Berliner Schlange genießt ab sofort Denkmalstatus

Berliner Schlange, Seitenansicht. Foto: Unbekannt/CC BY-SA 3.0

Berlin (aw). Die Autobahnüberbauung Schlangenbader Straße aus den 1970er Jahren im Berliner Ortsteil Wilmersdorf am Rande des Rheingauviertels steht ab sofort unter Denkmalschutz. Der Wohnkomplex – umgangssprachlich auch „Schlange“ genannt, verfügt mit seinen verbundenen Wohnblocks über 1.215 Wohneinheiten und hat eine Gesamtlänge von 1,5 Kilometern. Die Schlange wurde als Überbauung direkt oberhalb der vierspurigen Autobahn A 104 errichtet und zählt zu den größten zusammenhängenden, durchgängig begehbaren Wohnkomplexen Europas. Nachdem das Berliner Landesdenkmalamt in diesem Jahr bereits mehrere Gebäude aus den 60er und 70er Jahren unter Denkmalschutz gestellt wurden, war der Status für die Schlange nur eine Frage der Zeit.

Die Schlange wurde von 1973 bis 1980 von den Architekten Georg Heinrichs, Gerhard und Klaus Detlev Krebs entworfen und gebaut. Das Gebäude genießt bis heute Kultstatus und gilt als Prestigeobjekt zur Schaffung von verdichtetem Wohnraum auf begrenztem Umfeld. Für Bernhard Kohlenbach vom Landesdenkmalamt Berlin ist das Gebäude weltweit einzigartig. Im isolierten West-Berlin entstand die Idee, dem Autobahnzubringer das „gewisse Extra“ aufzusetzen. Gedacht, geplant gebaut, heute dominiert die Schlange das Ortsbild – wirk wie ein riesiges Kreuzfahrschiff, in dessen Bauch sich die Autos verlieren.

Die „kleine Stadt am Stück“ – wie die Schlange von der Berliner Wohnungsgesellschaft „DEGEWO“ liebevoll genannt wird – bietet viele Geschäfte, Restaurants sowie Service-, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen. Sie dient aufgrund ihrer einmaligen Bauweise häufig als Filmkulisse für Fernsehserien wie „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ oder auch „Wolffs Revier“. Im Jahr 1980 wurden die ersten Wohnungen bezugsfertig, der Erstbezug erstreckte sich jedoch aus organisatorischen Gründen bis 1981, da zum 1. und zum 15. eines jeden Monats jeweils eine Beschränkung auf 40 Bezüge bestand.

Die Wohneinheiten wurden im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus errichtet. Zum Ende der 1980er Jahre kam es zu Wohnumfeldverschlechterungen des Komplexes, jedoch wurden diese durch intensive Investitionen in Sicherheitstechnik und -personal (Wachschutz) in den 1990er Jahren kompensiert. Zwischen 1998 und 2000 wurden innerhalb dieses Rahmens Investitionen von umgerechnet über 6,6 Millionen Euro getätigt. Das Gesamtwerk wurde 2002 mit dem Renault Traffic Design Award für fortschrittliche Verkehrsarchitektur in der Kategorie „Historischer Award“ ausgezeichnet.

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