Behörde möchte „Befehlsturm“ erhalten

Sportforum Chemnitz. Foto: Kolossos/CC BY-SA 3.0

Chemnitz (aw). Wenn es nach den Stadtoberhäuptern in Chemnitz geht, dann könnte der Stadionturm im Hauptstadion des Sportforums unverzüglich abgerissen werden. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) möchte jedenfalls für den weiteren Erhalt des einstigen „Befehlsturms“ kein kommunales Geld ausgeben. Das Sächsische Landesamt für Denkmalpflege möchte das Kulturdenkmal auf jeden Fall erhalten und lehnt den Abriss kategorisch ab. Die Denkmalpfleger bezeichnen den Stadionturm als historisches Zeugnis, das unbedingten Schutz bedarf. Gegenüber der Freien Presse ließ man verkünden, sollte ein Abbruchantrag der Kommune in der Landesbehörde in Dresden eingehen, werde dieser umgehend abgelehnt.

Der Turm wurde in den 1930er-Jahren vom Architekten Fred Otto geplant, erbaut und im September 1938 samt Stadion mit dem Fußball-Länderspiel Deutschland gegen Polen eröffnet. Konzipiert wurde der Stadionturm nach Angaben von Oberbürgermeisterin Ludwig als sogenannter „Führerturm“ – hier gehen allerdings die Expertenmeinungen auseinander. Etwa ein Jahr nach dem Eröffnungsspiel wurde Polen von den Deutschen überfallen. Genau diese dunkle Historie ist es, die Ludwig gerne aus dem Chemmitzer Stadtbild entfernt sehen möchte. Zudem würde, so Ludwig, eine Sanierung etwa zwei Millionen Euro kosten. Diese Argumentationen sind für die Denkmalschützer eine „verkürzte Wahrnehmung der Geschichte“, eine Geschichte, die man nicht ausblenden kann und sollte.

Geht es nach den Denkmalschützern, könnte der Turm nach dem Vorbild im Westsachsenstadion in der Stadt Zwickau saniert werden. Hier hatte man ohne großes Aufsehen zu erregen und ohne sich langen Debatten hinzugeben, den Turm einfach saniert. Dieser ist heute ein Wahrzeichen von Zwickau und ein echter Indentifikationspunkt – heißt es aus dem dortigen Rathaus. Auch wenn man den Turm im Sportforum Chemnitz für die heutige Funktionalität des Stadions nicht mehr benötigt, so gilt dieser klar als Ortsmarke und auch als Mahnmal. Ein Mahnmal, nicht nur reduziert auf seine dunkle Vergangenheit, sondern mit verschiedenen Epochen.

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