Bauarbeiten in der Magdeburger Hyparschale haben begonnen

Hyparschale in Magdeburg vor der Sanierung. Foto: rottenplaces Archivfoto.

Magdeburg (pm/aw). Seit Anfang Dezember läuft der Umbau der Hyparschale. Das markante Gebäude im Stadtpark Rotehorn wird bis 2022 für 16,9 Millionen Euro umfassend saniert und umgebaut (wir berichteten). Zum Baustart gaben Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper, der Leiter des Kommunalen Gebäudemanagements, Heinz Ulrich, sowie Christian Hellmund vom zuständigen Architekturbüro gmp bei einem Medientermin den anwesenden Journalist*innen Einblicke in den Bauablauf und die Möglichkeit, die Halle letztmalig vor dem Umbau in Augenschein zu nehmen. Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper sagte bei dem Vor-Ort-Termin: „Die Hyparschale ist einer der architektonisch bedeutsamsten Bauten in Magdeburg. Es freut mich sehr, dass der Umbau jetzt – pünktlich zum 50-jährigen Bestehen der Hyparschale – begonnen hat und wir in wenigen Jahren ein äußerst modernes Veranstaltungsgebäude in einem außergewöhnlichen Bau direkt an der Elbe nutzen können.“

Für den Leiter des für das Projekt zuständigen Kommunalen Gebäudemanagements, Heinz Ulrich, steht fest, dass die Hyparschale eine der spannendsten Baustellen in der Landeshauptstadt sein wird: „Das Interesse der Bürger*innen hat in all den Jahren nicht abgenommen. Im Gegenteil: Viele freut es, dass die Stadt die Halle wiederherrichten lässt. Und dass wir damit auf dem richtigen Weg sind, zeigt ja auch der Umstand, dass die Sanierung als Premium-Projekt des Bundes ausgezeichnet wurde und wir dafür 5 Millionen Euro Fördermittel erhalten.“ Der Umbau erfolgt nach Entwürfen von gmp – Architekten von Gerkan, Marg und Partner. Einer der Partner, Christian Hellmund, erläuterte die Pläne und erklärte: „Wir hoffen, mit unserem Entwurf zur Sanierung und Transformation der Magdeburger Schale einen beispielhaften Beitrag zur Wiederbelebung der noch zahlreich vorhandenen Konstruktionen Ulrich Müthers leisten zu können.“

Umfangreiche Modernisierung

Die Magdeburger Hyparschale ist ein Denkmal der DDR-Nachkriegsmoderne und steht seit 1990 auf der Denkmalliste. Durch die Modernisierung soll sie als vielseitiger Veranstaltungsort genutzt werden, insbesondere durch flexibel nutzbare Tagungsräume. Dort können dann Ausstellungen, Kongresse und Veranstaltungen für 200 bis 500 Personen stattfinden. Die Räumlichkeiten werden durch einen variablen, zweigeschossigen Kubus flexibel gestaltbar. Weiterhin werden die Gebäude- und die Veranstaltungstechnik erneuert, die Gebäudehülle unter Berücksichtigung der Anforderungen des Denkmalschutzes energetisch aufgewertet und der Küchenbereich (Ausgabe /Catering) erneuert. Auch ein angemessener Hochwasserschutz wird durch die Planungen umgesetzt und gewährleistet sowie durch ein Lichtkonzept die Außenwirkung im Stadtraum Magdeburgs verbessert.

Mit der Instandsetzung und Modernisierung soll dieser stadtbildprägende Bereich optisch und funktional wiederbelebt und aufgewertet werden. Damit wird er ein wichtiger Bestandteil der Bewerbung Magdeburgs als Kulturhauptstadt 2025.

Neuer Baustoff

Die Sanierung der Stahlbeton-Dachschalen erfolgt mit dem innovativen Baustoff Carbonbeton unter Anwendung eines neuen Verfahrens, für welches mittlerweile die Zustimmung im Einzelfall erteilt wurde. Für die allgemeine Beleuchtung und architektonisch-künstlerische Lichtgestaltung kommt neueste, innovative Lichttechnik zur Anwendung. Entsprechend der besonderen Formgebung und Funktionen des Gebäudes bedarf es einer sehr hohen Qualität bei der Auswahl der Materialien, bei den akustischen Maßnahmen und beim sommerlichen Wärmeschutz. Darüber hinaus soll eine maximale Vielseitigkeit in der Nutzung erreicht werden.

Zwei Bauabschnitte

Die Hyparschale wird in zwei Bauabschnitten saniert und modernisiert. Zuerst erfolgt die Sanierung der Dachschalenkonstruktion mit dem zugehörigen Tragwerk, die mit Mitteln aus dem Programm Stadtumbau gefördert wird. Die Kosten belaufen sich auf 4,16 Mio. Euro, Bauzeit ist von Dezember 2019 bis voraussichtlich Mai 2021. Danach folgt der zweite Bauabschnutt, die Sanierung und der Ausbau des übrigen Bestandsgebäudes. Das Vorhaben wird als Premium-Projekt im Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ gefördert und veranschlagt 12,74 Mio. Euro. Diese Maßnahme soll von Juni 2020 bis voraussichtlich August 2022 stattfinden. Darüber hinaus wird die unmittelbar dem Gebäude zuzuordnende Freifläche 2021/22 erneuert.

Premium-Projekt des Bundes

Die Sanierung der Magdeburger Hyparschale ist als Premium-Projekt vom Bundesministerium für Inneres, Bau und Heimat ausgewählt worden. Damit verbunden ist eine Förderzusage in Höhe von fünf Millionen Euro, die am 15. Oktober 2019 in Berlin offiziell verkündet wurde. Damit würdigt auch der Bund die Bemühungen der Landeshauptstadt, dieses bedeutende Bauwerk der Nachkriegsmoderne zu erhalten und zu einem neuen Anziehungspunkt für den Stadtpark Rotehorn und für ganz Magdeburg werden zu lassen. Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper hatte in der Stadtratssitzung am 8. Juni 2017 verkündet, dass die Landeshauptstadt selbst die Hyparschale sanieren wird. Damit endete die Suche nach einem Investor für das bedeutende Gebäude im Stadtpark Rotehorn. Die Hyparschale steht seit mehr als 20 Jahren leer.

Sie wurde 1969 als Messe- und Ausstellungszentrum für Magdeburg nach den Plänen des Bauingenieurs Ulrich Müther errichtet. Die baukonstruktive Besonderheit besteht darin, dass die Dachkonstruktion aus vier zusammengesetzten hyperbolischen Paraboloiden besteht, welche eine Grundrissfläche von 48 x 48 m überspannen. Sie gilt als architektonische Meisterleistung und ist ein kulturelles Wahrzeichen im Stadtbild. Die Magdeburger Version ist die größte noch erhaltene Hyparschale, die das Bauunternehmen des Schalenbaumeisters Ulrich Müther errichtet hat. Auch nach 50 Jahren ist dieses Solitärbauwerk ein beeindruckendes und erhaltenswertes Beispiel für die Kunst des leichten Bauens.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here