Bertzitturm in Kahla vom Eigentümer eingezäunt

Kahla (aw). Wer an den mächtigen Schloten des ehemaligen Kraftwerks Plessa vorbeifährt und in Richtung Kahla (Landkreis Elbe-Elster) unterwegs ist, entdeckt nach kurzer Zeit eine merkwürdige Landmarke. Dabei handelt es sich um den ehemaligen, 35 Meter hohen Bertzitturm, ein Zeitzeugnis der Industriegeschichte, welcher dem Leuchtturm von Alexandria nachempfunden sein soll. Weil das Bauwerk jedoch seit fast neun Jahrzehnten dem Verfall ausgesetzt ist, verschlechtert sich der Zustand zusehends. Immer wieder klettern Unbefugte auf den Turm und bringen sich damit in Lebensgefahr.

Der Turm in Stahlskelettbauweise sollte ursprünglich in der Braunkohleveredelung für das Bertzitverfahren zur Kohletrocknung angewendet werden. Die Döllinger Bergbaugesellschaft förderte in der Nähe in der Grube Ada von 1911 bis 1930 Kohle. Weil der Übertageabbau wesentlich kostengünstiger gestaltete, gab man die Bergbauschächte auf und stellte den Betrieb ein. Bestehende Gebäude baute man bis auf wenige Restobjekte zurück. Gleiches Schicksal sollte auch den Bertzitturm ereilen, doch bei den Rückbauarbeiten wurde ein Arbeiter tödlich verletzt. Infolgedessen nahm man die Arbeiten nie wieder auf.

Um zukünftig ungebetene Besucher fernzuhalten, ist der Eigentümer seiner Objektsicherungspflicht nachgekommen und hat den Turm umzäunt. Diese Maßnahme war eine Auflage der Bauaufsichtsbehörde. Was zukünftig mit dem Baudenkmal geschehen soll, ist unklar. Wie Kahlas Ortsvorsteher Steffen Klotzsch gegenüber der „Lausitzer Rundschau“ berichtete, könne man sich eine Sanierung und Nutzung als Aussichtsturm gut vorstellen. Die Kosten dafür wären allerdings sehr hoch. Und zuletzt ist das Industriedenkmal in Privatbesitz. 2007 hatte sich eine Initiative schon einmal für den Erhalt als Aussichtsturm eingesetzt.

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