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 erfolgte eine Demontage der Geschäftsbücherfabrik im Rahmen der Reparationsleistungen. Wechselnde Besitzer ließen in den Folgejahren die Fabrikgebäude zunehmend verfallen. Immer noch unsaniert, stehen die Gebäude leer. Neue Verwendungskonzepte, erstellt von der Eigentümerstandortgemeinschaft Ostrow (ESG), werden zur Zeit geprüft.

Beim Hauptgebäude handelt es sich um einen viergeschossigen, unverputzten Ziegelbau mit einem flachen Satteldach. Die zehnachsige Straßenseite zeigt einen vielschichtigen, streng axialen Wandaufbau mit neugotischen Dekorationsmotiven. Die beiden mittleren Stockwerke sind durch abgeschrägte, von Schmuckleisten, die Dreipassprofile besitzen, begleitete Sohlbankgesimse zusammengefasst. Die Mittelgeschossfenster werden von segmentbogigen abgeschlossenen Blendfeldern umrahmt. Das vierte Geschoss wird durch Pilaster belebt, die mit Rundstäben verziert sind. Über den Zahnschnittfries und Konsolfries befindet sich ein getrepptes Traufgesims. Alle Fenster haben einen Segmentbogenabschluss und profilierte Rahmungen. Im zweiten Obergeschoss wird die Brüstungsfläche durch eingelegte Formsteine, die mit einem Vierpassprofil versehen sind, hervorgehoben. Als Risalit ausgebildet mit Zinneinabschluss sind die beiden rechten Außenachsen.

Der im Süden angefügte Eckanbau ist eine Eisenbeton-Konstruktion, bei der erstmals Verblendklinker eingebaut wurden. Der achtachsige Seitenflügel an der Briesmannstraße ist flach gedeckt und der vierachsige am Ostrower Platz hat ein Berliner Dach. Die etwas höhere Gebäudeecke besitzt ein steiles Mansardwalm-Terrassendach. Die Gliederung der Straßenfassaden ähneln dem ersten Fabrikgebäude und sind mit weißen Putzblenden und Glasursteinen modifiziert. Die Abdeckung der Sohlbänke der mehrteiligen Segmentbogenfenster sind grün glasiert. Die Sturzzonen der Fenster des ersten Obergeschosses werden durch eine Reihung aus senkrechten Putzblenden akzentuiert. Im obersten Geschoss nehmen je zwei schmale Fenster die Achse der unteren Etage auf. Diese sind von Halbrundstäben aus alternierend gesetzten rot bzw. grün glasierten Formsteinen gefasst. Die Südfassade schmückt ein Seitenrisalit mit abgewalmten Zwerchdach.
Das Metalltor mit ausgesetzten Nietenfeldern und geometrischen Profilfeldern ermöglicht die Einfahrt von der Briesmannstraße aus. Das dritte und vierte Stockwerk wird aufgewertet durch aufwendige Lisenen, variierende Putzornamente und dekorative, mit Putzblenden und Glasursteinen geschmückte Rundtürmchen an den Hauskanten. Den Fassadenabschluss bildet mit einem Zinnenkranz ein kleines Walmdach mit abgeschlossenen Aufsatz. Der hinter der Traufe leicht zurückgesetzte Mansardbereich des Daches wird durch ein Fensterband hervorgehoben. An der Südseite des Eckbaus befindet sich die Mittelachse mit einem darüber befindlichen Zwerchhaus.

Der nördliche Erweiterungsbau besitzt ein Berliner Dach mit langgestreckten Seitenflügeln zum Hof. Seine Fassadengliederung sowie die Auswahl und Anordnung des Bauschmucks erfolgten nach dem Vorbild des Baus von 1908. Die mittleren vier Achsen sind von analog geschmückten Türmchen eingefasst, die einen zwerchhausartigen Aufsatz tragen. Dieser Aufsatz wird beidseitig flankiert von Dachschleppen.

Die Hoffronten sind durch eng gereihte Fensterachsen und Friesgesimse strukturiert. Die Stürze werden durch Rollschichten betont. Treppenhausrisalite beleben alle drei Gebäudeteile. Im Inneren sind Teile der hölzernen bzw. gusseisernen Tragwerke der Saaldecken und die Treppenanlagen erhalten. Ein Schornstein über einem polygonalen Sockel dominiert das eingeschossige Kesselhaus, das an dem Mittelbau angefügt ist.

Quellen: Wikipedia, LVZ, Denkmale in Brandenburg – Band 2.1: Stadt Cottbus,

Dokumenten Information
Copyright © rottenplaces 2016
Dokument erstellt am 23.02.2016
Letzte Änderung am 23.02.2016

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