Bodie – Die wüste und konservierte Geisterstadt

Geisterstadt Bodie. Foto: Uli 123/CC BY-SA 3.0
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Sie hat noch immer etwas von Goldgräber-Romantik und zieht jedes Jahr neugierige Touristen an. Östlich von San Francisco in Kalifornien an der Grenze zu Nevada und nördlich des Mono Lake an einer etwa 20 Kilometer langen Stichstraße, die zwischen Lee Vining und Bridgeport vom U.S. Highway 395 abzweigt, findet sich die Geisterstadt Bodie. Seit 1964 lebt hier bis auf Ausnahmen niemand mehr. Die geringe Luftfeuchtigkeit hat dafür gesorgt, das viele Gebäude, Gerätschaften und Autos relativ gut erhalten sind. Somit gilt Bodie als die besterhaltene Geisterstadt der USA.

Die Gründung der Stadt geht auf das Jahr 1859 zurück, als William S. Bodey in Mono County in der Sierra Nevada, etwa 20 Meilen nördlich des Mono Lake, Gold gefunden hatte. Weil dieser noch im selben Jahr starb, gründete seine Familie an dieser Stelle die Stadt Bodie und begann 1861 mit dem Goldabbau. Man verwendete bewusst den Namen „Bodie“ um eine falsche Aussprache als „Body“ (Leiche) zu vermeiden. 1876 stieß der Betreiber der Goldmine, die Standard Company, auf eine sehr profitable Goldader. Aus diesem Grund wuchs Bodie in den Folgejahren rasant, schnell stieg die Population auf 10.000 Einwohner an.

Alter Ford-Truck. Foto: James Marvin Phelps/CC BY 2.0

Immer mehr Bergwerke entstanden westlich unterhalb der Hügelkette. Das größte Bergwerk wurde von Standard Mines betrieben und unterhielt eine Seilbahn vom Schachtausgang in den Hügeln an den Stadtrand zum firmeneigenen Erzbrecher. Zur Blütezeit verfügte Bodie entlang der Hauptstraße über 65 Saloons, zahlreiche Amüsierbetriebe, ein Chinesenviertel mit taoistischem Tempel und einer Opiumhöhle, eine Eisenbahn, mehrere Zeitungen und Brauereien sowie Kirchen verschiedener Religionen. Der Tagesablauf gestaltete sich zeitweise wie in einem Westernfilm. Morde, Überfälle und Postkutschenraube waren beinahe an der Tagesordnung. Dies verschaffte Bodie einen schlechten Ruf. Die Goldgräberstadt galt in dieser Zeit als eine der wildesten und gesetzlosesten Städte des Westens.

So unerwartet der Goldgräber-Boom gekommen war, so schnell war selbiger auch wieder beendet. Als der Goldpreis stark fiel und die Mine kaum noch Profit abwarf, sank die Bevölkerungsanzahl rapide. 1917 demontierte man die Eisenbahnlinie und verschrottete die Schienen. Nur wenige Einwohner hielten Bodie die Treue. Als 1932 ein Großbrand ausbrach und die meisten, bis auf die heutigen verbliebenen Gebäude vernichtete, war das Schicksal der Stadt besiegelt. Das Geschäftsviertel war völlig zerstört, das Postamt schloss 1942. Auch die Mine wurde in den sechziger Jahren vollständig aufgegeben.

Im Inneren eines Saloons. Foto: Jon Sullivan

Bodie ist seit 1962 ein State Park (Staatspark), ein natur- und denkmalschutzbedürftiges Gebiet, das von der Regierung des Bundesstaates unter besonderen Schutz gestellt wurde. Neben zahlreichen Gebäuden steht noch die Kirche, die Schule, ein Bankgebäude aus Ziegelsteinen, eine Bar, ein Laden und mehrere Wohnhäuser sowie das große Minengebäude. Letzteres kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Einige Gebäude sind zugänglich. Bodie wirkt, als kämen die Bewohner jederzeit zurück.

Geisterstadt Bodie. Foto: Eric T. Gunther

Für die Erhaltung von Bodie verlangt die Parkverwaltung einen kleinen Betrag von den Besuchern. Da im Bodie State Park keinerlei Geschäfte existieren, wird die Mitnahme von Getränken im Sommer empfohlen. Die letzten fünf Kilometer der Anfahrt vom Highway 395 nach Bodie sind nicht mehr asphaltiert und führen über eine Schotterstraße. Die Sommer in der Sierra Nevada sind heiß und die Winter sehr kalt mit sehr viel Schnee. Im Winter sind die Zufahrtswege oft so hoch verschneit, dass Bodie nur auf Skiern oder mit Schneemobilen erreichbar ist. Selbst Allradfahrzeuge mit Schneeketten bleiben Jahr für Jahr stecken.

Interessante Links
www.bodie.com
www.parks.ca.gov

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